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Der regionale (Geschmacks-)Sinn

Lech & Zürs

Der regionale (Geschmacks-)Sinn

Interview mit Joschi Walch!

Dass das Gute tatsächlich nah liegt, weiß Joschi Walch nach viel Erfahrung in der weiten Welt ganz genau. Und so engagiert sich der Ex-Formel-1-Caterer und Hotelier der „Roten Wand" in Zug tatkräftig für eine nachhaltige Land- und Tourismuswirtschaft rund um Lech Zürs. La Loupe hat sich beim Mitbegründer der Regional-Initiative Vo:dô Appetit geholt für alles, was „vor d' Huustür" wächst.

“We tourism businesses have a shared responsibility for the development of agriculture in our region.”
„Wir Touristiker sind für die positive Entwicklung der Landwirtschaft in unserer Region mitverantwortlich.“

L.L.

L.L.

J.W.

Herr Walch, was ist Ihr persönlicher Antrieb, sich so stark für regionale Lebensmittel zu engagieren?

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J.W.

“Our guests are very well educated and have high expectations when it comes to the topic of sustainability.”

Ich komme aus einer Familie, die eine Landwirtschaft geführt hat und besitze nach wie vor viele landwirtschaftliche Flächen. Meine Grundüberzeugung lautet einfach, dass wir Touristiker für die positive Entwicklung der Landwirtschaft in unserer Region mitverantwortlich sind. Wenn wir den Bauern eine Chance bieten, ihre Waren zu einem vernünftigen Preis zu verkaufen, dann dient dies auch der Gemeinwohl-Ökonomie. Im internationalen Vergleich ist Lech ein kleiner Tourismusort und eine schonende Entwicklung verlangt eben Strukturen, dass alle Einheimischen vom Tourismus profitieren können. Wir binden Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft stark mit ein, damit alle etwas aus unserem Topf haben. Daran glaube ich, dafür möchte ich mich engagieren und dafür wird unsere Tourismusregion, die ja eine der schönsten der Welt ist, in Zukunft auch begehrt werden!


L.L.

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J.W.

„Unsere Gäste sind sehr gebildet und haben einen hohen Anspruch an das Thema Nachhaltigkeit.“
“It would be my dream to have a winter season that's five and a summer season that's four months long.”

L.L.

L.L.

War es denn schwierig, Mitglieder für das Netzwerk zu finden?

J.W.

J.W.

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Die Landwirte sind klarerweise ein wenig skeptisch, aber froh, wenn wir uns für sie engagieren. Auch die Gastwirte und Hoteliers wollen es natürlich erst einmal ausprobieren. Deshalb geben wir uns jetzt ein paar Jahre, um die Bedürfnisse und Nachfrage festzustellen, das Projekt langsam aufzubauen und Strukturen zu entwickeln, sodass die Landwirte an uns glauben und die Wirte sich sicher sind, ein tolles Produkt zu erhalten. Das geht nicht von heute auf morgen, aber wir sind ganz gut unterwegs. Übrigens unterliegen alle Produzenten vorgegebenen Qualitätskriterien, die natürlich auch geprüft werden!

“The Austrian cuisine is a piece of culture we should promote in a self-confident way.”
„Mein Traum wäre es, eine Wintersaison mit fünf und einen Sommersaison mit vier Monaten zu haben.“

L.L.

L.L.

J.W.

Ein Schlagwort der Initiative lautet etwa 0-Kilometer-Menü. Ein ehrgeiziges Vorhaben!

“Our tourism region is one of the most beautiful in the world!”

J.W.

Ja, ein 0-km-Menü rein aus Lech Zürs schaffen wir noch nicht, weil wir hier eine recht milchlastige Landwirtschaft haben. Wir unterstützen die Landwirte, ihre Heumilch direkt an die Hotels zu verkaufen. Milch ist ein ehrliches Produkt, weil der Gast das tägliche Leben und das Futter der Tiere nachvollziehen kann, z.B. beim Wandern auf der Alp. Und in unserer Heumilch steckt der ganze Geschmack der Region! Leider bevorzugen aber noch viele Menschen veränderte Lebensmittel wie etwa homogenisierte Milch, die einen schönen Schaum für den Cappuccino ermöglicht. Von der heimischen, nicht homogenisierten Milch gelingt er nicht immer zu 100 %, dafür ist das Produkt ursprünglich und ehrlich!

