„Kampen und Lech – mehr geht nicht.“

Interview mit Stefan Jochum, Standesbeamter in Lech Zürs

„Ja sagen“ – das fällt verliebten Paaren am schönsten Tag des Lebens sowohl vor herrlichem Alpenpanorama in Lech als auch umgeben von Strand und Meeresrauschen in Kampen leicht. „Ja“ sagten aber auch viele Lecher und Kampener zur nun über 20jährigen Freundschaft zwischen den beiden Edelsteinen unter den Tourismusregionen. Einer davon, der Lecher Standesbeamte Stefan Jochum, war von Anfang an am Aufbau der Partnerschaft beteiligt und erinnert sich gemeinsam mit La Loupe an die schönsten Momente.

L.L. / Herr Jochum, Sie führen als Standesbeamter in Lech und Zürs die schönsten Trauungen durch. Hat sich in traumhafter Bergkulisse eigentlich auch schon ein Kampener Paar das Ja-Wort gegeben?

S.J. / Nein, das hat sich bisher leider noch nicht ergeben, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ich bin der festen Überzeugung, dass es irgendwann soweit sein wird.

L.L. / Wo kann man denn am Arlberg ganz besonders schön heiraten?

S.J. / Da gibt es viele Plätze, die sich gut eignen. Es kommt immer darauf an, welche Ansprüche das Brautpaar an den Ort der Trauung hat. Die einen bevorzugen die Natur, die anderen eine Berghütte mit Panoramaterrasse und manche zelebrieren diesen Moment in einem festlich geschmückten Hotelsaal.

Trachtenkapelle Lech mit Pistenraupe am Kampener Strand
Trachtenkapelle Lech mit Pistenraupe am Kampener Strand
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L.L. / Die Partnerschaft von Lech und Kampen feiert ihr 20. Jubiläum. Auch privat haben Sie eine enge Beziehung zur Nordseeinsel. Woher kommt Ihre Leidenschaft zu Sylt?

S.J. / Meist ergibt sich die Leidenschaft zu dieser Insel auf den zweiten Blick und der ist dann bindend fürs Leben. Vielfach stellen sich Sylt-Besucher die Insel als den idealen Ort für Badeferien am Strand vor. Dem ist auch so, jedoch ist es nicht mit „üblichem“ Strandurlaub zu vergleichen. Es weht immer eine frische Brise, die Dünenlandschaft ist einzigartig, das Ortsbild mit den Reetdachhäusern gibt es in dieser Form sonst kaum und die Menschen sind herzlich und stets bemüht, die Wünsche ihrer Gäste unaufdringlich, aber doch bestimmt zu erfüllen. All das zusammen – vor allem aber die vielen engen Freundschaften, die sich in den letzten 20 Jahren entwickelt haben – machen meine heute sehr enge Beziehung zur Insel aus. 

L.L. / Als Vizepräsident des Ski-Club Arlberg und als Mitglied der Trachtenkapelle präsentierten Sie in der Vergangenheit schon oft das beschauliche Bergdorf in Kampen. Welches gemeinsame Event ist Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben?

S.J. / Es gab viele außergewöhnliche Momente, die wir in Kampen erlebt haben. Unvergesslich wird immer die Fahrt der Musikanten in Tracht auf einer Pistenraupe entlang des Strands bleiben. So viele verdutzte Gesichter habe ich noch nie gesehen. Und als wir dann am späten Nachmittag mit der Pistenraupe, an die ein Motorboot angehängt wurde, durch die Whiskymeile gefahren sind, war die Sensation perfekt. Das gab es noch nie und so schnell wird es das auch nicht mehr geben. Eine Aussage ist mir von damals in Erinnerung geblieben, die unsere Partnerschaft kurz und klar beschreibt: „Kampen und Lech – mehr geht nicht.“

Stefan Jochum und Sven Scheppler vor dem Hotel Ahnenhof in Kampen
Stefan Jochum und Sven Scheppler vor dem Hotel Ahnenhof in Kampen

L.L. / Ist die nächste Reise nach Sylt eigentlich schon geplant?

S.J. / Ja natürlich, vom 7. bis 13. August werden wir das 20jährige Jubiläum gebührend in Kampen feiern. Wir stellen im Ortszentrum die Lech Zürs Alpe auf und werden dort eine Woche lang die Gäste begrüßen und bei einer Vorarlberger Brettljause mit heimischem Bier auf das anstoßen, was uns verbindet – und das ist eine ganze Menge.

