Qualität ist (S)Trumpf

Paul Falke im Interview

Paul Falke, geschäftsführender Gesellschafter der FALKE-Gruppe mit Stammsitz in Schmallenberg/Deutschland, ist ein passionierter Skifahrer und Zürs-Fan. Da kommt es gerade recht, dass das traditionsreiche Familienunternehmen neben Beinbekleidung und Mode der Marken FALKE und BURLINGTON mit FALKE ERGONOMIC SPORT SYSTEM auch innovative Sportbekleidung produziert. Im Interview verrät er, warum er das Handy auch am Arlberg einschaltet, Menschen im FALKE-Look ihn stolz machen und billige Qualität letztlich viel teurer kommt.

L.L.

Herr Falke, wann sind Sie zum ersten Mal nach Zürs gekommen und wie hat sich Ihre Beziehung zur Region dann weiterentwickelt?

P.F.

Anfang der 1980er-Jahre war ich Student in München und wollte mich dem Tross, der permanent von dort nach Kitzbühel zog, entziehen. So kam ich durch Freunde auf die Idee, an den Arlberg zu fahren und entdeckte bald das Hotel Edelweiss in unmittelbarer Nähe zur „Action". Für mich ist Winter Zürs und Zürs ist Winter! Wenn es in unseren Gefilden irgendwo gut zum Skifahren geht, ist das für mich in erster Linie der Arlberg. Die freundschaftlichen Beziehungen, die ich zwischenzeitlich im Ort geknüpft habe, spielen dabei natürlich auch eine Rolle. Zürs und das Edelweiss sind zu meiner Heimat geworden, emotional hat sich daran seit der Studentenzeit nichts geändert. Anders ist heute leider nur das Zeitbudget als Unternehmer. Nun sind die Aufenthalte eben kürzer und intensiver.

L.L.

Können Sie im Urlaub überhaupt richtig abschalten oder bleibt das Smartphone immer griffbereit?

P.F.

Erreichbarkeit ist heutzutage schon essenziell, wenn man ein Unternehmen führt, wie ich es tue. Andererseits nehme ich mir doch vor, mich im Urlaub nicht stören zu lassen. Das Handy ist zwar aus Gewohnheit auch am Arlberg an, aber dort hoffe ich, dass mich höchstens Freunde anrufen, um ein Treffen zu vereinbaren. Ich bin kein Workaholic, der sich für unersetzbar hält, sondern kann wirklich abschalten, sobald ich das Ortschild von Schmallenberg hinter mir lasse.

PAUL FALKE  Fotocredit: Elliott Erwitt
PAUL FALKE Fotocredit: Elliott Erwitt

L.L.

Mit FALKE ERGONOMIC SPORT SYSTEM produzieren Sie auch innovative Sportbekleidung. Testen Sie Ihre Ware selbst auf der Skipiste?

P.F.

Klar! Wir sind ja von einem reinen Sportstrumpfanbieter längst in die funktionale Richtung gegangen und stellen zum Beispiel ideale Underwear für das mehrschichtige „Zwiebelprinzip" her. Natürlich probiere ich also im Rahmen meiner skifahrerischen Fähigkeiten unser Wintersport-Sortiment persönlich aus und bringe mich auch gerne in die Entwicklung ein. Die Funktionalität unserer Produkte muss gegeben sein, aber wir legen zudem größten Wert auf Stilistik, Look und Design. Und obwohl ich zwischendurch mal Produkte der Mitbewerber teste, fühle ich mich in den eigenen Sachen am wohlsten.

L.L.

Und was empfinden Sie, wenn Sie in der Skihütte sitzen, jemand seinen Anorak auszieht und ein FALKE-Produkt zum Vorschein kommt?

P.F.

Wenn man die eigenen Produkte an anderen Menschen sieht, macht einen das schon ein Stück weit stolz. Gerade am Arlberg achten die Gäste ja auch während der sportlichen Betätigung auf einen guten Look. In Zürs sind also sicher überdurchschnittlich gut gekleidete Skifahrer unterwegs, die sich mit modischen Tendenzen auskennen. Wenn sie dann unsere Underwear und Accessoires tragen, fühlt man sich natürlich bestätigt.

FALKE Ergonomic Sports System Winter Edition

L.L.

Welche Qualitäten hat ein FALKE-Socken, die ihn von der Konkurrenz abheben?