Langfristig streben wir natürlich eine Menükomposition mit Produkten vorwiegend aus Vorarlberg an. Immer mehr Landwirte liefern bereits tolle Produkte von Gemüse bis zum Fisch, die wir als Gastronomen über die Logistikplattform „Landgut" beziehen können. Das hat viele Vorteile für beide Seiten und wird auch vom Gast sehr geschätzt. Unsere Gäste sind ja sehr gebildet und haben einen hohen Anspruch an das Thema Nachhaltigkeit und Umgang mit Lebensmitteln.

L.L.

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J.W.

„Die österreichische Küche ist ein Kulturgut, das wir selbsbewusst hinaustragen sollten.“
“I am happy here and I love living in Lech Zürs more than I can say.”

L.L.

L.L.

Was wünschen Sie sich also für die Zukunft der Initiative?

J.W.

J.W.

“We have to define what it is we want: family-run businesses or hotel chains? So whom should we support?”

Wenn ich so vor mich hinträume, wünsche ich mir eine eigene Käserei in Lech! Momentan produziert ein Landwirt ein super Joghurt, ein reines Naturprodukt, das von den Gästen begeistert angenommen wird. Das zeigt unser Potenzial! Außerdem träume ich davon, dass es in Zukunft eigenes Lecher Fleisch gibt. Die Hoteliers müssen es aber bereits zerlegt und verpackt geliefert bekommen, damit sie es ganz einfach weiterverarbeiten können. Wenn wir die Antriebsfeder bei den einzelnen Häusern stärken, können wir auch noch vermehrt Kräuter, eigene Salate, Honig etc. im Dorf produzieren. Dann könnten wir eines Tages schon einen Teil des Menüs im Ort herstellen! Auch das Lecher Wasser ist ein grundsätzliches Thema. Seine Qualität ist top.

L.L.

„Unsere Tourismusregion ist eine der schönsten der Welt!“

J.W.

L.L.

L.L.

Wie gehen Sie in Ihrem Hotel Rote Wand mit dem Druck um, den Gästen exquisite Gerichte mit Produkten aus aller Welt zu bieten? Ist da oftmals ein Kompromiss mit dem regionalen Gedanken nötig oder lassen sich die Gäste gewissermaßen auch „erziehen"?

J.W.

J.W.

L.L.

Ich glaube nicht, dass man einen Gast erziehen muss. Er hat meistens schon viel auf der Welt gesehen, sodass er bei uns etwas ganz anderes sucht. Genau deshalb bauen wir die regionalen Produkte stark in die Menüs ein und versuchen generell, der österreichischen Küche einen höheren Stellenwert zu geben. Das ist ein Kulturgut, das wir selbsbewusst hinaustragen sollten! Noch vor fünf Jahren kochten wir zu 80 % international und zu 20 % regional, jetzt muss sich das Verhältnis umdrehen. Das schließt ja nicht aus, dass es zwischendurch einmal Kaviar gibt.

J.W.

„Ich bin glücklich hier und liebe es über alles, in Lech Zürs zu leben.“

L.L.

L.L.

J.W.

Welche heimischen Lebensmittel werden denn in der Roten Wand verwendet?

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J.W.

Joschi Walch Wordrap:

Ich bin stolz darauf, dass fast unser gesamtes Frühstücksbuffet aus der Vo:dô-Region kommt, d.h. es gibt Käse und Wurst aus der Käserei und Metzgerei in Warth, Milch und Joghurt aus Zug, Brot aus Lech und Bio-Säfte aus Vorarlberg. Außerdem machen wir z.B. selbst Kompotte aus heimischen Früchten, die wir dann im Winter servieren, und verwenden heimischen Fisch und Fleischprodukte für Gulasch, Schweinebraten usw.

Tradition:

„Wir müssen definieren, was wir eigentlich wollen: familiengeführte Betriebe oder Hotelketten? Also wen sollten wir unterstützen?“

Pleasure:

L.L.

