Genuss für Geist und Körper

Interview mit Yoga-Lehrerin Tania Wimmer

Einen schöneren Blick aus den Fenstern des Yogastudio OM&CO kann man sich gar nicht wünschen: Während man sich bei „Sonnengruß“ und „Krieger“ in Position bringt, entfaltet sich draußen eine traumhafte Kulisse mit Sicht auf das Alpenpanorama Kitzbühels und den Hahnenkamm. Die außergewöhnliche Atmosphäre des SPA A-ROSA Kitzbühel, in dem sich das Studio befindet, lädt sofort zum Entspannen ein. Geleitet wird das OM&CO von Tania Wimmer, die mit ihrem sonnigen Gemüt auch den größten Yogamuffel von der indischen Lehre überzeugt. La Loupe sprach mit der Neuseeländerin über ihre Yoga-Leidenschaft und ihre ganze persönliche Beziehung zu Kitzbühel. 

L.L. / Frau Wimmer, Sie sind eigentlich Neuseeländerin. Was führte Sie nach Kitzbühel?

T.W. / Die Liebe hat mich nach Deutschland geführt. Als ich dann Kinder bekam, hatten wir Sehnsucht nach der Natur und wollten, dass sie in einer natürlichen Umgebung aufwachsen. Von eingezäunten Spielplätzen in der Großstadt waren weder ich noch unsere Kinder begeistert. Die Vorstellung, weit weg von der Natur aufzuwachsen, ist für mich als Neuseeländerin einfach fremd. Wir wollten aufs Land und wünschten uns aber trotzdem eine gute Infrastruktur. So sind wir auf Kitzbühel gestoßen und da wir leidenschaftliche Skifahrer sind, waren wir sofort begeistert. 

Tania Wimmer
Tania Wimmer

L.L. / Sie sind nicht nur begeisterte Skifahrerin, sondern führen auch Ihr eigenes Yogastudio „OM&CO“ in Kitzbühel. Woher kommt die Leidenschaft für Yoga?

T.W. / Ich praktiziere Yoga schon sehr, sehr lange und fing bereits in Neuseeland damit an. Meine Mutter und meine Schwester übten fleißig und zogen mich mit. Das war unser wöchentliches Ritual und wir freuten uns immer auf das leckere indische Essen danach. Mit 21 ging ich dann weg aus Neuseeland und egal wo ich war, überall praktizierte ich Yoga. 

L.L. / Ist der Trend zur indischen Lehre in Neuseeland größer als hier in den Alpen?

T.W. / Mittlerweile schon. Ich denke, dass sich das moderne Yoga sehr stark in den USA entwickelt hat. Neuseeland und Australien nehmen von dieser Bewegung viel auf. Die Entwicklung in Europa und Neuseeland ist heutzutage sehr ähnlich. Überall gibt es einen Yoga-Boom, weil wir ständig von Stress umgeben sind und uns nach einer Auszeit sehnen. Yoga als Ausgleich zum Alltag wird in der heutigen Zeit immer wichtiger.

L.L. / Kitzbühel hat sich in erster Linie als eine der führenden Wintersportdestinationen einen Namen gemacht.  Warum kann man hier aber auch wunderbar Yoga praktizieren?

T.W. / Kitzbühel ist einer der magischsten Plätze dieser Welt, ein Ort mit viel Energie. Einheimische und Gäste kommen im OM&CO zur Ruhe – und das in traumhafter Umgebung. Der Hahnenkamm ist direkt vor dem Fenster und während der Stunden kann man die Aussicht genießen. Das ist schon ein „Wow-Effekt“. Es ist ein wahrer Genuss für den Geist, den Körper und die Augen. Man wird auf vielen verschiedenen Ebenen glücklich gemacht. 

L.L. / Yoga hat sich in den letzten Jahren zur Trendsportart entwickelt. Was soll generell mit Yoga erreicht werden?

T.W. / Yoga ist sicherlich eine Trendbewegung. Beim Yoga geht es aber nicht nur um die Meditation in Kombination mit den Asanas (Körperstellungen), sondern auch darum, wie man das Leben sieht und wie wir Dinge wahrnehmen. Es geht um ein bewusstes Leben, nicht nur auf der Matte. Wir leben in der westlichen Welt und es gibt vieles was wir gar nicht mehr wahrnehmen oder schätzen. In einer Yogastunde gibt es kein richtig oder falsch, ich möchte Impulse geben, die zum Nachdenken anregen. Wichtig ist es, Erfahrungen mit sich selbst zu machen. 

