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Creating Identity

Innsbruck & Umgebung

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Interview mit der Innsbrucker Architektin und Designerin Nina Mair

Die außergewöhnlichen Designs von Nina Mair erzählen Geschichten. Geschichten von einem Kreativteam, das Produkte noch per Hand in einer ehemaligen Seifenfabrik im Herzen Innsbrucks fertigt. Und Geschichten von Menschen, die diese ganz besonderen Unikate nie mehr hergeben möchten. La Loupe sprach mit der Architektin und Designerin über das Ankommen in Innsbruck, nach einem Abstecher in große Metropolen, und das ganz persönliche Herzstück in ihrer eigenen Wohnung.

“Italians celebrate their passion for design in everyday life.”
„Italiener zelebrieren die Leidenschaft für Gestaltung auch im Alltag.“

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Tilda Stool and Concrete Table

L.L. / Frau Mair, Sie sind Österreicherin, studierten jedoch einige Zeit in Florenz. Herrscht dort wirklich ein anderes Flair, was Gestaltung und Design angeht?

N.M. / Ja, absolut. Die Geschichte der Stadt ist in allen kulturellen Bereichen enorm reich an Schöpfern, die hier ihre Kreativität entfaltet haben. Dante in der Literatur, Da Vinci in der Forschung, der Malerei und der Bildhauerei, aber auch zeitgenössische Bewegungen wie das Superstudio in den 1970er-Jahren. Italiener zelebrieren die Leidenschaft für Gestaltung auch im Alltag. Die Mode ist lebendig und wird jeden Tag gelebt – genauso wie die Innenarchitektur und das Design.

L.L. / Ihren Abschluss machten Sie in Innsbruck und auch Ihr Headquarter ist hier zu finden. Warum haben Sie sich für diesen Standort entschieden?

N.M. / Ich bin in Innsbruck geboren und aufgewachsen. Es ist ein genialer Ort, um zu leben und zu arbeiten. Die Lebensqualität ist sehr hoch, wenn man die Natur und die Struktur einer Kleinstadt liebt. Für meine Arbeit finde ich hier Inspiration in Handwerksbetrieben wie einer Gerberei oder einer Hutmacherei. Außerdem muss ich beruflich viel reisen. Wenn ich nach einem anspruchsvollen Städtetrip zurückkomme, genieße ich die Ruhe bei einem Waldlauf.

“When I return from a tiring city trip I enjoy Innsbruck’s quiet during a forest run.”

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Concrete Table and Tilda Stool
“I make use of the fact that Innsbruck lies at the heart of Europe.”

L.L. / Wie sieht die Designszene in Innsbruck aus?

N.M. / Die Tatsache, dass man Design in Innsbruck nicht studieren kann, macht diejenigen, die sich in diesem Beruf betätigen, zu Pionieren. Ich nutze den Vorteil, dass Innsbruck im Herzen von Europa liegt, indem ich von hier aus in wenigen Stunden alle wichtigen Designhotspots und somit meine Kunden erreichen kann. In vier Stunden erreicht man Mailand, während man dank des Flughafens in derselben Zeit die Innenstadt von London erreichen kann.

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Spencer soap dish
„Wenn ich nach einem anspruchsvollen Städtetrip zurückkomme, genieße ich die Ruhe in Innsbruck bei einem Waldlauf.“
“The architecture here is put in context with the alpine world.”

L.L. / Denken Sie an Innsbruck. Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie die Landeshauptstadt architektonisch und vom Designaspekt betrachten? Welchen ganz besonderen Stil zeichnet die Stadt aus?

N.M. / In Innsbruck wurden einige spektakuläre Bauten von namhaften Architekten gebaut. Diese locken sogar den Architekturtouristen an. Wenn ich an Architektur im Alltag denke, denke ich sofort an die zahlreichen hochwertigen Gebäude von heimischen Architekten, die man überall in der Stadt genießen kann. Das Außergewöhnliche ist wohl, dass es hier einen starken Naturbezug gibt und man von überall das Bergmassiv der Nordkette sieht. Die Architektur steht im Kontext mit dieser alpinen Welt.

