Ein Königreich für eine Traube

Interview mit Markus Kirnbauer vom Weingut K+K Kirnbauer

Markus Kirnbauer ©Weingut K+K Kirnbauer

Ohne Frage, auf den Dächern des Blaufränkischland im Burgenland gedeihen die besten Rotweine Österreichs. Dank 300 Sonnentagen im Jahr und mit Blick auf die schneebedeckten Berge der Ostalpen und die pannonische Tiefebene produziert das Weingut K+K Kirnbauer in langer Tradition ganz besondere Tropfen, die auch leidenschaftliche Fans am Arlberg haben. Im La Loupe-Interview beleuchtet Winemaker und Geschäftsführer Markus Kirnbauer die spannende Symbiose aus Holz und Rebe, weiht uns in ein Herzensprojekt ein und erklärt, warum die Weine in Lech Zürs anders schmecken.

L.L. / Ihre edlen Weine sind auf (fast) allen Weinkarten in Lech Zürs zu finden. Wie hat es Sie dorthin verschlagen?

M.K. / Am Arlberg sind die besten Häuser zu finden, deshalb werden dort auch die exklusivsten und besten Weine der Welt serviert. Und auch die österreichischen Weine sind dort vertreten. Schon mein Vater hatte in den 1990er Kontakte zum Arlberg und besuchte die Häuser, heute statten auch die Hotels mit ihren Sommeliers unserem Weingut einen Besuch ab und besichtigen die Ernte und den Weinkeller. Es ist wichtig, dass man sieht, woher der Wein stammt. Der Bezug ist dann einfach ein anderer. Ich möchte ihnen so den Weinbaubetrieb näherbringen.

Zunächst waren am Arlberg die französischen und italienischen Weine sehr beliebt, nach und nach kamen die österreichischen Weine dazu. Unsere Rotweine und ihre Kombination aus Frucht und Körper sind unverwechselbar und eignen sich hervorragend zu Speisen, das spüren auch die Gäste in Lech Zürs. Die österreichischen Weine machen den Urlaub am Arlberg noch eine Spur regionaler. 

©Weingut K+K Kirnbauer
©Weingut K+K Kirnbauer

L.L. / Sie sind selbst auch gerne als Gast in Lech Zürs. Wenn jemand am Nachbartisch einen Ihrer Weine bestellt, was ist das für ein Gefühl?

M.K. / Das freut uns natürlich – und umso mehr, wenn er den Gästen schmeckt. Das ist eine sehr schöne Erfahrung.

L.L. / Deutschkreutz im Blaufränkischland liegt auf 192 Metern Seehöhe, Lech Zürs auf 1.444 Metern. Müssen die Weine am Arlberg anders gelagert und genossen werden? 

M.K. / Je höher man ist, umso leichter schmecken die Weine, obwohl der Alkoholgehalt der gleiche bleibt. Die Holznote ist deutlich weniger intensiv. Auch die Luft in der Höhe hat Auswirkungen, der Kork wird schneller trocken und zerbröselt. Darauf muss man achten.

Die Kombination aus Frucht in der Nase und Körper am Gaumen zeichnet unsere Weine ganz besonders aus. In den Bergen kommt diese Facette noch stärker heraus. Leichte Classic-Weine sind in der Höhe vielleicht zu leicht, die Reserve-Weine haben oben aber einen außergewöhnlichen Geschmack – fast besser als unten. 

L.L. / Die Rotwein-Cuvée Phantom ist eine österreichische Ikone. Wird sie auch häufig am Arlberg getrunken? Oder herrschen hier andere Vorlieben?

M.K. / Das Phantom ist unser meistproduzierter Wein und hat mit seinen vier Sorten ein sehr breites Charakterspektrum. Auch am Arlberg kommt wirklich jeder Rotweinliebhaber damit auf seine Kosten. Unser Boutique-Wein Forever hat dort ebenfalls eine sehr starke Nachfrage. Das Besondere am Arlberg: Wirklich alle Flaschengrößen sind beliebt – egal ob Magnum, drei oder sechs Liter. Wein in großen Flaschen hält länger jung, dazu kommt, dass das Öffnen einer so großen Flasche ein ganz besonderer Moment ist. 

Walter und Markus Kirnbauer ©Weingut K+K Kirnbauer
Walter und Markus Kirnbauer ©Weingut K+K Kirnbauer

L.L. / Ihre Reben dürfen sich bei Ihnen im Burgenland auf 300 Sonnentage im Jahr freuen. Welche Faktoren machen Ihre Weine außerdem zu so exzellenten Tropfen?

M.K. / In jeder Flasche steckt unser Herzblut und wir stehen zu 100 Prozent dahinter.