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L.L. / Sie bieten eine große Bandbreite an Kursen in Ihrem Yogastudio OM&CO an. Braucht man Yoga-Erfahrung um daran teilnehmen zu können oder ist der Einstieg jederzeit möglich?

T.W. / Jeder kann Yoga machen – auch bei uns. Ich versuche für jeden Neuling die passende Stunde zu finden. Meine jüngste Kundin ist 12, meine älteste über 80. Die Übungen werden dann dementsprechend angepasst. Man sollte auf jeden Fall langsam anfangen und vieles ausprobieren. Die Harmonie zwischen Lehrer und Schüler ist auch sehr wichtig, genauso wie ein energetisches Wohlbefinden. Wenn man noch nie Yoga gemacht hat, würde ich einen  Anfängerkurs empfehlen. Man muss sich in den Asanas, den Körperübungen, wohlfühlen. Dann entwickelt sich die Praxis Schritt für Schritt. Yoga soll nachhaltig sein und einen das Leben lang begleiten. 

L.L. / Vinyasa Flow, Prana Flow und Ashtanga – es gibt ganz verschiedene Yogastile. Welche unterrichten Sie und wie unterscheiden sie sich voneinander?

T.W. / Ich unterrichte verschiedene Arten von Yoga. Vinyasa Flow ist ein dynamischer Yogastil, in dem sich Bewegung und Atmung zu einem fließenden Erlebnis verbinden. Man fließt durch kreative und abwechslungsreiche Yoga-Positionen, den Asanas. Hier erlebt man körperliche Anstrengung und Leichtigkeit zugleich, feste Basis und Balance.

Ich bin auch Budokon®-Yoga-Lehrerin. Budokon® ist eine Lehre von Cameron Shayne. Sie setzt sich aus Kampfsportarten und Yoga zusammen. Dabei geht es um den Krieger und den Yogi und ihre Beziehung zueinander. Laut seiner Theorie haben wir beides in uns – es ist ein sehr dynamischer und disziplinierter Stil.

Außerdem unterrichte ich Yin-Yoga.  Auf sanfte Weise kommt man in Körperpositionen, die über mehrere Minuten passiv gehalten werden. Diese Praxis ist sehr ruhig, aber auch sehr wirksam.  

In allen meinen Stunden lasse ich meine Yoga-Medicine-Ausbildung einfliessen. So arbeite ich sehr therapeutisch mit verscheiden Techniken, z.B. Myofascial Release. Damit löst man Blockaden in den Faszien und behandelt andere Beschwerden.

Mein Team unterrichtet im OM&CO zusätzlich noch Ashtanga Inspired und Prana Flow.

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L.L. / Ihr Studio befindet sich im 5-Sterne-Hotel A-ROSA in Kitzbühel. Sind Ihre Teilnehmer vorwiegend Hotelgäste?

T.W. / Wir haben ein eigenständiges Yogastudio im Hotel. 90% meiner Kunden sind aber aus Kitzbühel oder der Umgebung. Sie sind regelmäßig das ganze Jahr hier. Aber auch Hotelgäste – auch aus anderen Hotels – können gerne an allen Kursen teilnehmen. Wir bieten eine große Bandbreite an Kursen an, so kann jedes Level abgedeckt werden. Man kann auch jederzeit einsteigen, das ist natürlich auch für den Hotelgast sehr angenehm.

L.L. / Frau Wimmer, Ihre Wurzeln liegen in Neuseeland. Unterrichten Sie auf Englisch oder auf Deutsch?

T.W. / Beides, in Denglisch (lacht). Yoga ist sehr lingual, weil man versucht, Gefühle hervorzurufen und die Teilnehmer auf eine Reise zu sich selbst zu schicken. Und das geschieht auch über die Sprache. Ich verbringe auch viel Zeit damit, Wörter zu übersetzen und den richtigen Tonfall zu üben (lacht wieder).

L.L. / Oftmals hat man das Gefühl Yogafans wären überwiegend weiblich. Was macht Yoga auch für Männer interessant? 

T.W. / Hier bei uns verstehen viele noch nicht, dass Yoga auch eine körperliche Herausforderung sein kann. Nicht nur Rumsitzen und „Om“ sagen. Speziell für Männer gibt es nun aber auch ein riesiges Angebot. Ich unterrichte sogar eine reine Männergruppe. Da sie eine andere Muskelstruktur als Frauen haben, sind Männer meistens nicht ganz so beweglich. Ich passe die Übungen deshalb an.

