Auf heißen Reifen nach Rio

Interview mit der Tiroler Profi-Mountainbikerin Lisi Osl

Die Kitzbüheler Mountainbikerin Lisi Osl gehört zu den besten Fahrerinnen der Stunde. Zahlreiche internationale Erfolge sprechen für das Talent und die Leidenschaft der 30-jährigen Sportlerin. Der Profi erzählte LA LOUPE von ihren sportlichen Herausforderungen und gibt Einblicke, an welche Grenzen sie beim Dreh für den aktuellen Tirol Werbung-Spot gestoßen ist.

L.L. / Frau Osl, Sie sind in Kirchberg bei Kitzbühel aufgewachsen und leben auch heute hier. Was macht den Ort und die Umgebung für Sie unvergleichlich?

L.O. / Kitzbühel ist meine Heimat und ich fühle mich hier sehr wohl. Von klein auf habe ich die wunderschöne Bergwelt kennen und schätzen gelernt. Da die Berge hier nicht ganz so hochalpin sind, eignen sie sich perfekt zum Biken. Auch im Winter verbringe ich viel Zeit beim Skitouren gehen, ohne dabei in extrem risikoreichen Gebieten unterwegs zu sein. 

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L.L. / Nach Ihrem Gesamt-Weltcup-Sieg 2009 wurde ein Mountainbike-Trail in der Region nach Ihnen benannt. Wie oft kann man Lisi Osl persönlich dort treffen? Wie fit sollte man sein, um ihn zu meistern?

L.O. / Das ist natürlich eine große Ehre für mich – auch wenn es sich für mich immer noch etwas merkwürdig anfühlt. Da ich unter dem Jahr sehr viel unterwegs bin, verbringe ich nur wenig Zeit zu Hause. Wenn es mich aber in die Heimat zieht und mein Trainingsprogramm es zulässt, nehme ich den Lisi-Osl-Trail unter die Räder. Meistens passiert das im Herbst. Die Abfahrt zaubert mir dann immer ein Lächeln ins Gesicht, weil es so viel Spaß macht.

Der Trail ist so angelegt, dass er für jeden geübten Biker zu schaffen ist. Die Geschwindigkeit macht es dann schwierig.

L.L. / Kitzbühel ist eine abwechslungsreiche Radregion. Verraten Sie uns weitere persönliche Lieblingsrouten?

L.O. / Es fällt mir schwer, mich auf eine Tour festzulegen, denn die Abwechslung macht es aus. Auf meiner Liste ganz oben steht die Tour von Westendorf hoch Richtung Hohe Salve, dann über einen Trail hinunter zum Filzalmsee, nochmal hoch zum Jochstubensee und dann über einen unglaublich flowigen Trail runter nach Kirchberg, quasi direkt vor meine Haustüre.

L.L. / Wenn Sie an den Sommer in Tirol denken, was fällt Ihnen als erstes ein?

L.O. / Bergseen, die frische Luft und die Ruhe dort oben.

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L.L. / Sie sind die Hauptdarstellerin des neuen Tirol Werbung-Spots. Was hat sie am Konzept von Regisseur Andreas Hafele begeistert?

L.O. / Begeistert hat mich, mit welcher Hingabe Andreas arbeitet und wie viel Wert er auf die Vertonung legt. Ich bekomme jedes Mal wieder Gänsehaut, wenn ich mir den Spot ansehe.

L.L. / Wie haben Sie den Dreh erlebt? War er für Sie als Spitzensportlerin eine einfache Übung oder mussten Sie an Ihre Grenzen gehen?

L.O. / Andreas erklärte mir, dass bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang das beste Licht zum Drehen sei. Wir mussten also um kurz vor 5 am Berg sein. Die Sonne verschwand dann gegen 21 Uhr. Das waren schon lange und anstrengende Tage. Auch wenn die Crew große Rücksicht auf mich nahm, kam ich an meine Grenzen: Die ständigen Stop and Go-Phasen machten mich sehr müde. Ein Trainingsprogramm abzuspulen geht mir leichter von der Hand. Bei den Aufnahmen im Herbst kam dann auch noch die Kälte dazu.

Es hat aber auch Spaß gemacht. Ich habe viel dazu gelernt und interessante Dinge erlebt. Unglaublich, wie exakt gearbeitet wurde und wie viel mehr eigentlich hinter dem Ganzen steckt. Wenn ich mir jetzt den Spot ansehe, bin ich einfach dankbar, dass ich als Protagonistin gewählt wurde. 

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L.L. / Man sieht im Spot die Anstrengung beim Training, aber auch Momente der Entspannung, des Ankommens. Wie viel Pause gönnt sich die „echte“ Lisi?

L.O. / Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, nichts zu tun und mich auszuruhen. Ich habe aber über die Jahre gelernt, dass gerade die Erholung das Um und Auf ist, um stärker zu werden.

