Arlberg Crafted

Interview mit Manuel Walch und Andreas Vondrak von Buildski Brothers

Andreas Vondrak und Manuel Walch | ©Florian Lechner

Es wird gehobelt, geschliffen und lasiert. In der Werkstatt von Manuel Walch und Andreas Vondrak werden Wintersportträume wahr. In liebevoller Handarbeit entstehen im Herzen von St. Anton individuelle Skier, die mit Hilfe der Buildski Brothers vom Kunden selbst gebaut werden können. Wie das funktioniert, erklären die beiden Profis im Interview mit La Loupe.

L.L. / In ein- bis zweitägigen Skibau-Workshops bauen Sie gemeinsam mit Interessierten deren ganz persönlichen Traumski. Woher stammte die Idee zu Buildski Brothers? 

M.W. / Ich habe schon immer gerne selbst gebastelt und von meinen Freunden zum Geburtstag einen Skibaukurs geschenkt bekommen. Mir gefiel der gemeinsame Spirit unter den Teilnehmern und die erste Freude über den fertigen Ski. Mir war damals aber noch nicht klar, dass ich mich selbst einmal auf Skibau spezialisieren würde, aber diese Freude und Good Vibes weiter zu geben, fand ich extrem cool.

A.V. / Ich war bei diesem Skibaukurs mit dabei und wusste sofort, dass ich dieses Konzept selbst umsetzen will. Wir besuchten gemeinsam einen zweiten Kurs. Mit demselben Ergebnis: Die Stimmung war grandios, aber bei genauerem Betrachten der Ski trat sehr schnell Ernüchterung ein. Wir waren uns darüber im Klaren, dass wir die Skibautechnik wirklich lernen müssen, um am Arlberg bestehen zu können. Also gingen wir kurz darauf auf die Skibautechnikerschule in Steyr / Oberösterreich. 

M.W. / Wir waren dort die absolute Ausnahme, auch weil es in dieser Branche nicht mehr viele Lehrlinge gibt. 

A.V. / Auf unsere alten Tage drückten wir also noch einmal die Schulbank. 

©La Loupe
©La Loupe

L.L. / Gefertigt werden die Ski in der eigenen Manufaktur. Woher kommt Ihr heutiges Wissen über den Skibau? 

A.V. / In der Schule lernten wir natürlich viel über die Bauweisen und die Materialien. Der große Vorteil war jedoch das riesige Netzwerk, das Gold wert ist und von dem wir auch heute noch profitieren. Wir müssen immer auf dem neuesten Stand sein, das ist sehr wichtig. Von der Idee, über Berechnungen, das Verkleben bis hin zur ersten Fahrt vergehen locker drei Monate. Dann muss der Ski natürlich noch getestet werden, das übernehmen meistens echte Profis.

M.W. / Die neuen Modelle konzipieren wir hauptsächlich im Sommer, da haben wir als sehr kleiner Betrieb besser Zeit dafür. Wir verfeinern unsere Skier stetig, bis ein tolles Produkt dabei herauskommt. 

L.L. / Sie bauen Ski gemeinsam mit Ihren Kunden. Wie kann man sich einen Tag mit den Buildski Brothers vorstellen?

A.V. / Alle, die an einem Seminar teilnehmen, können aus folgenden Modellen wählen: Race Carver, All Mountain Ski oder Freeride Ski. Das Besondere an unserem Produkt ist die Möglichkeit, den Ski nach eigenen Vorstellungen zu designen. Furniere lasern, selbst zusammensetzen, Oberflächen bedrucken, von Hand aufmalen – hier ist vieles möglich.

Im Ablauf des Kurses sind wir sehr flexibel. Der Kunde kommt zu uns in die Werkstatt und wird einen Tag individuell von uns oder gemeinsam in einer Gruppe betreut. Man könnte aber auch einfach Skifahren gehen und danach, beispielsweise am späten Nachmittag, einen Ski bauen. Das wären dann zweimal ungefähr drei Stunden. Beim zeitlichen Ablauf können wir auf die Wünsche der Kunden eingehen. 

M.W. / Nicht jeder hat denselben Anspruch an den Kurs. Manche wollen wirklich selbst bauen, andere hingegen nur danebenstehen und zusehen. Natürlich kann man unsere Modelle auch fixfertig kaufen. In erster Linie soll es einfach nur Spaß machen.  

