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Ein Hotelier der guten Schule

Lech & Zürs

Ein Hotelier der guten Schule

Florian Moosbrugger führt mit dem Hotel Gasthof Post eines der traditionsreichsten Häuser in Lech. Seit mehr als 75 Jahren im Familienbesitz, gehört es heute zum erlesenen Kreis der renommierten „Relais & Châteaux“-Hotels. Mit La Loupe spricht der leidenschaftliche Gastgeber unter anderem über Beruf, Berufung und Gartenträume im Hotel Post.

L.L.

L.L.

F.M

Herr Moosbrugger, Sie haben die renommierte Hotelfachschule in Lausanne besucht. Der perfekte Berufseinstieg für einen angehenden Hotelier?

‘What’s most important is to keep looking for what one really wants to do.’

F.M

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Lausanne bedeutet für jemanden aus Lech zwei Dinge: ins Ausland zu kommen und auf eine gute Schule zu gehen. Sie gehört zu den besten der Welt und ich kann sie jedem nur empfehlen. Am allerwichtigsten ist, hinaus in die Welt zu gehen, andere Sprachen und Kulturen kennenzulernen, Toleranz und Charakter zu formen. Man soll für sich selbst feststellen, ob die Hotellerie eine Berufung ist und man sich ein Leben lang mit dem Thema Gastfreundschaft auseinandersetzen möchte.

L.L.

„Wichtig ist, auf der Suche zu bleiben nach dem, was man wirklich machen will.“

F.M.

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What good is all the marble if you’ve got monsters running around on it?’

L.L.

L.L.

Und welches Fach lag Ihnen am meisten?

F.M.

F.M.

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Es gab nicht nur die klassischen Fächer wie Service, Kochen und Rezeption, sondern auch eine intensive Auseinandersetzung mit Psychologie. Uns wurde bewusst gemacht, dass wir nicht nur mit Zahlen agieren, sondern immer auch mit Menschen, sei es mit Gästen oder Mitarbeitern. An uns Hoteliers liegt es, alle individuellen Sichtweisen im Hotel so zu vereinen, dass das ganze System funktioniert.

“Hiking is, was and will continue to be the central summer-topic in Lech.”
„Was hilft der ganze Marmor, wenn Monster darauf rumlaufen?“

L.L.

L.L.

F.M.

Sie selbst sind beruflich in die Fußstapfen Ihrer Eltern getreten. Was raten Sie jungen Hoteliers in der Übergabephase?

L.L.

F.M.

F.M.

Ich beschäftige mich sehr viel mit Qualitätsmanagement, auch im Rahmen des Aufsichtsrates von Relais & Châteaux. Dabei stelle ich fest, dass die Übergabe der Betriebsführung leider oft das größte Problem in Familienunternehmen ist. Es gibt aber kein Allheilmittel, jede Familie und jeder persönlich muss sich damit beschäftigen. Tendenziell habe ich die größten Erfolge dann gesehen, wenn es einen klaren Schnitt gegeben hat. Wenn also ein Zeitpunkt festgelegt wurde, zu dem die junge Generation in Eigenverantwortung die Geschicke des Unternehmens übernahm.

L.L.

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F.M.

„Wandern war, ist und bleibt sicher für einige Zeit das zentrale Sommerthema in Lech.“

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L.L.

L.L.

Ihr Tipp für einen jungen Menschen, der im Gastgewerbe erfolgreich sein will?

F.M.

F.M.

L.L.

Geh raus in die Welt, in andere Länder und Kulturen! Finde heraus, welcher Bereich der Hotellerie dir Spaß macht. Es gibt so viele unterschiedliche Felder, in denen man glücklich und erfolgreich sein kann!

F.M.

L.L.

“Lech in summer is an ideal second-holiday destination.”

Viele sehen das Gastgewerbe nur als Job. Was entgegnen Sie dieser Meinung?

L.L.

F.M.

F.M.

Das ist für einen jungen Menschen ganz in Ordnung. Wer in den Arbeitsprozess einsteigt, kann das Arbeiten auch mal üben. Wichtig ist, auf der Suche zu bleiben nach dem, was man wirklich machen will. In der Zwischenzeit darf man durchaus sein Geld in der Gastronomie verdienen.

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L.L.

L.L.