L.L. / Sportgeschäfte bieten mittlerweile eine immer größere Auswahl an schönen Yoga-Outifts. Hat Yoga einen bestimmten Dresscode?

T.W. / Bei uns im OM&CO Studio gibt es keinen Dresscode. Yoga ist sehr modisch geworden, dahinter steckt natürlich auch eine große Industrie. Die richtige Sportbekleidung steigert auch das Wohlbefinden im eigenen Körper. Wenn einem das aber egal ist, kann man natürlich anziehen, was man möchte. Das bleibt immer eine eigene Entscheidung.

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L.L. / Yoga fördert den Einklang von Körper, Geist und Seele. Welche Rolle spielt dabei die Ernährung?

T.W. /Ich bin der Meinung, dass wir alle unterschiedliche Bedürfnisse haben und sollten deshalb die Ernährung an den eigenen Körper anpassen. Man sollte essen, was seinem Körper gut tut. Solange man sich darüber bewusst ist, was man konsumiert.

L.L. / Seit einiger Zeit entstehen überall auf der Welt viele neue Studios, in denen man gemeinsam Yoga praktizieren kann. Wie lange dauert eine Ausbildung zur YogalehrerIn?

T.W. / Das ist ein lebenslanges Projekt. Es gibt Ausbildungskurse, die relativ kurz sind und welche, die sich über zwei oder drei Jahre strecken. Ehrlich gesagt: man hört nie auf, sich weiterzubilden.

L.L. / Die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer ist im Yoga sehr wichtig. Was macht einen guten Yogalehrer aus?

T.W. / Als Lehrer sollte man zunächst selbst Erfahrung sammeln und diese dann erst später an Teilnehmer weitergeben. Theoretisch kann jeder Yoga – und jeder kann Yoga unterrichten. Als Yogaschüler würde ich darauf achten, dass mir der Lehrer sympathisch ist und eine gewisse Erfahrung hat.

L.L. / Kann man Yoga auch alleine Zuhause praktizieren, wenn die Zeit für einen Besuch im Studio zu knapp ist?

T.W. / Jeder kann Yoga immer und überall ausüben. Nach K. Pattabhi Jois besteht Yoga aus 99% Praxis und 1% Theorie. Es ist einfach wichtig, die Matte auszubreiten, in Bewegung zu kommen und sich selbst zu spüren – sich bewusst zu machen, wie es einem geht. Man muss ja keine Power-Stunde machen, sondern kann auch einfach mal entspannen und sich Zeit für sich selbst nehmen. Es gibt auch viele gute Hilfsmittel wie Apps und Videos. 

L.L. / Leistungssportler nutzen Yoga als Ausgleich und stärken damit ihre Tiefenmuskulatur. Wie wirkt sich Yoga auf deren Körper aus?

T.W. / Sie bekommen durch Yoga ein unheimlich gutes Feingefühl für ihren Körper –  wie sie stehen und wie sie atmen. Diese Techniken können sie dann auch in ihre Sportart einfließen lassen. Ich passe dann auch die Übungen für den jeweiligen Sportler an. Mit Yoga Medicine behandle ich in Privatstunden Probleme, die durch andere Sportarten verursacht wurden. Das ist sehr effektiv. 

L.L. / Der Sommer naht, die wunderschöne Landschaft Kitzbühels lockt. Machen Sie auch Yogastunden im Freien?

T.W. / An jedem schönen Samstagmorgen treffen wir uns am Gieringer Weiher. Das ist ein kleiner See hinter dem Schwarzsee. Dort ist es sehr idyllisch und um halb neun in der Früh noch menschenleer. Wir praktizieren dort Yoga auf einer Wiese, eine tolle Erfahrung in der Natur. Man nimmt andere Dinge wahr. Die Vögel zwitschern. Für mich ist das eine ganz besondere Art der Ruhe. 

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L.L. / Vom 2.- 4.9.2016 findet in Kitzbühel das Yogafestival statt. Viele bekannte Yogalehrer werden zu Gast sein und Stunden geben. Woher kam die Idee und welche Programmpunkte erwarten uns?

