Auf der Sonnenseite des Semmerings

Interview mit Julius Schneidhofer vom Althammerhof

Inmitten einer wunderbaren Naturlandschaft auf 850 Metern ist er gelegen, der Althammerhof. Von hier hat man nicht nur die beste Aussicht auf Sonnwendstein, Semmering, Rax und Schneeberg, sondern kann sich von den Gastgebern Andrea und Julius Schneidhofer nach allen Regeln der Kunst verwöhnen lassen. Auf Genießer warten im Heurigen köstliche Schafskäsespezialitäten und prämierte Moste, in der Ferienwohnung kommen Gäste zur Ruhe und finden Kraft für die zahlreichen Erlebnisse am Semmering. Bei einer Jause mit La Loupe blickt Julius Schneidhofer mit uns zurück in die Vergangenheit des Hofs und weiht uns in das Geheimnis seines „Semmergins“ ein.

La Loupe Alhammerhof Nö 5

L.L. / Herr Schneidhofer, ihre Familie betreibt den Althammerhof schon seit vielen Generationen. Welche Geschichte verbirgt sich hinter diesem besonderen Ort?

J.S. / Meine Familie ist seit 1668 hier und hat immer einen Bauernhof betrieben, früher noch ganz klassisch mit Kühen, Pferden, Schweinen, Schafen und Hühnern. In den 1970ern, zu Zeiten meines Vaters, wurde es zunehmend schwieriger für die Landwirtschaft. Er hat dann meine Mutter, eine Holländerin, geheiratet und sich auch die dortigen Betriebe angesehen. Damals hatten wir zehn Maststiere, in den Niederlanden waren es bereits um die hundert. Das war eigentlich der Startschuss für die Direktvermarktung der Rinder in sogenannte „Hausfrauenpakete“, die zehn Kilo Fleisch und Knochen umfassten. Dann haben wir langsam von Kühen auf Schafe umgestellt, denn die Fleischeinheiten sind kleiner und so vereinfachte sich für uns die Logistik. Außerdem haben wir uns aufs Melken und die Käseproduktion spezialisiert. 1984 begannen wir mit dem Mostheurigen und seitdem entwickelt sich der Hof kontinuierlich weiter. Wir haben heute um die 250 Schafe, weiße und braune Bergschafe und ostfriesische Milchschafe. Gerade unser Käse hat sich in der Region wirklich einen Namen gemacht. Großer Vorteil: Wir verkaufen eigentlich alle Produkte an Betriebe in der Region, zum Beispiel dem Looshaus, Hotel Marienhof und Knappenhof, der Pension Löffler am Semmering und der Speckbacher Hütte – mit allen haben wir eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Wir sind auch generell bestrebt, dass wir so gut wie alles selbst verwerten. Aus diesem Grund haben wir auch einen eigenen Wollshop namens „Schaf gut“ mit tollen Produkten. Auch die Schlachtung findet direkt am Hof statt, das macht sicher die gute Qualität des Fleisches aus, denn für die Tiere entsteht so kein Stress.

„Unser Käse hat sich in der Region wirklich einen Namen gemacht.“

Außerdem pflegen wir einen sehr alternativen Obstanbau und haben eine große Artenvielfalt. Wir besitzen beispielsweise seit langer Zeit viele alte Apfelbäume von denen wir nicht mal die Sorte kennen und veredeln diese selbst weiter. Der Kreuzberg liegt auf der Sonnenseite des Semmerings und obwohl wir so hoch liegen, wächst hier dank des guten Klimas alles. Alleine vom Anbau können wir trotzdem nicht leben, da das Wetter heutzutage schwer vorherzusagen ist. Wir sind aber bestrebt, alles zu konservieren: Äpfel werden zu Apfelwein und Most; Birnen, Marillen, Vogelbeeren, Wachholder zu Destillaten. Im Haus ist immer schon Schnaps gebrannt worden, bereits mein Vater hat früher für seine Destillate Preise gewonnen, und auch ich widme mich mit Leidenschaft dieser Tätigkeit. Hohe Qualität ist uns sehr wichtig, denn wir können und wollen sowieso nicht auf Masse produzieren. Seit zwei Jahren stellen wir außerdem den Semmergin her.

