Servus die Wadln

Stefan Wimmer von „Wimmer schneidert“ und Georg Klampfer, Initiator des LederhosenDonnerstags

Salzburg. Lederhose und Dirndl gehören zu Salzburg wie Mozart und Festspiele. Dass Moderne und Tradition dabei einträchtig Hand in Hand gehen können, beweisen Stefan Wimmer und Georg Klampfer im La Loupe-Interview. Stefan Wimmer repräsentiert die 9. Generation der Trachtenmanufaktur „Wimmer schneidert“ in Schleedorf. Einer, der insbesondere der Lederhose in der Stadt Salzburg zu einem neuen Hype verholfen hat, ist Georg Klampfer, Organisator des „LederhosenDonnerstags“. Sein Ziel: die Tracht zurück in den Alltag zu bringen. Im La Loupe-Interview sprechen die beiden über ihren individuellen Zugang zur Tracht und verraten, wie viele Lederhosen sie im Schrank haben.

L.L.

Herr Wimmer, „Wimmer schneidert“ gibt es seit 1741, das Unternehmen wird bereits in der neunten Generation geführt. Was ist noch so wie damals und was ist heute anders als 1741?

S.W.

Was bei uns über die Jahrhunderte gleichgeblieben ist, ist das regionale Denken. Wir versuchen nach wie vor, regionale Lieferanten für unsere Kollektionen zu gewinnen, kaufen Loden oder Leinen möglichst in der Region. Auch die Tatsache, dass wir ein familiengeführtes Einzelunternehmen sind, in dem man sich untereinander kennt, ist gleichgeblieben.

L.L.

Wurde der Familienbetrieb immer nur an eine Person weitergegeben?

S.W.

Ja. Wir sind auch unserem Produktionsstandort in Schleedorf treu geblieben. Ich denke, dass es für uns von Vorteil ist, dass wir in einem kleinen Ort sind – dadurch sind wir für viele ein Geheimtipp. Gleichzeitig profitieren wir natürlich von der Nähe zu Salzburg. Salzburg ist ja seit je her eine Trachtenstadt.

Stefan Wimmer
Stefan Wimmer
L.L.

Kaufen vorwiegend regionale Kunden bei „Wimmer schneidert“ ein?

S.W.

Nein, wir haben auch viele internationale Kunden. Grundsätzlich fertigen wir ja alles nach Maß. Manchmal haben wir aber auch Anfragen von Kunden, die aufgrund der Distanz nicht zu uns kommen können. Da gab es etwa eine Anfrage von einer zukünftigen Braut aus Rostock, die sich in eines unserer Dirndl verliebt hat. Ohne dieses Dirndl wollte sie nicht heiraten! Da schneidern wir dann nach den angegebenen Maßen, telefonieren, tauschen Fotos aus. Wir schicken das Dirndl nicht einfach weg und denken uns: wird schon passen. Die Kundin soll in ihrem neuen Dirndl ja toll ausschauen und lange Freude damit haben.

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L.L.

Es gibt bei vielen Kollektionen Klassiker, die die Jahrhunderte überdauern. Gibt es bei der Tracht auch ein Masterpiece, das über die Jahrhunderte übernommen wurde?

S.W.

Ja, das gibt es tatsächlich. Zum einen bei der Lederhose, da ist der Schnitt ja sehr klassisch – manchmal etwas kürzer, manchmal etwas länger. Aber das Hirschleder, das auf ursprüngliche Art und Weise gegerbt wurde oder auch die Stickmuster, das sind sehr traditionelle Dinge. Da ist heute noch vieles so, wie es schon vor 100 oder 150 Jahren war. Auch ein Dirndl besteht immer aus einem Mieder, also dem engen Oberteil, und einem Rock, der einmal gezogen ist und einmal in Falten gelegt wurde. Es ändern sich die Farben oder die Ausschnitte, aber im Grunde ist es über die Jahrhunderte gleichgeblieben.

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L.L.

Georg, wann haben Sie Ihre erste Wimmer-Lederhose bekommen?

G.K.

Als ich 19 Jahre alt war, wurde mir die erste Lederhose angeschneidert. Die habe ich damals zur Matura bekommen und die trage ich heute noch. Die erste Wimmer-Lederhose, die ich je gehabt hab, die habe ich von meinem Cousin geerbt. Ich glaube, da war ich sechs Jahre alt. Und vorher hat sie wahrscheinlich schon meinem Onkel gehört. (lacht) Für mich war es von klein auf selbstverständlich, eine Lederhose zu besitzen. Mindestens eine.