Aber auch die Reifung spielt eine große Rolle: Rotweine lagern mindestens einen Sommer und einen Winter im Fass. Die diesjährige Ernte wird also erst nächstes Jahr abgefüllt. Gerade bei den Highend-Reserve-Weinen kommt es aber auf den Jahrgang an: Manchmal lagern sie sogar 17 bis 18 Monate, hier spielt die Verkostung eine ganz wichtige Rolle.

L.L. / Wann wissen Sie, dass der Wein fertig gereift und bereit zur Abfüllung ist? 

M.K. / Man verkostet ständig und achtet auf die Entwicklung – das ist ein ganz wichtiger Anhaltspunkt.

L.L. / Ihre Philosophie lautet: „Harmonie von Wein und Holz“. Was genau verstehen Sie darunter? Wie beeinflussen sich der Wein und die Barrique-Fässer?

M.K. / Es ist die behutsame Auswahl des Fassbinders, die Stärke des Toastings (Anm. d. Red.: Anröstung bzw. Fasseinbrand der inneren Fasswandung bei Barrique-Fässern) und die Rebsorte – die hier eine wichtige Rolle spielen. Nicht jedes Holz ist für jede Rebsorte geeignet, denn jede Sorte hat eigene Vorlieben. Diese pflegen wir intensiv und achten ständig auf die Bedürfnisse des Weines. Spannend ist, dass wir unseren Zweigelt in eigenen Eichenfässern ausbauen. Hier kommt das Holz aus dem eigenen Eichenwald.

L.L. / Beim Chardonnay Barrique Zwickl treffen reife Hawaii Ananas und Piña Colada auf weißen Pfeffer, Salbei und eine Salznote. Wie kreativ ist der Winzerberuf?

M.K. / Durch das Holz und den steinigen, kalkigen Boden, auf dem der Chardonnay wächst, entstehen einzigartige Aromen, die an Ananas und Piña Colada erinnern.

Wir müssen jeden Tag die Grenzen ausloten, Experimente wie dieses machen die Weine einzigartig und fordern uns tagtäglich. Die Vielseitigkeit im Winzerberuf hat man nirgendwo sonst. Ich bin vieles – vom Gärtner, über Betriebswirt bis hin zum Steuerberater.

L.L. / Ihr Wein hat es nicht nur in Österreich zur Bekanntheit gebracht, sondern wird mittlerweile auch in den USA und Singapur verkauft. Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

M.K. / Der deutschsprachige Raum ist sicher der größte, aber auch in Kontinentaleuropa, den USA und in Asien haben wir Vertriebspartner wie Restaurants, gute Hotels und Weinhändler. Wir stecken sehr viel Arbeit, Herzblut und Hirn in unsere Weine, deshalb achten wir stark darauf, wo es unsere Weine zu kaufen gibt.

Wir bauen momentan ein jahrhundertealtes Hotel in ein Toprestaurant mit Boutiquehotel um. Im Burgenland haben wir zwar den besten Rotwein Österreichs, aber noch zu wenig moderne Gastronomie und individuelle Hotellerie. Hier möchten wir ansetzen. Dieser Wunsch besteht schon seit Jahren.

L.L. / Wie stimmig müssen Speisen und Wein sein?

M.K. / Der Wein ist ein Teil des Ganzen und diese Grenzen muss jeder individuell ausloten. Es gilt: Alles, was schmeckt, ist in Ordnung. Auch ohne Essen ist Wein selbstverständlich erlaubt (lacht).

Weingut K+K Kirnbauer Galerie

Das Weingut K+K Kirnbauer

Das Weingut K+K Kirnbauer wird als Familienbetrieb von Markus Kirnbauer und seinem Vater Walter geführt. „Unsere Weine stehen nachhaltig für höchsten Genuss, pannonische Lebensfreude und sind Ausdruck unserer Identität“, so der Geschäftsführer. Besonders die Rotwein-Cuvée Phantom ist seit 1987 nicht mehr aus den Weinkellern exklusiver Restaurants und Hotels wegzudenken. Besonderheit: Bis zur Abfüllung werden die edlen Tropfen in Barrique-Fässern gelagert, die für einen unvergleichlichen Geschmack sorgen. 

Wordrap mit Markus Kirnbauer

Darauf sollte man beim Weinkauf achten:

Der Wein muss gut gelagert sein und man sollte nicht auf Schnäppchen hereinfallen.

Glühwein – ja oder nein?

Ja, ein oder zwei – aber nur outdoor.

Nach dem Skifahren in Lech schenke ich mir am liebsten diesen Wein ein:

ein Glas Grüner Veltliner.

Lech Zürs schmeckt nach ...

frischer Bergluft, Erholung und höchstem Genuss.

Das hilft bei Kopfschmerzen am nächsten Tag:

Zuvor nur beste Getränke zu konsumieren.

Von meinen Eltern lernte ich ...

nur Arbeiten hilft nicht, man muss auch das Hirn einschalten.

Höchster Genuss ist für mich:

Guten Rotwein mit meiner Frau und guten Freunden zu genießen.