Die Kunst der Reduktion

Interview mit Harald Künzle, Geschäftsführer reiter design gmbh

©Jens Ellensohn

„Lech ist für mich persönlich eine Oase“, schwärmt Harald Künzle, „wenn ich in den Ort hineinfahre, ist das ein Erlebnis.“ Der Geschäftsführer und Interior Designer von reiter design gmbh betreut Projekte von Zürich bis Wien und kehrt dennoch immer wieder gerne in die Arlbergdestination zurück. Im Interview spricht er über Tradition und Moderne, seine vielfältigen Designkonzepte und ein besonderes Möbelstück, das ihn immer an Lech erinnert.

L.L. / Der Firmensitz von reiter design ist in Rankweil bei Feldkirch. Haben Sie das Gefühl, in Vorarlberg sind besonders stil- und qualitätsbewusste Kunden zuhause?

H.K. / In Bezug auf Österreich hat Vorarlberg immer noch eine Sonderposition. Hier sind und waren viele Architektur-Pioniere zuhause. Deshalb kann man wirklich in jedem Bergdorf schöne Architektur bewundern. Auch landschaftlich bietet dieses Bundesland alles: vom See bis zum Berg, von der Stadt bis zum Land. Und wir sind überall tätig, im Stadthotel in Bregenz genauso wie im Lecher Chalet. Für uns ist die Aufgabe also immer abwechslungsreich und sehr vielfältig. Vorarlberg ist unsere Heimat, hier fühlen wir uns wohl. Die Menschen sind sehr detailverliebt und achten stark auf Handwerkskunst.

Der Wolf ©Bernardo Bader Architekten and Fotograf Adolf Bereuter
Der Wolf ©Bernardo Bader Architekten and Fotograf Adolf Bereuter

L.L. / Sie setzen auf Designklassiker von Ray and Charles Eames, Alvar Aalto und Arne Jacobsen. Wie würden Sie Ihre Einrichtungshandschrift beschreiben?

H.K. / Wir legen großen Wert auf Tradition und haben viele Klassiker im Sortiment. Der Stil richtet sich aber in erster Linie nach dem Kunden. Der Mensch hält sich bis zu 87 Prozent seiner Zeit in geschlossenen Räumen auf, deshalb beeinflusst das Interior Design unmittelbar unser Wohlbefinden. Licht, Geruch, Farben, Textilien, Tapeten – all das spielt eine große, wenn auch unbewusste, Rolle. Darauf kann ein Interior Designer großen Einfluss nehmen und genau deshalb werden sie heutzutage immer wichtiger – egal ob im Privaten oder im Hotel. Es geht immer darum, den Kunden abzuholen und ihm ein Erlebnis zu bieten.

L.L. / Wie unterscheidet sich die Gestaltung von privaten und öffentlichen Räumen?

H.K. / Die Herausforderungen sind immer andere. Ich muss sagen, wenn ein Hotel einem großen Konzern angehört, haben wir Schwierigkeiten, weil die Zuständigen zentral und direkt bei den Herstellern einkaufen und die Architekten oft gar nicht aus der Region kommen. Das ist aber auch nicht wirklich unsere Hauptzielgruppe. Wir arbeiten mit Hoteliers zusammen, die selbst noch ein Interesse daran haben, den Gästen ein Erlebnis zu bieten.

Eigentlich gibt es gar keinen großen Unterschied zwischen einem Privat- und einem Projektkunden. Unsere Wertschätzung gegenüber dem Kunden ist stets groß. Uns geht es immer um Qualität, egal wo.

L.L. / Seit über 30 Jahren arbeiten Sie mit den besten und renommiertesten Herstellern der Welt zusammen. Welche Ansprüche haben Sie an Design und Qualität?

H.K. / Egal ob Gastronomie, privat oder öffentlich – wir haben immer unterschiedliche Partner für den jeweiligen Bereich. Qualität steht dabei immer im Vordergrund, aus diesem Grund sind in unseren Showrooms auch nur ausgewählte Stücke zu sehen.

Wir möchten auch nicht alles komplett neu gestalten, sondern arbeiten gerne mit Bestandsmöbeln und entwerfen ein Interior darum herum. Wir beraten in erster Linie und verkaufen unsere Möbel und Beleuchtungen als Folge.

