Sylter Gastlichkeit, seit 1936

La Loupe im Interview mit Sven Scheppler, Geschäftsführer des Hotel Ahnenhof

Der Ahnenhof ist nicht nur ein idyllisches Kleinod in der Sylter Hotellerie, sondern auch ein Haus mit langer Geschichte. In den individuell gestalteten Zimmern ist die gelebte Tradition der Familie Scheppler spürbar, die mit viel Feingefühl und Hingabe ein Haus schuf, das viele Gäste zum Wiederkommen verführt. Sven Scheppler übernahm das gemütliche Drei-Sterne-Superior-Haus in vierter Generation und spricht im La-Loupe-Interview über die Gemeinsamkeiten von Lech und Kampen, den Luxus von endlos langem Strand und seine Leidenschaft zum Skifahren.

L.L. / Herr Scheppler, so schön der Sommer auf Sylt ist, im Winter zieht es Sie häufig nach Lech. Was verbindet Ihrer Meinung nach die beiden Top-Destinationen?

S.S. / Die Natur, das Ortsbild, die Gäste – das ist nämlich der gleiche Schlag Menschen! Ich habe mich schockverliebt, als ich zum ersten Mal in Lech war und morgens aus dem Fenster im Berghof auf den schneebedeckten Rüfikopf blickte. Die hochwertige Gastronomie und Hotellerie und das einmalige Naturerlebnis faszinieren mich an beiden Orten – so wie viele andere Gäste.

L.L. / Sowohl in Kampen als auch in Lech sind die allermeisten Betriebe von den Eigentümern selbst geführt. Macht das auch den Charme aus?

S.S. / Ja, bestimmt. Hier sagt man zum Beispiel: „Ich gehe zum XY“, also zu einer Person und nicht in irgendeine Bar oder in ein Restaurant. Ob Einheimische oder Gäste, im Ort kennen sich bald alle und man begrüßt einander herzlich. Viele Stammgäste organisieren sich und verbringen gleichzeitig ihren Urlaub in Kampen. Da werden manchmal richtige Strandpartys gefeiert und einfach eine schöne Zeit miteinander genossen. Oft lernen sich auch Gäste bei mir im Hotel kennen und so ergeben sich wieder neue Freundschaften. 

Sven Scheppler
Sven Scheppler
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L.L. / Sie stammen aus Kampen und kennen die Gegend wie Ihre eigene Westentasche. Ihr Tipp für jemandem, der Lech schon kennt und zum ersten Mal nach Kampen kommt?

S.S. / Die Natur genießen und am Strand spazieren gehen. Wer im Sommer kommt, soll sich überwinden und bei leichtem Wellengang im Meer baden gehen. Das ist herrlich! Die Durchblutung und das Glücksgefühl hinterher sind unschlagbar. Selbst mir als erfahrenen Insulaner tut das immer noch gut, wenn ich den Kopf mal wieder freikriegen muss. Sylt ist übrigens zu jeder Jahreszeit schön, denn am Strand kann man immer laufen. Selbst bei starkem Regen gilt: einfach warm einpacken und hinterher ab in die Sauna!

L.L. / Das alles klingt, als würden sich Lech und Kampen noch nach „heiler Welt“ anfühlen?

S.S. / Ja, die entspannte Sicherheit in Kampen ist für viele Gäste ein starkes Argument. Hier kann man das Gleiche erleben wie zum Beispiel an der Côte d’Azur, aber mit viel weniger Trubel. Für unseren schönen, sauberen Strand wurden wir bereits mehrfach ausgezeichnet, und auch die Strandkörbe stehen nur an den beiden Hotspots Sturmhaube und Buhne 16 ein wenig dichter. Ansonsten ist die Weite am Strand fantastisch und echt selten. Wo sonst kann man stundenlang komplett ungestört den Strand entlanglaufen?

L.L. / Und Sie haben das Glück, hier zu arbeiten! Wie würden Sie eigentlich Ihr Hotel beschreiben?

S.S. / Der Ahnenhof ist ein kleines Familienhotel mit drei Sternen Superior und vielen weiteren Pluspunkten, zum Beispiel der Lage mit freiem Blick aufs Meer, dem großzügigen Garten und den individuellen, bis ins Detail durchdachten Zimmern. Keines gleicht dem anderen und jedes hat seine eigenen Stammgäste! Eine weitere Besonderheit ist das gemütliche Frühstück bis 12 Uhr, gerne auch später. Diese Freiheit finde ich wichtig, denn die Leute sind ja im Urlaub! Ich möchte meinen Gästen einfach ein Rundum-Wohlfühlpaket bieten – und bin mir durchaus bewusst, dass es etwas Besonderes ist, so ein Haus führen zu dürfen.

La Loupe Ahnenhof Kampen 1

L.L. / Der Name Ahnenhof deutet auf eine lange Familiengeschichte hin. Erzählen Sie uns ein bisschen davon?