L.L. / In welchen Aspekten bereichert die 20-jährige Freundschaft die beiden Destinationen? Was konnten die beiden Gemeinden voneinander lernen?

S.J. / Dass wir beide auf einem sehr ähnlichen, – unserer Meinung nach – richtigen Weg sind: dem des Qualitätstourismus. Dabei kommt es nicht immer auf die besten Konzepte und Marketingstrategien an, sondern auf die Menschen, die hinter den Entscheidungen stehen. Ein gemütlicher Abend am Berg in Lech oder auf der Terrasse vom Grande Plage in Kampen kann oft viel mehr an Ideen bringen als eine wissenschaftliche Analyse von Experten. Wir haben viel miteinander geredet und fast alles davon auch umgesetzt. Die Ideen gehen nicht aus – wir sind gespannt, was wir in den nächsten 20 Jahren so alles auf die Beine stellen.

Ski-Club-Arlberg-Jugend in Lech
Ski-Club-Arlberg-Jugend in Lech
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L.L. / Die beiden Tourismus-Edelsteine könnten unterschiedlicher nicht sein: Raue Nordsee und endlose Strände in Kampen, fantastisches Bergpanorama und Wintersporteldorado in Lech. Warum passen die beiden Destinationen trotz aller geographischen Unterschiede trotzdem perfekt zueinander?

S.J. / Im Grunde ticken die Walser und die Friesen ähnlich. Sie sind stolz auf ihre Heimat, geben sich nicht mit dem Durchschnitt zufrieden, sondern wollen den Gästen nur das Beste bieten. Sie stehen hinter dem, was sie tun und sind hervorragende Gastgeber. Nicht zuletzt deshalb sind viele Wintergäste aus Lech und Zürs im Sommer in Kampen anzutreffen. Wenn sie dort dann noch „ihren“ Kellner treffen, der sie im Winter in Lech bedient, dann wird spätestens klar, dass es weit mehr als eine Ortspartnerschaft ist.

L.L. / Herr Jochum, verraten Sie uns zum Abschluss noch Ihren ganz persönlichen Hotspot auf der Insel? Welcher Ort lädt zum Heiraten ein?

S.J. / Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, da es viele schöne Plätze auf der Insel gibt. Da ich schon verheiratet bin, stellt sich nicht die Frage nach dem Ort der Trauung, sondern vielleicht nach einem Ort, um unseren 25. Hochzeitstag zu zelebrieren, der übrigens auch im Jahr 2017 ansteht und so gewissermaßen in unser Jubiläum hineinspielt. Also, wenn ich einen Wunsch dafür hätte, dann würde ich gerne einmal am Strand bei Sonnenuntergang ein gemütliches Abendessen mit einer guten Flasche Wein genießen. Das klingt jetzt zwar sehr kitschig, aber zu besonderen Anlässen sollte man Dinge tun, die nicht alltäglich sind. 

La Loupe Stefan Jochum Lech 1

Wordrap

In den nächsten 20 Jahren Lech und Kampen ... gibt es endlich eine Trauung zwischen einem Lecher und einer Kampenerin.

Mir persönlich zeigt sich die Partnerschaft der beiden Orte durch ... die Freundschaften, die sich dadurch ergeben haben und nunmehr ein Teil meines Lebens sind.

Hochzeit im Sommer oder im Winter? Sowohl als auch.

Drei Gründe, warum man in Lech und Zürs heiraten sollte: Die Natur und ein perfektes Umfeld, vom Brautstrauß bis zum Mitternachtssnack. Die guten Geister, welche alles dafür geben, dass es ein unvergesslicher Tag wird und natürlich der Standesbeamte.

Klassischer Hochzeitswalzer oder lieber „Can´t help falling in love“? Der Donauwalzer in voller Länge (neun Minuten) – getanzt.

Das haben Kampener und Lecher gemeinsam: Heimatverbundenheit, Zielstrebigkeit, Gastfreundschaft.

Und das unterscheidet sie: Der Dialekt, das Meer und die Berge.

Stefan Jochum

Stefan Jochum ist Standesbeamter der Gemeinde Lech und rechte Hand des Bürgermeisters Ludwig Muxel. Er ist nicht nur Mitglied der Trachtenkapelle Lech und als Vizepräsident des Ski-Club Arlberg tätig, sondern auch maßgeblich für die enge Partnerschaft zwischen Lech und Kampen verantwortlich.