T.W. / Die Idee ist schon vor gut drei Jahren entstanden, als ich in das Hotel A-ROSA Kitzbühel gezogen bin. Die Planung eines Festivals steht und fällt mit der Location und im A-ROSA Kitzbühel waren alle von der Idee sofort begeistert. Mittlerweile findet das Yogafestival zum zweiten Mal statt. Neben international bekannten Yogalehrern ist es uns auch wichtig, lokale Lehrer einzuladen und zu unterstützen. Dieses Jahr gibt es auch ein Zusatzprogramm. Am Freitag startet Simon Parks Workshop, der sowohl für Yogalehrer als auch für Anfänger spannend wird. Nach der Eröffnungszeremonie wird Klangschalenkünstler Darren Austin Hall ein kleines Konzert geben. Samstags und sonntags finden mehr als 40 Yoga-Stunden statt, inklusive Standup-Paddleboard-Yoga auf dem Schwarzsee. Jeder kann teilnehmen – es gibt Kurse für jedes Level. Abschließend laden wir zu einem Abendessen und einer Pool-Party im A-ROSA Kitzbühel ein.

L.L. / Wie verbringen Sie die Zeit in Kitzbühel, wenn Sie mal nicht zur Matte greifen?

T.W. / Am liebsten verbringe ich Zeit mit meinem Mann und meinen Kindern. Im Winter fahren wir gerne Ski, abseits im Tiefschnee. Im Sommer paddeln wir mit den Stand-Up-Paddleboards auf den schönen See. Ich koche gerne gesund, für Freunde und Familie, am liebsten mit Gemüse aus meinem Garten. Ich ziehe mich auch gerne mit einem guten Buch auf die Couch zurück.

L.L. / Kitzbühel überzeugt Einheimische und Touristen durch seine vielseitige Schönheit.  Haben Sie einen Geheimtipp, wo man hier am besten entspannen kann?

T.W. / Eine schöne Spazierrunde führt am Schleier Wasserfall am Wilden Kaiser vorbei. Ein magischer Ort. Auch die Grießbachklamm ist toll, besonders für Kinder. Oben gibt es ein Flussbett, wo man Feuer machen kann. Man kann auch einfach mit einer der Gondeln auf den Berg fahren, von dort hat man einen wirklich tollen Blick. Oder man verliert sich in der Stadt und geht Samstag auf den Wochenmarkt. Den besten Soja-Cappuchino bei Pano trinken – auch noch ein Tipp. Im Sommer machen wir gerne unseren „Triathlon“. Wir gehen zweimal um den See herum, danach schwimmen und dann einen Kaffee bei Luca und Sandra trinken. 

L.L. / Sie bieten nicht nur verschiedene Kurse an, sondern veranstalten auch einige Events. Auf welche Highlights dürfen wir uns in Zukunft freuen?

T.W. / Wir bieten jedes Jahr verschiedene Yoga-Retreats und Events an. Zweimal im Jahr gibt es einen Gourmet-Yoga-Retreat in Kals am Großglockner im Gradonna Mountain Resort. Dort genießt man die leckere Küche und bekommt eine Weinverkostung. Im September reisen wir zu unserem neuen Retreat in das A-ROSA Sylt. Im November gibt es hier im A-ROSA Kitzbühel das Spa-Yoga-Retreat, gemeinsam mit dem Yoga-Modelabel Lululemon. Es wird nicht nur um Yoga gehen, sondern auch um Entspannung allgemein. Für 2017 sind schon neue Events in tollen Locations geplant.

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Wordrap

Ein Asana (Körperstellung im Yoga), das jeder probieren sollte: Bakasana

Der ausgefallenste Ort, an dem ich Yoga praktiziert habe: Unter Wasser.

Eine Sitzung...sollte man ausklingen lassen.

Mein Lebensmotto: Alles ist in Veränderung, das einzig Beständige im Leben ist die Veränderung.

Meer oder Alpen? Ich bin Sternzeichen Fisch.

In stressigen Situationen...tief atmen.

Infobox

Tania Wimmer leitet das Yogastudio OM&CO im Hotel A-ROSA in Kitzbühel. Die gebürtige Neuseeländerin hat sich dabei hauptsächlich auf die Arten Vinyasa Flow und Yin-Yoga spezialisiert. Mit Herz, Leidenschaft und Spaß gestaltet sie ihre Yogastunden und spricht dabei Einheimische und Gäste jeden Alters an. Die passionierte Yogalehrerin initiiert bereits zum zweiten Mal ein Yogafestival in Kitzbühel, das im September mit nationalen und internationalen Stars der Yoga-Szene lockt. 

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