Georg Klampfer
Georg Klampfer
L.L.

Sie haben es geschafft, mit dem LederhosenDonnerstag in Salzburg die Tracht wieder modern zu machen. Wie haben Sie das gemacht, welche Idee stand dahinter?

G.K.

Wenn ich ehrlich bin, hat es keine Idee dahinter gegeben. (lacht) Ich habe einfach gerne die Lederhose angezogen. Mein Partner vom LederhosenDonnerstag, Christian Eibl, hat mal gesagt, dass er es toll findet, dass ich die Lederhose auch beruflich anziehe. Mit einem Sakko dazu passt das super ins Büro. Er wollte die Lederhose auch öfter im Alltag tragen, nicht immer nur zu Hochzeiten oder zum Rupertikirtag. So haben wir den LederhosenDonnerstag ins Leben gerufen. Ich denke damit geben wir den Leuten, die sich vielleicht nicht trauen, die Tracht auch unter der Woche anzuziehen, eine gute Möglichkeit, genau das zu tun. Und wenn dann jemand auf der Straße fragt: Hey, warum hast du die Lederhose an? Dann kann man sagen: Heute ist doch Lederhosendonnerstag. (lacht) Der Erfolg hat uns aber selbst überrascht. Ich glaube, dass es auch deshalb so gut angekommen ist, weil es kein Marketinggag irgendeiner Firma war. Sondern weil einfach zwei Deppen jeden Donnerstag die Lederhose angezogen und Spaß gehabt haben. (lacht)

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L.L.

Herr Wimmer, kann man eine Linie ziehen zwischen Alltagstracht und Festtagstracht?

S.W.

Da hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Die Tracht ist heute viel unkomplizierter als früher – da hat sicher der LederhosenDonnerstag einen Teil dazu beigetragen. Heute kann man eine Trachtenjacke zur Lederhose genauso anziehen wie zur Jeans.

G.K.

Da ist auch das Lässige: Man kann es in beiden Richtungen kombinieren. Ob ich die festliche Jacke zur Jeans anziehe oder die Lederhose zum Polo – da passt beides. Das finde ich klasse. Auch beim LederhosenDonnerstag geht es ja nicht darum, dass jeder eine handgemachte Hirschlederne haben muss. Es geht darum, dass wir gemeinsam die Tracht feiern. Und wenn man eine Tracht anhat, ist es einfach gleich lustiger.

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L.L.

Und wie ist Tracht bei den Salzburger Festspielen etabliert?

S.W.

Beim Jedermann gehen traditionell viele Gäste in Tracht, die Herren auch in der kurzen Lederhose. Bei Opernpremieren hat man eine lange Tracht an, ein festliches Dirndl oder eine lange Lederhose.

L.L.

Wie viele Lederhosen haben Sie?

G.K.

Ich habe fünf, aber ich ziehe immer nur zwei, drei an. Das sind die, die handgemacht sind – die sitzen einfach anders. Wenn man eine ordentliche Lederhose hat, die angepasst wurde, dann passt die immer, zu jedem Anlass und ein Leben lang. Ich denke, die Lederhose ist für den Mann das, was für eine Frau eine Chanel-Handtasche ist.

S.W.

Ich habe drei kurze und eine lange Lederhose.

L.L.

Wie lange muss man eine Lederhose anhaben, damit sie richtig bequem ist?

S.W.

Dafür muss man sie schon ein paarmal anhaben. Die Lederhosen sind heute von vornherein etwas weicher, da wird beim Gerben schon drauf geschaut. Wenn man sie dreimal anzieht, ist sie schon viel weicher. Und nach einem Jahr ist sie butterweich.

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L.L.

Was kennzeichnet die Salzburger Lederhose?

S.W.

Die „Salzburger“ ist bei uns die beliebteste Lederhose. Da Besondere an dieser Lederhose ist die Teller- oder Bogennaht hinten und die helle Stickerei.

L.L.

Wie lange muss man auf eine Wimmer-Lederhose im Regelfall warten?

S.W.

Wenn man bei uns eine Lederhose machen lässt, dauert es bei handgemachten zwischen acht und neun Wochen. So lange kann man im Regelfall warten. Und ein bisschen Vorfreude ist ja auch schön.

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Wordrap Stefan Wimmer:

1741 oder 2019?

2019

Mein Masterpiece.

Eine kurze, handgemachte Lederhose

Das gebe ich an die 10. Generation weiter.

Handwerkliches Wissen und Können

Der größte Irrglaube zur Lederhose.

Das man sie nur zu Festtagen tragen kann