“My studio still smells like soap.”
„Ich nutze den Vorteil, dass Innsbruck im Herzen von Europa liegt.“

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Nina Mair

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Spencer Seifenschale
“Each design has its significance along my career path as a designer.”

L.L. / Ihr Studio liegt in einer ehemaligen Seifenfabrik, die 1777 gegründet wurde. Inwiefern inspirieren Sie die alten Räumlichkeiten?

N.M. / Mein Atelier duftet nach wie vor nach Seife. Der Duft hat mich bereits zum Design der Seifenschale „Spencer“ inspiriert, die ich nun weltweit vertreibe. Die Tatsache, dass man aus einem kleinen Atelier im Hinterhof der Innsbrucker Altstadt Erfolg in der großen Designwelt haben kann, erzeugt besondere Freude. Ein Gebäude, das eine solche Historie in sich birgt, strahlt Ruhe aus. Mein Team und ich kochen mittags gemeinsam und zelebrieren die Mittagspausen – oft mit Freunden und Nachbarn – im Innenhof der alten Seifenfabrik.

“Each process starts with a ‘poetic interrogation’.”
„Die Architektur steht im Kontext mit dieser alpinen Welt.“

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Concrete Table and Tilda Stool

L.L. / Nach Ihrem Abschluss 2006 gründeten Sie mit zwei Partnern das Designstudio „Pudelskern“. Seit 2012 arbeiten Sie unter dem Namen „Nina Mair“ als Designerin und Architektin. Können Sie sich noch an Ihren ersten Entwurf erinnern?

N.M. / Jeder Entwurf hat seine Bedeutung in meinem Werdegang als Gestalterin.

Seit ich alleine arbeite, kann ich meine eigene Sprache, meinen eigenen Stil voll ausleben. Ich arbeite mit einem tollen Team, vor allem mit jungen Frauen, die hochtalentiert und professionell sind. Als Team wickeln wir Aufträge für namhafte Firmen und Auftraggeber ab.

“I am convinced that it is extremely important to be able to laugh at oneself.”
„Mein Atelier duftet nach wie vor nach Seife.“
“My furniture tells stories.”

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Nina Mair

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Tilda Stool

L.L. / Ihre Werke kreisen immer um den Begriff „individual identity“. Was genau ist damit gemeint und welche Herangehensweise und Werte verfolgen Sie beim Schaffungsprozess?

N.M. / Jeder Prozess – sowohl ein Entwurf für ein Möbelstück als auch ein Interior-Design – beginnt mit einer „poetischen Interrogation“. Ich möchte meinen Kunden und dessen Bedürfnisse verstehen, bevor ich ein Objekt oder einen Raum für ihn gestalte. In dieser Analyse werden die Werte, für die ein Unternehmen oder ein privater Kunde steht, herausgearbeitet. Erst wenn ich die spezifischen Eigenheiten oder die Persönlichkeit kenne, beginnt der Gestaltungsprozess. Ich entwickle ein maßgeschneidertes Produkt, das zur Identität des Kunden passt.

Wordrap

„Jeder Entwurf hat seine Bedeutung in meinem Werdegang als Gestalterin.“

Infobox

L.L. / Ihre Designs zeichnen sich auch durch einen Funken Humor aus. Warum ist dieser wichtig?

N.M. / Ich bin überzeugt, dass es wichtig ist, über sich selbst lachen zu können. In der Designbranche versucht sich jeder im besten Licht zu präsentieren. Ich mag Entwürfe die das besondere Etwas haben, ein Detail beispielsweise, bei dem man zweimal hinschauen muss.

„Jeder Prozess beginnt mit einer ‚poetischen Interrogation’“.

L.L. / Möbelhäuser locken mit günstigen Angeboten. Sie fertigen Ihre Objekte noch mit Hand in Österreich, teilweise sogar direkt in Ihrem Innsbrucker Studio. Warum lohnt es sich, in hochwertige Designs zu investieren?