Julius Schneidhofer (li.) mit seinen Eltern Maria und Julius Scheidhofer
Julius Schneidhofer (li.) mit seinen Eltern Maria und Julius Scheidhofer

L.L. / Ihr selbstgebrannter Semmergin erfreut sich großer Beliebtheit und ist jedes Jahr nur in limitierter Menge verfügbar. Wie sollten Genießer diesen Gin trinken und was werden sie schmecken?

J.S. / Er ist so gut, dass man ihn am besten pur trinkt. Der Brennprozess hat jedoch eine lange Zeit in Anspruch genommen:  Der Wachholder soll im Vordergrund stehen, die Botanicals, also das Kräuterbouquet, im Hintergrund bleiben, und am Ende muss alles eine Harmonie ergeben. Das ist gar nicht so leicht. Oft unterscheidet sich der Geschmack im Destillat von der Vorstellung, die man vom Kraut hat. Die Hauptbrennzeit ist im November, das hängt aber auch von den Umständen am Hof ab. Manchmal kommen spontane Aufgaben dazwischen, die eine gewisse Flexibilität erfordern. Der Beruf des Landwirts ist sehr abwechslungsreich und für mich auch gleichzeitig Hobby. 

L.L. / Brennen Sie neben dem Semmergin noch weitere Spirituosen?

J.S. / Ich habe immer einen Apfel-, einen Hirschbirn-, einen Zwetschken- und Kräuterbrand. Ich brenne aber auch fünfzehn bis zwanzig weitere Sorten, aber eben nicht in rauen Mengen.

L.L. / Schon 1924 begann Josef Althammer mit der Zimmervermietung, 1994 bis 1996 bauten Sie gemeinsam mit Ihrer Frau das Gebäude um und modernisieren es laufend. Was erwartet Gäste bei einer Übernachtung auf dem Althammerhof?

J.S. / Wir haben drei Appartements, das sind großzügig eingerichtete Selbstversorger-Ferienwohnungen. Die Gäste fühlen sich dort sehr wohl und das beste: Sie schlafen in Schafswolle – von der Matratze bis zur Decke. Den Rest erledigen die gute Luft und die schöne Aussicht von ganz allein. Viele Gäste sind mittlerweile zu Stammgästen geworden und auch viele Schauspieler der Reichenauer Festspiele nächtigen hier fünf bis sechs Wochen.

La Loupe Alhammerhof Nö 9
Promotion

L.L. / Schafzucht, Shop, Heuriger und Ferienwohnung – Sie haben ganz schön viel zu tun. Wie erholen Sie sich?

J.S. / Das Timing muss passen. Bevor wir mit unseren drei Kindern in den Sommerurlaub fahren, müssen wir einiges vorbereiten. Im Winter sind wir flexibler: Der Stall ist morgens und abends ein fixer Termin, dazwischen können wir uns die Zeit aber schon etwas freier einteilen. Da wir begeisterte Skifahrer sind, zieht es uns bei Kaiserwetter gern ein paar Stunden auf die Piste. Ich sage den Kindern oft: Wir leben da, wo andere Urlaub machen. Sogar das litauische Mountainbike-National-Team kommt zum Trainieren hierher. Man muss die Region wirklich zu schätzen lernen, nur so können wir unseren Arbeitsplatz für die nächsten Generationen erhalten.

L.L. / In Ihrem Hofverkauf bieten Sie Fleisch, Schafswollprodukte, Edelbrände, Käse und viele weitere selbstproduzierte Schmankerl an. Wie kommen die Produkte an?