P.F.

Dazu könnte ich jetzt sehr viel sagen. In Kürze: Unser Unternehmen wird nächstes Jahr 120 Jahre alt. Gottseidank hat man sich irgendwann zum Ziel gesetzt, nur höchste Qualität zu fertigen. Das hat uns über viele Jahrzehnte in die Marktposition gebracht, in der wir uns heute befinden. Unsere Premium-Qualität hat viele Zutaten von der Garnentwicklung über eine besondere Art der Verarbeitung bis hin zum außergewöhnlichen Tragegefühl. Wir möchten unserem Konsumenten ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und ihn langfristig zu einem überzeugten FALKE-Träger machen. Immerhin haben wir z. B. im Sportstrumpfbereich eine Wiederkaufrate von über 90 Prozent, das spricht doch in hohem Maße für die Zufriedenheit unserer Kunden.

L.L.

Ihre Socken sind zwar wesentlich teurer als Discount-Fußbekleidung, dafür aber umso hochwertiger und länger tragbar – also eigentlich ein richtiger „Sparstrumpf"! Wie vermittelt man das den potenziellen Kunden?

P.F.

Wenn ich Premiumprodukte verkaufe, hat das natürlich auch mit selektiver Distribution zu tun. Unser Haus war immer eine fachhandelstreue Marke und wir vertrauen darauf, dass kompetente Verkaufsmitarbeiter den Kunden die Vorteile erklären können. In den größeren Departmentstores müssen die Waren dann schon für sich selbst sprechen, was durch eine entsprechende Kennzeichnung geschieht. Aber wir leben sicherlich auch davon, dass sich unsere Markenleistung herumspricht und FALKE „erfahrungsgemäß" stets als hochwertiges Produkt wahrgenommen wird. Gerade in den letzten Jahren, als ganz Europa die Krise spürte, hatten wir die größten Umsatzzuwächse, weil die Menschen noch verstärkter auf gute Qualität vertrauten anstatt „günstige" Experimente zu machen. Manchmal ist es eben zu „teuer", billige Qualität zu kaufen...

FALKE Kollektion Frühjahr Sommer 2015 & Herbst Winter 2014/15

L.L.

Im Jahr 2008 hat FALKE die Marke Burlington gekauft. Wie passen die farbenfrohen Rautenmuster und der Schottenrock zu einem deutschen Unternehmen?

P.F.

Wir haben uns den Kauf lange überlegt und kamen zum Schluss, dass Burlington mit seiner speziellen „Design-Handschrift" und Marken-DNR keinen Kannibalisierungseffekt auf FALKE ausüben würde. Die typischen Rauten (engl. Argyle) -Muster findet man bei vielen Anbietern, aber die spezielle Verarbeitung, des Burlington „Originals", fast nur noch bei uns. In der bewegten Historie der Modetrends gibt es eine treue Klientel für diese Rauten und wir bemühen uns diese Community stark zu erweitern!

BURLINGTION Kollektion Frühjahr Sommer 2015 & Herbst Winter 2014/15

L.L.

Die Standard-Socke ist ja meist schwarz bez. dunkel, gerade bei FALKE und Burlington ziehen sich aber viele Farben und Muster quer durch die Kollektionen. Sind bunte Socken heute salonfähig?

P.F.

Natürlich bringen auch bei uns die Standardfarben nach wie vor den größten Absatz. Trotzdem hat sich in den letzten Jahren herauskristallisiert, dass endlich auch die Männer keine Modemuffel mehr sind, sondern moderner wirken möchten. Heute kann man sich getrost trauen, farbige Socken („idealerweise Strümpfe") zu tragen – zum Beispiel in Kombination mit einem gleichfarbigen Hemd oder Pullover. Das sieht sehr lässig aus! Bei Burlington war die raffinierte Farbkombination innerhalb der Rautenmuster ja immer schon gang und gäbe, wir haben dies noch ausgebaut. Manche Artikel gibt es in 59 Farbstellungen, da bleiben keine Wünsche offen. Das einzige Problem dabei ist, dass im Einzelhandel meist der Platz für unser Riesensortiment an trendig gemusterten Socken und Strümpfen fehlt. Aber heutzutage kann man sich ja auch online umschauen. Das Leben ist bunt!

Burlington-Winter-21

L.L.