L.L. / Mit großer Ausdauer und Disziplin konnten Sie schon viel erreichen. Welcher Moment Ihrer Karriere war bisher am Schönsten?

L.O. / Sicherlich der Gesamtweltcupsieg im Jahr 2009.

L.L. / Nationale und internationale Meisterschaften, EM, WM und Olympia in Rio – 2016 bietet ein Mountainbike-Highlight nach dem anderen. Wie bereiten Sie sich auf die vielen Herausforderungen vor?

L.O. / Ich versuche so viel wie möglich zu Hause zu sein, gut und konsequent zu trainieren und auch die nötigen Erholungszeiten einzuhalten. Der mentale Teil spielt eine immer größere Rolle. Gerade in diesem Bereich steckt bei mir noch Potential, daran arbeite ich noch. 

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L.L. / Bei welchem Rennen wollen Sie heuer auf jeden Fall eine Top-Platzierung erreichen?

L.O. / Rennen ist Rennen und sobald ich eine Startnummer montiert habe, möchte ich so schnell wie möglich sein. Die größten Erfolge sind natürlich bei Weltcuprennen und internationalen Meisterschaften zu holen.

L.L. / Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass Sie bereits mit „Vollgas“ im Leben ankamen, nämlich in einem Krankenwagen auf der Strecke zwischen Kirchberg und Kitzbühel. Wurde Ihnen die Leidenschaft für hohe Geschwindigkeiten bereits in die Wiege gelegt? Wer hat Sie besonders gefördert?

L.O. / Ich weiß nicht, ob das „Schnell-sein-wollen“ schon so früh begann. Ich war und bin einfach jemand der sich immer viel und gern bewegt. Meine Eltern hielten nichts von Wettkampfsport und wollten erst gar nicht, dass ich damit anfange. Meine Schwester Maria überredete mich dann jedoch, gemeinsam bei einem Mountainbike-Rennen zu starten und so nahm alles seinen Anfang.

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L.L. / Sie bereisen durch Ihren Beruf die ganze Welt. In welchem Land biken Sie außerhalb Tirols besonders gerne?

L.O. / Es gibt viele tolle Plätze um zu biken, sei es in der Schweiz, in Kanada oder irgendwo in Skandinavien. Am Schönsten ist es aber immer zu Hause. 

L.L. / Für Spitzensportler ist gesunde Ernährung ein großes Thema. Auf welches Gericht wollen Sie trotzdem nicht verzichten? Wie wichtig ist Ihnen Genuss?

L.O. / Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir gesundes Essen ausgezeichnet schmeckt. Es tut mir gut und ich fühle mich wohl dabei. Daher habe ich nicht das Gefühl, dass ich auf viel verzichten muss.

Ab und zu ein Apfelstrudel lässt mein Herz schon höher schlagen. Dann noch eine gute Tasse Kaffee dazu und ich bin rundum zufrieden. Das kann ich dann auch mit gutem Gewissen genießen.

Ich habe eine große Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln, vor allem bei heimischen und selbstgemachten Produkten. Genuss ist für mich von großer Bedeutung.

L.L. / 2016 ist ein besonders spannendes Jahr. Haben Sie schon Pläne für die Zeit danach, oder lassen Sie die Dinge auf sich zukommen?

L.O. / Klar mache ich mir Gedanken was danach kommt und ich habe auch schon Vorstellungen, in welche Richtung es gehen soll. Momentan schlägt mein Herz aber noch zu stark für den Wettkampf. Das Bike kann ich also erstmal noch nicht an den Nagel hängen. 

Wordrap

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Steigung oder Abfahrt? Beides, das gehört einfach dazu!

Zuhause fühle ich mich ... wenn ich einfach die Lisi bin, frisches Wasser aus dem Wasserhahn läuft und ich die Ruhe genießen kann.

Namen für Räder finde ich ... darüber sollen sich die Hersteller den Kopf zerbrechen.

Erfolg ist ... hart erarbeitet, dafür umso schöner wenn man ihn hat.

E-Bikes sind ... in Zukunft ein großes Thema.

Nach dem Training freue ich mich auf ... eine Dusche und gutes Essen.

Fully oder Hardtail? Auf jeden Fall Hardtail.


Infobox

Die Mountainbike-Rennfahrerin wurde am 21.11.1985 in Kirchberg / Tirol geboren. Mit 13 Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für den rasanten Fahrradsport. Schnell wechselte sie von den regionalen Uphill-Rennen zur olympischen Disziplin Cross Country. Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten und sie gewann zahlreiche renommierte World Cups. 2009 folgte der Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere: Sie besetzte als Weltcup-Gesamtsiegerin die Spitze der UCI Weltrangliste. Momentan trainiert sie für die olympischen Spiele in Rio de Janeiro.