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Der Erzähl-Meister

Innsbruck & Umgebung

Der Erzähl-Meister

La Loupe im Interview mit Filmemacher Andreas Hafele

Das metallische Rattern an der Stütze eines Sesselliftes, der schwere Atem einer Mountainbikerin – Andreas Hafele hat mit ungewöhnlichen Bildern und Geräuschen ein authentisches Bild von Tirol gezeichnet, das durch die neuen Tirol-Werbung-Spots in die ganze Welt strahlt. LA LOUPE verriet der Filmemacher, warum Werbung heute ehrlich sein muss, und dass es für einen guten Film eine große Portion Tiroler „Schneid“ braucht.

“The mountains of Tyrol hide so many spots that only show their true power in rough weather.”
„Die Bergwelt Tirols birgt unendlich viele Plätze, die ihre Kraft erst im rauen Wetter entfalten.“

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L.L. / Herr Hafele, Ihre Winter- und Sommerspots für die Tirol Werbung sind ganz anders als klassische Tourismus-Werbefilme, die meist auf idyllische Naturaufnahmen und stimmungsvolle Musik setzten. Wieso sollte sich Tirol mit heftigem Schneetreiben und Skilift-Geräuschen inszenieren?

A.H. / In meinem Kopf ist Schneetreiben und Sturm schönes, stimmungsvolles Wetter. Geräusche, auch die eines Skilifts, sind Musik in meinen Ohren. Die Bergwelt Tirols birgt unendlich viele Plätze, die ihre Kraft erst im rauen Wetter entfalten. Mein Ziel ist es, den Blick und das Gehör des Betrachters zu sensibilisieren, Beobachtungen und Erinnerungen in ihm anzuregen, die ein alpines Lebensgefühl ausmachen. Wir haben für die Tirol-Werbung-Spots eine Formel des Erzählens entwickelt, die speziell Geräusche - wie Tirol klingt - in den Vordergrund rückt.

Ich habe gemeinsam mit der ‚Höragentur’ meines Kollegen Peter Kollreider den Ansatz entwickelt, den Geräuschen eine Bühne zu geben und bewusst gegen den Trend von lauter Instumentierung zu arbeiten. Wir lassen Tirol in unserem Spot erklingen. Das hört man in den aktuellen Spots, da werden Alltagsgeräusche fast zur Musik.

“Of course I’d like to coin the image – make it modern and authentic.”

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“As far as design goes my films are intended to meet international standards – which is then paired with honesty towards the country.”
„Natürlich will ich das Image prägen, und zwar zeitgemäß und authentisch.“
“The images of the endless blue sky, with the sun shining on the mountains – they are simply worn out, replaceable and have been used by thousands of tourism destinations for decades.”

L.L. / Wie war die erste Reaktion der Verantwortlichen im doch eher konservativen Tirol? Wie haben Sie die Leute von Ihrer Idee überzeugt?

A.H. / Der Film ist bei der Tirol Werbung gut angekommen, weil die Verantwortlichen visionär denken. Wir haben uns sehr tief mit den Markenwerten und der fotografischen Bildsprache auseinandergesetzt. Das haben wir in unserem Ansatz ‚making tracks’ verwirklicht - in dem wir Spuren in der Landschaft hinterlassen, hinterlassen Erlebnisse in der Landschaft auch Spuren in uns. Er beschäftigt sich in der Tiefe mit der Marke und versucht mit der Konvention zu brechen. Wir versuchen, es nicht so zu machen, wie man es immer gemacht hat. Auch schlechtes Wetter ist schönes Wetter, wenn man es nur richtig darstellt.

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„Meine Filme haben einen gestalterisch internationalen Anspruch, gepaart mit Ehrlichkeit gegenüber dem Land.“
“What I keep finding so fascinating about Tyrol is how healthy the people are because of all the physical activity. Personally, I also like to just sit on an alp sometimes.”

