Das Inselgefühl am Arlberg

Interview mit Hermann Fercher, Tourismusdirektor in Lech

Man kann ihm nicht entgehen – dem Charme Kampens. Es ist schon fast magisch: Wenn man einmal zu Besuch auf der schönen Nordseeinsel war und den endlosen Strand genossen hat, kommt man wieder. So ging es auch Hermann Fercher, Tourismusdirektor von Lech, und seiner Familie, die seit dem ersten Aufenthalt große Fans des idyllischen Dorfs auf Sylt sind. Im Interview mit La Loupe erklärt der Tourismuschef, warum man sich als Lecher im hohen Norden so wohl fühlt und erinnert sich an seine schönsten Erlebnisse während der 20-jährigen Partnerschaft. 

L.L. / Herr Fercher, aufgrund der Partnerschaft von Lech und Kampen kommen Sie in den Genuss, Sylt des Öfteren zu besuchen. Können Sie sich noch an Ihre erste Reise auf die Insel erinnern? Welche Eindrücke sind geblieben?

H.F. / Ja, sehr gut. Ich kannte Sylt vorher nur vom Hörensagen und mein erster Eindruck war ein Klassiker. Es hat geregnet und gestürmt. Ich war mit meiner Familie unterwegs und unsere damals noch sehr kleine Tochter wurde krank. So pendelten wir im Regen zum Krankenhaus und retour – trotzdem erlebten wir Kampen wegen der herzlichen Gastfreundschaft als sehr positiv. Heute noch bezeichnet meine Tochter den ersten Syltaufenthalt als den coolsten. Ist eben alles eine Frage der Einstellung.

L.L. / Kampen trumpft mit endlosen Sandstränden, exklusiven Partys und einzigartigen Reetdachhäusern auf. Wie sieht bei Ihnen ein perfekter Tag auf der Nordseeinsel aus?

H.F. / Mein perfekter Tag bringt eine Mischung aus Bewegung und genussvollem Essen – im Prinzip ähnlich wie in Lech, nur dass ich in Kampen radfahre, golfe oder am Strand spazieren gehe. Dazwischen kehre ich irgendwo gemütlich ein, bewege mich dann weiter und esse abends in einem der vielen tollen Restaurants, bevor ich vielleicht noch auf einen Absacker in die Whiskymeile hineinstolpere. Ein Strandtag in Kampen ist das Pendant zu einem Skitag in Lech! Was vielen Leuten in Lech gleich bei der Anreise auffällt: die beeindruckende Landschaft und die gute Luft. Diese ersten Eindrücke ähneln jenen von Kampen und bleiben nachhaltig in Erinnerung. 

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L.L. / Bergpanorama versus endloser Meerblick – die naturgegebenen Unterschiede zwischen Lech und Kampen könnten größer nicht sein. Warum sind die beiden Tourismus-Edelsteine trotzdem perfekte Partner?

H.F. / Die saubere Umwelt, die freundlichen Menschen, die Qualität der Unterbringung, die konsequente Architektur – es gibt so viele Gemeinsamkeiten! Und im Grunde genommen ist der Arlberg ja auch eine Insel. Dieses Inselgefühl, rundherum wenig bis gar nichts zu haben, nur Berge oder Wasser, verbindet uns doch. Beide sind eine Art Refugium für „private luxury moments“. Außerdem haben beide Orte mit Sylt beziehungsweise dem Arlberg eine starke Dachmarke und pflegen trotzdem dieses „Kleine, Feine“. 

L.L. / Der dörfliche Ursprung, die Schönheit der Natur und über 100 Jahre Gastgebertradition verbinden die beiden Orte. Was ist dennoch typisch Kampen und was typisch Lech Zürs?

H.F. / Gerade in Zeiten der Globalisierung und Vereinheitlichung sticht die jeweilige Architektur heraus – denken wir an die reetgedeckten Häuschen auf Sylt und an den modernen Walser Stil in Lech Zürs. Typisch friesisch ist für mich der Wind und die salzige Luft. Typisch für Lech Zürs ist natürlich der Schnee, das Skigebiet und die unverwechselbaren Pisten wie Madloch oder Zürser Täli. Verstärkt wird das Ganze durch die Menschen: Der Lecher Skilehrer und der Kampener Strandkorbwärter sind ähnliche Originale.