My life's dream:

Nachhaltigkeit ist schon heute ein großes Thema in Lech, Zürs und Zug. Wird es Ihrer Meinung nach weiter an Bedeutung gewinnen?

Sebastian Vettel:

J.W.

Someone I'd like to invite to the Rote Wand for a regional menu:

Es ist die einzige Chance für den Tourismus, denn die Natur zeigt uns die Grenzen auf, in denen wir uns bewegen können. Wir müssen definieren, was wir eigentlich wollen: familiengeführte Betriebe oder Hotelketten? Also wen sollten wir unterstützen? Ganz unbewusst waren nachhaltige Ideen wie Heizwerke und das Bussystem bei uns schon in den 1990er-Jahren Thema. Statt in große Events oder Ähnliches zu investieren, haben wir zum Glück die Gesamtsituation im Blick behalten und auch einen klugen Raumordnungsplan verfolgt. Wenn wir diesen Weg vernünftig weitergehen, haben wir eine Riesenchance für die Zukunft. Nachhaltigkeit wird das zentrale Thema in der Entwicklung sein.

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“Vo:dô” – a delicious idea

L.L.

Wie sieht Ihre Vision für den örtlichen Sommer- bzw. Wintertourismus aus?

J.W.

Mein Traum wäre es, wenn der Ort neun Monate im Jahr geöffnet zu haben. Also eine lange Winter- und eine lange Sommersaison mit abgestimmten Start- und Schließzeiten. Der Winter ist nach wie vor unser Kernthema, den es auszubauen gilt und der Sommer hat noch viel Potenzial, wenn man sich etwa an den Ferienzeiten der Nachbarländer orientiert.

L.L.

Freuen Sie sich schon auf den neuen Golfplatz in Lech/Zug?

J.W.

Ja, sehr. Er ist eine ganz wichtige Infrastruktur-Einrichtung, mit der wir vielleicht auch einige Wintergäste von der Schönheit unserer Region im Sommer überzeugen können. Mit dem Golfplatz werden auch die Monate Juni und September viel attraktiver. Ich bin außerdem stolz darauf, dass wir den Bau der Golfanlage so schonend wie möglich und allen strengen Richtlinien entsprechend umsetzen. Es wird ganz gewiss ein erfolgreiches Projekt!

L.L.

Bei aller Liebe zur Regionalität: Vermissen Sie manchmal die Zeiten, als Sie mit Ihrer Catering-Firma im Formel-1-Zirkus weltweit unterwegs waren?

J.W.

Nein, ehrlich gesagt nicht. Es war eine wunderbare Zeit und ich habe viel gesehen und gelernt. Jetzt weiß ich, wie schön wir es hier haben und welche Ideen wir implementieren müssen, um weiterhin erfolgreich zu sein. Den Weitblick habe ich also nicht verloren, aber jetzt bin ich glücklich hier und liebe es über alles, in Lech Zürs zu leben.

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Joschi Walch im Wordrap:

Tradition:

ist schön und eine Basis für Entwicklung

Genuss:

etwas Wunderbares!

Lebenstraum:

Gesundheit, zufriedene Familie und das die Rote Wand weiterhin ein erfolgreicher Betrieb bleibt

Sebastian Vettel:

sehr guter Freund und toller Mensch

Wen ich gerne mal auf ein regionales Menü in der Roten Wand einladen würde:

Eva Glawischnig, damit sie sieht, wie nachhaltig Lech Zürs und die Betriebe hier am Berg arbeiten.

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„Vo:dô“ – eine köstliche Idee

Die Grundidee für die Regional-Initiative Vo:dô entstand im Rahmen des Markenprozesses Lech, wobei der Name eine klare Botschaft vermitteln sollte: Das Beste kommt „von da" und gedeiht direkt vor unseren Haustüren! Und so gründeten Landwirte, Gastronome und Hoteliers aus Lech Zürs und der Tannbergregion ein Netzwerk, um Gäste und natürlich auch Einheimische mit regionalen Lebensmitteln zu begeistern. Bauernfamilien, Sennereien, Käsereien, Metzgereien, Fischzüchter und Bäcker liefern geprüfte (Bio)-Produkte, die Genuss ohne große Umwege, Top-Qualität und viele Vorteile fürs Gemeinwohl garantieren.


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