L.L. / Es ist schön, dass man mit etwas Positivem die Aufmerksamkeit der Menschen erregen kann. Man hört ja oft, Werbung muss bunt, schräg und laut sein, damit sie in den Köpfen hängen bleibt. Ihr Spot ist anders, aber schön.

A.H. / Es ist kein Skandalfilm, wir haben einfach gestalterisch den Hobel angesetzt. Man kann eine Liftstütze sowohl hässlich und abstoßend filmen, als auch imposant und fotografisch wertvoll. Das war das Ziel.

“Hafzoo is a neologism that points at the great diversity of animals in a zoo.”
„Die Bilder vom endlos-wolkenlosen Himmel, bei dem die Sonne über die Berge lacht, ist ausgelutscht, ersetzbar und von tausenden Tourismusdestinationen jahrzehntelang im Einklang verbraten.“

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L.L. / Mit Ihren Filmen zeichnen Sie Bilder, die das Image Tirols international prägen. Wollen Sie dieses Image verändern?

A.H. / Natürlich will ich das Image prägen, und zwar zeitgemäß und authentisch. Das Medienempfinden unserer Zielgruppe ist weit höher als wir glauben, und die Betrachter spüren sofort, ob wir ihnen in den Bildern etwas vorgaukeln oder es ernst mit ihnen meinen. Gewinnen kann man sie meiner Meinung nach nur mit Ehrlichkeit. Die Bilder vom endlos-wolkenlosen Himmel, bei dem die Sonne über die Berge lacht, ist ausgelutscht, ersetzbar und von tausenden Tourismusdestinationen jahrzehntelang im Einklang verbraten. Damit ist es unmöglich, sich zu unterscheiden, auf sich aufmerksam zu machen oder einen Eindruck zu hinterlassen. Erst die Verschränkung aus cineastischer Qualität und Echtheit, der Mut zur berühmten Tiroler ‚Schneid’, machen meine Filme charmant und überzeugend. Ich hoffe das prägt.

“Art is free, advertising is not.”

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Wordrap

L.L. / Ihre Spots sprechen auch Menschen an, die bisher noch keinen Urlaub in Tirol geplant hatten. Wissen Sie, ob sich das bereits in den Buchungen niederschlägt?

A.H. / Mit Sicherheit (lacht). Das ist natürlich immer der Wunsch. Ich kann mir vorstellen, dass die Summe der vielen touristischen Werbemaßnahmen sich deutlich auf die Buchungen niederschlägt. Die Tirol Werbung macht speziell mit ihrer Bildsprache eine tolle Arbeit, um sich zu unterscheiden und sich innovativ zu positionieren. Vor allem damit, dass sie versuchen, typographisch und mit Bildern aus dem Postkartenimage auszubrechen und sich dadurch in der Kommunikation zu unterscheiden. Hier wird mit hoher Qualität, um nicht zu sagen mit intellektuellem Anspruch, gearbeitet. Es freut mich, dass sich das mit meiner Art, Filme zu machen, so schön ergänzt hat.

Andreas Hafele

„Faszinierend in Tirol finde ich immer wieder, wie gesund die Leute hier durch die viele Bewegung eigentlich sind. Ich persönlich sitze auch gerne einmal auf der Alm.“

L.L. / Was inspiriert Sie persönlich an den Tiroler Bergen?

A.H. / Ich bin hier aufgewachsen, die Berge sind für mich Heimat. Immer auf’s Neue faszinierend finde ich, wie viele Leute in den unterschiedlichsten Formen auf den Bergen Sport ausüben. Die einen radeln rauf oder runter, die anderen wandern, auf der Wand gibt es Kletterer, in der Luft fliegt ein Drachenflieger – es ist wirklich unglaublich, in welcher Vielfalt die Berge sportlich bespielt werden. Ich persönlich sitze auch gerne einmal auf der Alm.

L.L. / Wie kommen Sie dort hin?

A.H. / Mit der Gondel (lacht).