L.L. / Sie lieben gutes Essen. Haben Sie bereits Labskaus (ein Kartoffelgericht mit gepökeltem Rindfleisch und Roter Beete) oder andere Sylter Delikatessen probiert? Kann die Küche im hohen Norden mit der am Arlberg mithalten?

H.F. / Ich liebe Labskaus mit Kartoffeln und Spiegeleiern! Das liegt wohl auch ein Stück weit daran, dass meine Großmutter mütterlicherseits von der Ostsee stammt und die typischen Gerichte von dort mitgebracht hat. Die Küche von Kampen kann auf jeden Fall mit dem Arlberg mithalten und die Dichte der guten Restaurants ist ähnlich hoch. 

L.L. / Lech und Kampen haben eine gemeinsame Zielgruppe, denn viele Syltfans genießen ihren Winterurlaub am liebsten am Arlberg. Welche Eigenschaften zeichnen die Gäste aus?

H.F. / Wir haben schon seit einiger Zeit einen regen Austausch von Gästen. Da erkennt man die Gemeinsamkeiten sehr stark, beispielsweise die Herkunft: Viele Hamburger fahren sowohl nach Lech Zürs als auch nach Kampen. Aber egal, woher sie kommen, all unsere Gäste haben einen entsprechenden Qualitätsanspruch und sind bereit, für Topqualität und Service auch ein bisschen mehr zu zahlen.

L.L. / Haben Sie das Gefühl, dass seit der Partnerschaft mehr Sylter ihren Winterurlaub in Lech Zürs verbringen?

H.F. / Ja, ganz deutlich. Zum Beispiel beim alljährlichen Golfturnier, dem Pfingstpokal in Kampen: Dabei trifft sich direkt jene Schnittmenge von Leuten, die gerne auf Sylt urlauben und meist im Winter nach Lech Zürs kommen. 

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L.L. / Die beiden Gemeinden stehen an der Spitze der Tourismusdestinationen ihrer jeweiligen Länder. Gibt es trotzdem noch etwas, was die Gemeinden voneinander lernen können?

H.F. / Unbedingt! Auch mit den anderen Sister Resorts haben wir vereinbart, dass wir voneinander lernen müssen – sowohl kulturell als auch die aktuellen touristischen Herausforderungen betreffend. Wir können uns mit allen Partnerorten sehr gut austauschen!

L.L. / Seit 1997 verbindet die kleine Inselgemeinde und das beschauliche Bergdorf eine enge Freundschaft. Wie wichtig sind Partnerschaften in touristischer Hinsicht?

H.F. / Man hat instinktiv darauf geachtet, dass die Partnerorte zu Lech Zürs passen. Alle drei haben in ihren Heimmärkten jeweils ein gutes Standing und sind als hochwertige Destinationen bekannt. Vor allem freut es mich aber, dass wir einen lebendigen Austausch pflegen – man besucht sich gegenseitig, hält Kontakt, man hilft sich, wo man kann. Ich kenne andere Tourismusorte, wo Partnerschaften viel weniger gelebt und wertgeschätzt werden. 

L.L. / Die gemeinsame Werbekampagne „Kennen wir uns nicht aus“ zeigt Wintersportler am Strand von Kampen und Surfer auf verschneiten Pisten des Arlbergs. Haben Sie es schon oft erlebt, dass sich Kampener und Lecher in den verschiedenen Destinationen wiedergetroffen haben?

H.F. / Laufend! Man braucht nur im Winter auf einen Kaffee ins Strolz zu gehen, dann trifft man gleich auf bekannte Gesichter. Oder man erkennt sich in einer Offpiste-Gruppe wieder. Dadurch wird die Kampagne besonders authentisch.