Welchen Lifestyle pflegen FALKE- und Burlington-Fans?

P.F.

Es sind sicherlich Menschen, die Wert auf einen subtilen Luxus legen. Sie sind nicht sehr flashy oder extrovertiert, sondern subtile Genießer, die das Sein dem Schein vorziehen. Wir sind ja eine Marke, die von 0 bis 99 und Männlein wie Weiblein alles abdeckt, insofern müssen wir unsere Vielfältigkeit auch kommunizieren. Wir wollen junge Leute, Sportler, moderne Damen und Herren gleichermaßen ansprechen – was sie alle eint, ist eben die Wertschätzung von Premiumqualität.

L.L.

Spürt die Sockenbranche eigentlich den Klimawandel?

P.F.

Möglicherweise dann, wenn es drei, vier Jahre hintereinander keinen richtigen Winter zur rechten Zeit gibt. Wie oft herrschten in den letzten Jahren zur Saisoneröffnung wirklich schon so gute Schneeverhältnisse, dass die Hotels zwei, drei Wochen vor Weihnachten ausgebucht waren? Normalerweise ist das letzte Quartal (Sept. – Dez.) für uns das wichtigste und wenn es erst Anfang des neuen Jahres richtig kalt wird, führen die Rhythmen der Branche dazu, dass dann bereits wieder die Sommerware in den Läden liegt. Früher gab's die Winterschlussverkäufe frühestens im Januar, heutzutage wird leider schon häufig vor Weihnachten „geramscht".

Burlington-Winter-8 3

L.L.

In unserer Gesellschaft zeichnen sich zwei gegenläufige Trends ab: auf der einen Seite Massenproduktion von Billigware, auf der anderen Seite ein Bewusstseinswandel in Richtung Regionalität, Qualität und Nachhaltigkeit. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

P.F.

Ich glaube, es wird weiterhin beides geben. Allein schon wegen unterschiedlichen Konsumenten mit unterschiedlichen „Geldbeuteln". Zudem ist der Mensch ein hybrides Wesen, der z. B. gerne in ein Sterne-Restaurant geht, aber auch mal zu McDonalds. Und so gibt es eben auch bei der Bekleidung „Fast Food". Unser Geschäftsmodell allerdings lautet, durch solide Qualität und solide Verarbeitung ein Premiumprodukt zu erzeugen. Wir sind in 4. Generation im Sauerland ansässig und haben in Deutschland nach wie vor über 1.000 Beschäftigte, also ein Drittel unserer Belegschaft. Das wäre nicht machbar, wenn wir preisaggressive Massenware herstellen würden. Gottseidank müssen wir uns als gesundes 100%iges Familienunternehmen keinen kurzfristigen Profitzwängen unterwerfen, sondern befolgen konsequent unsere langfristigere Gesamtstrategie.

L.L.

Ihr Familienunternehmen hat seinen Hauptsitz im idyllischen Sauerland, ist aber Teil des internationalen Modebusiness. Genießen Sie das häufige Reisen oder gehört es einfach nur zum Job?

P.F.

Ich war immer gerne auf Reisen, privat wie geschäftlich! Dabei halte ich natürlich die Augen offen, wie sich die Menschen in unterschiedlichen Ländern kleiden und verhalten. Wir wollen und müssen uns mit den internationalen Modetrends beschäftigen, da wir ja die Accessoires dazu liefern. Ich werde häufig gefragt, ob wir auch unterschiedliche Kollektionen produzieren – natürlich! Und das mit einem sehr hohen Aufwand! Wir haben gerade dieses Jahr in Italien eine kleine, sehr kreative Strumpffirma mit starkem Design-Department gekauft, um noch mehr internationale Designqualität in unsere Produkte zu bekommen. Daran arbeiten wir nicht nur mit internationalen Designern in Schmallenberg, sondern an allen Standorten!

Paul FALKE im Wordrap:

Lech Zürs ist für mich:

Winterheimat

Ich entspannen mich am besten:

Im Schlaf

Ein unverzeihbarer Mode-Fauxpas:

Kurze Socken bei einer Talkshow

Ich bin gerne Unternehmer, weil:

Ich gerne etwas unternehme

Einem Jungunternehmer empfehle ich:

Go for it!

Das kommt nie aus der Mode:

Guter Stil

In meinen Koffer packe ich...

.. immer zu viel

Falke Socken Produktion