Showroom Rankweil ©Jens Ellensohn
Showroom Rankweil ©Jens Ellensohn

L.L. / Auch in Lech waren Sie bereits tätig. Welche Projekte setzten Sie hier um?

H.K. / Wir haben die Skihütte Wolf möbliert und pflegen zu Architekt Bernardo Bader ein sehr gutes Verhältnis. Er arbeitet viel mit Holz und sein Stil ist sehr reduziert. Dieses Konzept haben wir mit unserem Interior unterstrichen und das Traditionelle stets mit eingebracht.

Gemeinsam mit Architekt Michael Ohneberg setzten wir 2017 das Modegeschäft Sagmeister Die Frau um. Die Herausforderung war, dass die Topbrands aus Mailand mit dem Interior unterstrichen werden und nicht damit konkurrieren sollten. Das Zusammenspiel war sehr wichtig, jede Brand hat ein eigenes Konzept erhalten und wird nun dementsprechend präsentiert. Der Fokus liegt auf den Marken, denen man gerecht werden muss. Mit Teppichen und Designmöbeln haben wir eine Verbindung geschaffen. Im Wesentlichen ist es die Kunst der Reduktion. Viele Kunden möchten keine überladenen Geschäfte, sondern schätzen das Detail.

Außerdem haben wir Chalets möbliert, die sehr wertig sind. Marken und Details wurden gefühlvoll umgesetzt.

L.L. / Können Sie in Lech einen ganz bestimmten Stil ausmachen? Wie modern darf das Interior hier sein?

H.K. / In Lech steht immer die Qualität und die Langlebigkeit im Vordergrund. Besonders Gästen soll dieses Gefühl vermittelt werden. Und auch die Abwechslung darf nicht fehlen – Sommer, wie Winter. Der wiederkehrende Gast soll spüren, dass eine Veränderung möglich ist. Deshalb sind wir auch immer wieder gefordert.

Man darf durchaus moderne Akzente setzen, die aber feinfühlig abgestimmt werden müssen. Lech ist sehr bodenständig und erdig.

L.L. / Gibt es ein Möbelstück, das Sie besonders an Lech erinnert?

H.K. / Ja, das ist ein Designprodukt namens Little Petra aus dem Jahr 1938, das wieder neu auf den Markt gekommen ist. Das ist ein ganz kleiner Fauteuil, der mich total an Lech erinnert und eine gewisse Wohligkeit ausstrahlt.

L.L. / Museen, Eigenheime, Kindergärten und sogar Supermärkte – Ihre Arbeit ist sehr vielfältig. Welches Projekt würden Sie zukünftig gerne noch umsetzen?

H.K. / Familie Mölk von der Supermarktkette M-Preis ist ein langfristiger Partner. Hier werden neue Projekte, auch in Vorarlberg, entstehen. Sie haben es geschafft, die Architektur miteinzubringen, den Kunden abzuholen und ein Einkaufserlebnis zu bieten.

Und auch für Swarovski machen wir weltweit sehr viel, von Wien bis nach New York. Sie schätzen unseren guten Service, unsere Manpower und die ausgewählten Hersteller.

Wir haben in den letzten 30 Jahren schon sehr viel umgesetzt. Mein Traum ist, dass wir weiterwachsen – und zwar in puncto Qualität. Der Rest ergibt sich von selbst. Wir möchten ein Alleinstellungsmerkmal im Einzugsgebiet erreichen. Es müssen nicht immer große Projekte sein, auch ein kleines Projekt kann sehr viel Freude machen und diese Lebensfreude ist mein Lebensmotor.

Chalet in Lech ©Reiter
Chalet in Lech ©Reiter

Wordrap mit Harald Künzle

In dieses Designerstück sollte man investieren ...

in das Möbelstück Little Petra oder auch in den Lounge Chair von Eames. Ein Klassiker verliert nie an Wert und erzählt Geschichten.

Schlicht oder opulent?

Schlicht, aber mit Stil.

Der wichtigste Ort im Haus:

Die Küche mit dem Essbereich.

Wenn ich an Lech denke, kommt mir sofort ...

die Bergwelt in den Sinn.

Vier Wohntrends für den Winter:

Haptische Oberflächen, geölte unbehandelte Materialien, Samt und Möbel mit Charakter.