L.L. / Produktionsfirma heißt „Hafzoo“. Ein interessanter Name – erklären Sie uns die Botschaft?

A.H. / Hafzoo ist eine Wortfindung, die auf die Vielfalt der Tiere in einem zoologischen Garten verweist. Wir machen die unterschiedlichsten Arten von Filmen und Werbespots und fühlen uns gern wie in einem kreativen Garten, eben einem sogenannten Hafzoo.

L.L. / Sie haben in England Regie studiert. Was war das Wichtigste, das Sie in dieser Zeit gelernt haben?

A.H. / ‚Do it. Otherwise you will never know.’

„Hafzoo ist eine Wortfindung, die auf die Vielfalt der Tiere in einem zoologischen Garten verweist“

L.L. / Passt das mit dem Tirolerischen zusammen? Muss man das ‚do it’ lernen?

A.H. / Großbritannien inspiriert mich im Bereich Kunst, Kultur und Kommunikation, auch bei Werbefilmen. Die Engländer produzieren tonangebende Kampagnen, an denen sich die ganze Welt orientiert. Ich habe eine große Schwäche für das Land und auch ein kleines Büro in London, das wir für Produktionen immer wieder aktivieren.

L.L. / Sie sind Innsbrucker bzw. Tiroler, haben allerdings auch lange Zeit in England gelebt. Was könnte sich Innsbruck von London abschauen – und umgekehrt?

A.H. / Es sollen beide Städte so bleiben wie sie sind, der Unterschied macht’s aus. Ich genieße es sehr, mich in London beruflich und kulturell aufzuladen und in Innsbruck mit meiner Familie Sport zu machen. Das Hopping zwischen unterschiedlichen Orten hilft den Schweinehund der Gewohnheit zu überlisten, Plätze immer wieder aufs Neue zu entdecken. Ich finde das hält frisch.

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L.L. / Ist Werbung eigentlich Kunst?

A.H. / Kunst ist frei, die Werbung nicht. Sollten sie einmal einen Werbespot drehen, werden sie sehen, wie zerbrechlich eine Idee bei der Umsetzung sein kann, wie schnell ein klares Konzept am Papier in die Hose gehen kann. Beim Jonglieren so vieler Inkonstanten könnte man schon den Kunstanspruch erheben. Dennoch erfüllt Werbung einen Zweck. In diesem Sinne würde ich eher auf „Kunsthandwerk“ als auf „Kunst“ tippen.

„Kunst ist frei, die Werbung nicht.“

L.L. / Auf Ihrer Website heißt es : „We tell stories“. Welche Geschichten werden Sie in Zukunft erzählen, was sind die Pläne für die nächsten Jahre?

A.H. / Hafzoo wird immer wieder vor neue Aufgaben gestellt. Anfang Sommer zum Beispiel in Helsinki für einen neuen Kunden. Welche Stories kommen, wissen wir selbst auch noch nicht. Doch wenn’s ums Erzählen geht, gehen uns nie die Ideen aus.

Wordrap

Berg oder Tal? Tal.

Geräusche sind für mich ... Musik.

Mein Regiesessel ... ist kaputt.

Authentisch ist ... wer Knödel genießt.

Mein liebster Werbespot: Honda Civic Choir.

Canon oder Konica? Leica.

Andreas Hafele

Andreas Hafele gründete 2010 seine Filmproduktionsfirma Hafzoo. Bisher drehte unter anderem Werbefilme für Vodafone, McDonald’s, Garmin und die Tirol Werbung. 2006 gewann Hafele für seinen Film „The Sound of Music Television“ in Cannes den Young Director’s Award. Seine Werbefilme fanden Erwähung im American Cinematographer Magazine für innovativen Stil mit visuellem Zugang und er wurde ausgezeichnet beim Staatspreis für Werbung sowie mit der begehrten Venus vom Creative Club Austria. Hafele lebt mit seiner Familie in Lans.


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