Ist es auch für Sie schwer, gute Mitarbeiter zu finden?

F.M.

F.M.

‘When it comes to the staff’s personalities we can’t compensate any deficits.’

Wir legen sehr viel Wert auf die Persönlichkeit eines Mitarbeiters. Hier können wir keine Defizite ausgleichen. Deshalb müssen die Menschen von der Art her gute Typen sein. An fachlichen Schwächen können wir arbeiten, wir formen auch gerne Menschen und bringen ihnen unsere „Arbeitsphilosophie“ bei.

L.L.

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F.M.

L.L.

Welchen Grund sehen Sie für das Imageproblem von Berufen im Gastgewerbe?

F.M.

Das schlechte Image ist sicher nicht ungerechtfertigt. Wir haben lange Arbeitszeiten, die Bezahlung in anderen Branchen ist oft besser. Wir Hoteliers kämpfen aber auch mit den Kosten. Das Problem liegt in der steuerlichen Situation, die in anderen Branchen längst zu Auslagerungen in Billiglohnländer geführt hat. Wir arbeiten und produzieren hier, wo wir leben, und die Gewinnmargen werden immer kleiner. Das wird für viele Betriebe bald untragbar.

L.L.

Das beste Hotel, in dem Sie jemals Gast waren?

F.M.

Für mich zählen in einem Hotel zwei Faktoren: das Gebäude und die Menschen. Diese sogar noch mehr. Denn was hilft der ganze Marmor, wenn Monster darauf rumlaufen? Daher ist mein subjektives Erlebnis des besten Hotels die Villa Feltrinelli am Gardasee, ein wunderschönes und liebevoll renoviertes Haus. Die Menschen, die dort arbeiten, waren so fürsorglich und freundlich, dass es mir in Erinnerung geblieben ist.

„Das sommerliche Lech ist eine sehr gute Zweiturlaubs destination.“

L.L.

Wie unterscheiden sich die Sommergäste von jenen im Winter?

F.M.

Viele Gäste kommen sowohl im Sommer als auch im Winter nach Lech, aber die unterschiedlichen Aktivitäten beeinflussen ihr Verhalten. Im Winter ist das Skifahren zentrales Thema, für diesen freudvollen Sport bleiben viele ein bis zwei Wochen in Lech. Wandern ist im Vergleich viel anstrengender und wird nicht ganz so ehrgeizig betrieben. Das sommerliche Lech ist daher eine sehr gute Zweiturlaubsdestination. Viele Gäste möchten zuerst ans Meer fahren und lassen sich danach bei uns in den Bergen ein paar Tage verwöhnen. Die Aufenthaltsdauer ist im Sommer kürzer als im Winter.

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L.L.

Im Sommer kommen Ihre Gäste in den Genuss einer beeindruckenden Außenanlage. Ein Must-have heutzutage?

F.M.

Auf jeden Fall! Die Gäste verlangen einen gepflegten Gartenbereich, Sitzbänke allein sind zu wenig. Speziell im Sommerbetrieb wird man ohne entsprechende Außenanlage nicht mehr wahrgenommen. Wir haben schon 1985 mit dem Projekt begonnen – damals hat man uns noch für verrückt erklärt –, 2010 erfolgte eine zweite Ausbaustufe mit Außenpool. Heute umfasst unser Garten über 8.000 durchgestaltete Quadratmeter auf drei Etagen, und neben den gewohnten Dienstleistungen werden zum Beispiel auch Massagen im Freien angeboten. Der anspruchsvolle Gast erwartet das!

„Bei der Persönlichkeit eines Mitarbeiters können wir keine Defizite ausgleichen.“

L.L.

Zum Abschluss: Ihr Wunsch für die touristische Zukunft von Lech?

F.M.

Wandern war, ist und bleibt sicher für einige Zeit das zentrale Sommerthema in Lech. Daher benötigen wir ein gut funktionierendes Alpincenter, das gemeinsam mit den Hotels ein umfassendes Angebot erarbeitet. Unseren Gästen soll die gesamte Palette an Betätigungen im alpinen Raum unter sicheren Voraussetzungen ermöglicht werden, von Wanderungen für Familien, Bergtouren für Geübte bis zu Rafting und Kindererlebnissen. Ein solches Alpincenter wäre eine große Bereicherung für alle Betriebe in Lech.


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