J.S. / Sehr gut, es ist teilweise sogar so, dass wir Kunden vertrösten müssen. Der Hof hat eine gewisse Größe und eine begrenzte Anzahl an Tieren. Auch zeitlich kann ich gar nicht mehr leisten, sonst würde die Qualität sehr darunter leiden. Ein landwirtschaftlicher Betrieb hat heutzutage sowieso schon mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, ohne Tourismus, Heurige und Direktvermarktung würde es nicht funktionieren. Was bei unseren Gästen super ankommt: Der Schafskäse pikant mit Honig und Zimt, der seit zwei Jahren bei unserem Mostheurigen angeboten wird. Die Idee zu diesem Gericht stammt ursprünglich von meiner Frau, denn sie hat es jeden Tag gegessen. Generell verändern wir die Speisekarte aber nicht sehr stark, denn Hungrige aus nah und fern legen Wert darauf, ihre gewohnten Speisen zu bekommen. 

La Loupe Alhammerhof Nö 3

L.L. / Auch in den Städten werden regionale Produkte immer beliebter. Ist hier ein neuer Trend zu verzeichnen oder sollte diese Entwicklung eigentlich Normalität sein?

J.S. / Für uns ist es ganz normal und authentisch. Wir leben das – gutes Essen und Trinken ist unser ganz persönlicher Luxus. Darauf achten wir sehr! Wer länger auf dem Althammerhof zu Gast ist und sieht, wie wir im Kreislauf wirtschaften, nimmt dieses Denken sicherlich auch mit nach Hause. Das, was wir tun, machen wir gerne und sehen einen Sinn dahinter. Wir produzieren etwas mit unseren eigenen Händen und gehen abends zufrieden ins Bett. Dazu kommen kleine Experimente, wie die Schnapsbrennerei, die den Alltag spannend machen. 

L.L. / Der Althammerhof ist seit jeher ein echter Familienbetrieb. Gibt es schon weitere Pläne für die Zukunft? Wird der Semmergin Österreich und die Welt erobern?

J.S. / Wenn wir wachsen, dann wachsen wir langsam – auch in Bezug auf unseren Gin. Ich sehe es eher als Hobby. Jeder Jahrgang schmeckt anders und unsere Bergkräuter geben einen ganz besonderen Geschmack. Auch am eigenen Tonic haben wir uns bereits versucht. Das hat unseren Kindern aber so gut geschmeckt, dass wir es nicht produzieren konnten – es war zu schnell leergetrunken. Der große Vorteil des Semmergins ist aber eben auch, dass man ihn sehr gut pur trinken kann.

La Loupe Alhammerhof Nö 8

Julius Schneidhofer im Wordrap

Ich stehe um ... 7 Uhr ... auf. Durch den Heurigen komme ich spät ins Bett und brauche ein gewisses Schlafpensum.

Von Fertigprodukten halte ich ... eher wenig.

Haben die Schafe Namen? Das nicht, aber man merkt sich die besonders braven und besonders schlimmen.

Gibt es ein schwarzes Schaf? Das gibt es in jeder Familie (lacht).

Leben in den Bergen bedeutet für mich ... es ist schön, wenn man gleich nach dem Aufstehen einen gewissen Weitblick hat.

An meiner Frau schätze ich ... alles!

Käse oder Fleisch? Beides. Vielleicht sogar eher Käse. 

Julius Schneidhofer

Julius Schneidhofer führt gemeinsam mit seiner Frau Andrea den Althammerhof, der seit knapp 350 Jahren auf der Sonnenseite des Semmerings thront. Hier widmet er sich nicht nur der Schafzucht, sondern betreibt auch einen Heurigen und drei Ferienwohnungen. Seine Frau kümmert sich zudem mit Leidenschaft um den eigenen Wollshop „Schaf gut“ (www.schafgut.at). Mit ihren drei Kindern Lorenz, Anna und Julius verbringen die beiden die freie Zeit am liebsten auf der Piste in den nahegelegenen Skigebieten.