N.M. / Ich versuche mit meinen Entwürfen, dem Handwerk Raum zu geben und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie Dinge gemacht sind. Beispielsweise wird ein Tisch aus Vollholz mit der Zeit schöner, da das Material Patina entwickelt und kleine Kratzer ihn sogar noch schöner erscheinen lassen. Ein Tisch aus laminierter Spanplatte hingegen sieht kaputt aus, wenn ein Kratzer entsteht.

Meine Möbel erzählen Geschichten. In hochwertiges Design zu investieren bedeutet, sich ein Stück zu kaufen, das langlebig ist, einen für viele Jahre begleitet, das eventuell sogar an die nächste Generation weitergegeben werden kann.

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Concrete Table und Tilda Stool
„Ich bin überzeugt, dass es wichtig ist, über sich selbst lachen zu können.“

L.L. / Ein Blick hinter die Kulissen: Wie leben Sie privat? Was ist das Herzstück Ihrer eigenen vier Wände?

N.M. / Ich lebe in einer Altbauwohnung in Saggen. Besonders schätze ich die hohen Räume und meinen Balkon. Ich lebe mit meinen Produkten. In jedem Raum stehen Prototypen und Serienprodukte, die ich in den letzten Jahren entwickelt habe. Das Herzstück der Wohnung ist ein großer Tisch im Esszimmer, ein Vollholztisch, den ich selbst gebaut habe. Mein Partner und ich laden gerne viele Freunde ein und bekochen diese. Der Tisch ist der Ort, an dem wir zusammenkommen und bereits schöne Feste gefeiert haben.

„Meine Möbel erzählen Geschichten.“

L.L. / Der Tilda Barstool, der Concrete Table und die Granny-Lampen – Ihre Designs finden national und international Liebhaber. Auf welches neue Projekt dürfen wir uns freuen?

N.M. / Derzeit arbeite ich gerade an einer ganz besonderen Aufgabe: ein Sitzmöbel für ein Museum.

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Tilda Stool

Wordrap

Mit diesem Material arbeite ich besonders gerne: Messing, ein archaisches Material mit einem warmen, eleganten Farbton.

Architektur oder Produktdesign? Das eine kann nicht ohne das andere.

Meine persönliche Designhauptstadt: Mailand – hier findet jedes Jahr die wichtigste Möbelmesse statt. In dieser Woche steht die Stadt im Zeichen der Gestaltung.

Jungen Architektur- und Designabsolventen rate ich: An die eigene Idee zu glauben und eine eigene Sprache zu entwickeln.

Direkt auf dem Heimweg ... findet man mich nach Feierabend in Innsbruck. Ich arbeite gerade an einem großen Projekt. Sonst aber gerne bei einem Drink im Pangea oder einem Aperitif bei Da Vincenzo. Ich schätze das Essen und die Atmosphäre des Restaurants Dengg.

Kupfer oder Gold? Messing.

Mein Vorbild: Kein Vorbild – aber ich bin beeindruckt von Designern, die die großen Zusammenhänge der Gestaltung bedenken: unsere Gesellschaft, unsere Umwelt, die Medien...

Klassiker oder Trendteile? Klassiker mit dem neuesten Nina-Mair-Design kombiniert.

Infobox

Nina Mair, geboren 1978 in Innsbruck, studierte Architektur an der Accademia delle Belle Arti in Florenz und an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Nach ihrem Abschluss gründete sie 2006 mit zwei Kollegen das Designstudio „Pudelskern“. Seit 2012 arbeitet Nina Mair unter ihrem Namen als Produkt- und Interior-Designerin in Innsbruck. Die Österreicherin gewann bereits zahlreiche Preise, wie 2015 den German Design Award und 2016 den Iconic Award. 2011 wurde Nina Mair von der Tageszeitung Die Presse der Titel „Österreicherin des Jahres“ verliehen.


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