A.V. / Auch wenn der Ski gemeinsam mit unserem Kunden gebaut wird, übernehmen wir immer das Fine-Tuning am Ende. Der Schliff am Schluss muss einfach passen.

Manuel Walch | ©Florian Lechner
Manuel Walch | ©Florian Lechner

L.L. / Der Arlberg ist die Wiege des Skilaufs. Haben Sie das Gefühl, mit Buildski Brothers führen Sie diese Tradition fort? 

A.V. / Auf jeden Fall! Ich habe mit fünf Jahren angefangen Ski zu fahren und wirklich jede freie Minute dazu genutzt, auf die Piste zu gehen. Das ist auch der Grund, warum ich die Skilehrerausbildung absolviert und eine eigene Skischule gegründet habe: das Arlberg Freeridecenter. Die Urenkel des bekannten Hannes Schneider gehen regelmäßig mit uns Skifahren. 1968 wurde das letzte Paar Ski am Arlberg von der Firma Pangratz gebaut. Wir sind die ersten, die diese Tradition nun nach 50 Jahren wiederbeleben. 

M.W. / Es ist total verrückt, wenn man bedenkt, dass wir vermutlich die ersten Tiroler sind, die seit 40 Jahren die Skibautechniker-Ausbildung absolviert haben. Aus unserem Skibaukurs wurde inzwischen eine eigene Marke. Wir sehen uns mittlerweile als kleine Skimanufaktur. 

L.L. / Was hat sich im Vergleich zu damals im Skibau am stärksten verändert? 

A.V. / Es hat sich skibautechnisch sehr viel verändert. Früher gab es beispielsweise lackierte Laufflächen, geschraubte Kanten und eine Laufrille. Heutzutage werden moderne Materialien wie Glasfaser, Karbon und Titanal verwendet. Die größte Veränderung der letzten Jahre war aber nicht das Material, sondern die Form des Skis: vorne und hinten aufgebogen. Was früher als gestaucht weggeschmissen wurde, wird heutzutage in einer ähnlichen Form produziert.

M.W. / Was bleibt, ist der Holzkern. Skier, die diesen heute noch besitzen, sind definitiv die besten! 

©Florian Lechner
©Florian Lechner

L.L. / Sie haben sicher viel ausprobiert und verfeinert. Wie sieht denn Ihr Lieblingsmodell aus? Was ist Ihr Masterpiece?

A.V. / Der Freeride Ski, weil ich lieber im Gelände unterwegs bin als auf der Piste. 

M.W. / Ein ganz breiter All Mountain, um im Gelände und auf der Piste zu fahren. Die schönen Abfahrten am Arlberg sind perfekt für dieses Modell. Ein Masterpiece ist hingegen schwierig auszumachen, denn das entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter. 

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Andreas Vondrak | ©Florian Lechner
Andreas Vondrak | ©Florian Lechner

Wordrap mit Manuel Walch und Andreas Vondrak:

Meine liebste Abfahrt in St. Anton: A.V. / Von der Valluga über alle Skiorte zurück nach St. Anton. M.W. / Die Bachseite. 

Gegen kalte Füße hilft: A.V. / Skischuhe trocknen, Fußpuder und gute Skischuhe. M.W. / Ich setze mich dann gerne an den warmen Kamin.  

Das erste Mal auf Skiern stand ich ...M.W. / mit drei Jahren. A.V. / mit fünf.

Schnell oder genussvoll? A.V. / Schnell und dabei genussvoll. M.W./ Schnell. 

Neben dem Skifahren gehört meine Leidenschaft ...A.V. / meiner Tochter, die gerne Ski fährt. M.W. / meiner Familie. 

Manuel Walch ©Florian Lechner
Manuel Walch ©Florian Lechner

Manuel Walch und Andreas Vondrak 

Andreas Vondrak ist gelernter Tischler und Inhaber der Skischule Arlberg Freeridecenter, Manuel Walch war 17 Jahre als Hüttenwirt tätig. Was sie verbindet? Die Leidenschaft zum Skifahren und zum Handwerk. Im Sommer 2018 schlossen sie deshalb ihre Ausbildung zum Skibautechniker ab und bieten nun Skibaukurse für all diejenigen an, die mit Hilfe der Buildski Brothers ihre ganz persönlichen Skier verwirklichen wollen.