S.S. / Das Familienunternehmen ist 1879 von meinem Urgroßvater mit einer Lederwarenmanufaktur in Hamburg begründet worden. Meine Großtante ist dann 1904 im Alter von 14 Jahren ins Geschäft eingestiegen, hat Bademode ins Sortiment aufgenommen und später mit ihrem Mann auf Sylt Läden betrieben. Im Vor-Vorgänger-Haus, gegenüber vom heutigen Ahnenhof, haben die beiden ab 1933 einen Laden gemietet, dann das Grundstück hier gekauft und gebaut. Die Zimmervermietung ist dann immer stärker in den Vordergrund getreten, 1987 hat mein Vater das Haus geerbt und mit meiner Mutter zusammen alles komplett entkernt und renoviert. Ich habe danach auch noch mal alles neu gemacht, frei nach Goethes Faust: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“, – was ein Grundsatz meiner Großtante war. Inzwischen bin ich so weit, dass ich sage: Ja, das ist auch meins! Und das immer verbunden mit großer Dankbarkeit gegenüber den Vorfahren.

Die ältesten Stammgäste kamen schon in den 1960er-Jahren. Sie waren als junge Menschen schon hier bei meiner Großtante und kommen immer noch gelegentlich. Und einige Gäste kommen nach wie vor jedes Jahr seit dem ersten großen Umbau 1988/89.

L.L. / Wenn Gäste Ihren Hotelgarten betreten, fällt ihnen sofort eine Besonderheit ins Auge: ein Lecher Sessellift. Wie kam dieser in Ihren Garten?

S.S. / Begonnen hat alles damit, dass immer mehr Strandkörbe von Kampen nach Lech gingen. Da sagte ich als begeisterter Lech-Fan: Ich will hier auch irgendetwas von euch haben! So entstand die Idee, einen Liftsessel in den Garten zu stellen, auf dem die Gäste beispielsweise nach dem Saunagang sitzen und aufs Meer blicken können. Nach zwei Jahren Wartezeit war endlich ein alter Liftsessel verfügbar. Jetzt erlebt man hier endlich dasselbe Gefühl wie morgens am Schlosskopf, wenn man sich in den schwankenden Sessel setzt und losfährt ...

Der Liftsessel wurde dann natürlich auch mit einem kleinen Festakt eingeweiht, bei dem ich trotz großer Hitze die komplette Skibekleidung getragen habe. Daraus wurde sozusagen meine „inoffizielle“ Aufnahme in den Lecher Skiclub.

La Loupe Ahnenhof Kampen 6
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L.L. / Sie sind also selbst Skifahrer?

S.S. / Ja, klar. Ich bin vor ca. 27 Jahren schon mal auf Skiern gestanden, ging dann aber lange Zeit lieber tauchen. Erst durch die Partnerschaft mit Lech bin ich wieder auf die Piste gekommen und fand das sofort genial! Mittlerweile bin ich schon dreimal den Weißen Ring mitgefahren und war jeden Winter mehrmals in Lech, sowohl offiziell als Gemeindevertreter als auch privat mit Familie und Freunden. Da brauche ich nicht lange nachzudenken: Zum Skifahren gehe ich nach Lech und nirgendwo anders hin! Hier fühle ich mich wohl, hier ist es schön und hier kenne mich aus. Lech ist meine zweite Heimat geworden.

Wordrap

Kampen ist für mich ... Heimat.

Meine Lieblingsabfahrt in Lech: Zürser Täli morgens um 11 Uhr.

Mein Lieblingsgericht auf Sylt: Ein schönes Stück Fleisch im Restaurant Kamp‘ner Pesel.

Bei diesem Wetter gehe ich nicht mehr vor die Tür ... So ein Wetter gibt es nicht! Wenn ich Lust dazu habe, gehe ich auch bei Sturm und Orkan raus.

Wenn ich privat im Urlaub bin, ist mir folgendes wichtig: Eine schöne Umgebung, ein schöner Ausblick vom Quartier, gutes Essen und Aktivitäten.

Das darf in keinem meiner Zimmer fehlen: Wohlfühlatmosphäre.

Sven Scheppler

Sven Scheppler, ausgebildeter Hotel-Betriebswirt, sammelte seine Erfahrungen bei bekannten Häusern, darunter zählen der Bayerische Hof in München und das Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg. Seit 1993 führt er das traditionsreiche Familienhotel Ahnenhof, dessen Wurzeln auf eine 1879 gegründete Hamburger Handschuhfabrik zurückgehen. Sven Schepplers Großtante Albertine Zapf, die Tochter des Manufakturbesitzers, zieht es in den 1930er-Jahren nach Sylt, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann nicht nur eine Verkaufsfiliale eröffnete, sondern das beliebte Gästehaus Zapf errichtete. Aus dieser Pension entstand nach einigen Renovierungs- und Umbauarbeiten der Ahnenhof, der 2016 sein 80. Jubliäum feierte. 

Hotel Ahnenhof Galerie