L.L. / Sie stammen eigentlich aus Tirol und wechselten 2010 nach Vorarlberg, wo Sie seitdem die Tourismusorganisation der Gemeinde Lech leiten. Was schätzen Sie ganz besonders an Ihrer Wahlheimat?

H.F. / Die Überschaubarkeit. Ich mag die klare Fokussierung des Geschäftsmodells Lech Zürs auf Qualitätstourismus. Persönlich bin ich gerne mit den Skiern unterwegs und gehe im Sommer golfen, Tennis spielen und mit der Familie wandern – meine liebsten Freizeitaktivitäten kann ich in Lech Zürs also optimal ausleben.

L.L. / Lech Zürs gehört mit 94 Bergbahnen und 340 Kilometer Skiabfahrten zu den renommiertesten Wintersportregionen im Alpenraum. Was sollte man die kommende Wintersaison auf keinen Fall verpassen?

H.F. / Da kann ich spontan einige tolle Veranstaltungen wie die Snow & Safety Conference, den Arlberg Weinberg, das Tanzcafé Arlberg oder das Neujahrsklangfeuerwerk in Zürs nennen, die Highlights abseits der Pisten- und Hotelevents bieten. Ansonsten fällt es mir angesichts der Fülle des Angebots fast schwer, konkret etwas zu empfehlen. Die Gäste selbst haben schon Tipps parat, beispielsweise, dass man unbedingt im Sporthaus Strolz einkaufen oder einmal im Älpele einkehren sollte, aber da gibt es unendlich viele Möglichkeiten. 

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L.L. / Alphornbläser am Strand von Kampen, Weinprobe in Lech und Trachtenkapelle im hohen Norden. Welches Erlebnis ist Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben?

H.F. / Schwierig zu sagen, denn die Vielfalt über die Jahre ist irrsinnig groß. Aber das erste Mal an den Strand zu kommen, seinen Strandkorb zugewiesen bekommen und viele Lecher Gäste dort zu treffen, das war ein bleibender Eindruck – ebenso wie die abendlichen Ausflüge in die Whiskymeile. Weitere Highlights: das erste Golfturnier, weil die Leute so positiv reagiert haben. Der gemeinsame Auftritt mit Kampen in Beaver Creek, weil wir da auf einmal eine eingeschworene Truppe waren. Und der Start des neu gegründeten Skiclub Kampen beim „Weißen Ring – Das Rennen“.

L.L. / Gemeinsam mit dem Tourismusverband Kampen planen Sie viele einzigartige Events. Ist die nächste Reise auf die Nordseeinsel schon geplant?

H.F. / Jetzt kommt zuerst einmal im März Kampen zu uns, unter anderem mit einem Fischkutter auf dem Rüfiplatz. Dann werden wir im Sommer unsere Lech Zürs Alpe nach Kampen bringen und dort eine Woche lang gemütliche Abende zelebrieren. Wir laden alle Freunde dieser Partnerschaft ein, dort Zeit mit uns zu verbringen! 

Wordrap

In Lech Zürs trifft man mich am ehesten bei ... Hagen’s Metzgerei.

Bei Kampen denke ich zuerst an ... Rungholt.

Der Unterschied zwischen Nordlichtern und Alpenglühen? Die Windstärke.

Lech Zürs und Kampen passen zusammen wie ... Lech und Schnee, Kampen und Sand.

Obstler oder Sylter Watt? Definitiv Sylter Watt.

Auf Sylt entspanne ich am liebsten bei ... Strandspaziergängen und einem anschließenden Eierlikör.

Hermann Fercher

Hermann Fercher übernahm 2011 die Tourismusorganisation der Gemeinde Lech. Der erfahrene Touristiker und ehemaliger Swarovski-Manager erhielt im Laufe seiner Karriere zahlreiche Auszeichnungen wie den Tiroler Markenpreis (2000) oder den Bronzenen Löwen in Cannes (2003). Er managte bereits hochkarätige Tourismusorte wie Kitzbühel und Kirchberg in Tirol und arbeitete erfolgreich für die Tirol Werbung. Der Lecher Tourismuschef ist verheiratet und hat zwei Töchter.