The Legend lives on

Interview mit Oskar und Philipp Schnitzer vom Pony Club Kampen

„Die Perle in der Auster“, so nannte der Industriellenerbe und Fotograf Gunter Sachs einst das Pony in Kampen. Der legendäre Nachtclub auf Sylt ist bei Stars und Sternchen auch heute noch ebenso beliebt wie bei den Einheimischen und Gästen der Insel. Mit einer fulminanten Party beging das Pony in diesem Sommer seinen 55. Geburtstag und darf mit Stolz den Titel „ältester Club Deutschlands“ tragen. Besitzer Oskar Schnitzer und sein Sohn Philipp, Chef der Außenbar, lassen gemeinsam mit La Loupe die Zeit noch einmal Revue passieren und verraten auch, wie gut die Zusammenarbeit als Vater-Sohn-Gespann funktioniert.

Oskar Schnitzer
Oskar Schnitzer

L.L. / Oskar, Sie kommen ursprünglich aus Südtirol, lieben die Natur und die Ruhe. Als Kind wollten Sie Förster werden. Wie kommt es, dass ein ehemaliger Bauernjunge heute die verrücktesten Partys auf Sylt veranstaltet?

O.S. / Ich bin mit 16 der Liebe wegen nach Düsseldorf gezogen und habe dort eine Lehre gemacht. Später habe ich im alten Sam’s Club von Charly Büchter gearbeitet. Ich wurde dann dort 1979 zu einem Geburtstag nach Westerland eingeladen. So habe ich Sylt entdeckt. Nach dem Abschluss meiner Lehre habe ich dann ein Jahr auf der Insel gearbeitet und bin hier vor allem wegen des Geldes hängen geblieben. Im Sommer habe ich so viel verdient, wie in Düsseldorf in einem ganzen Jahr. Wenn ich ehrlich bin, hat mir Sylt am Anfang überhaupt nicht gefallen. Ich lernte dann Rolf Seiche kennen, der mich nach Kampen brachte und für den ich 1981 im Village als Barkeeper anfing. Als das Village verkauft wurde, arbeitete ich eine Zeit lang in Hamburg. Rolf Seiche brachte mich jedoch wieder auf die Insel, als er mir einen Job als Barchef im Gogärtchen anbot. Dort arbeitete ich sechs Jahre.

L.L. / Warum konnten Sie sich anfangs nicht mit Sylt anfreunden?

O.S. / Ich komme ursprünglich aus den Bergen, dann landete ich in Sylt auf einem Sandhügel und dachte, ich bin auf dem Mond. Nur Schafe und Dünen. 

L.L. / Fast 1.000 Kilometer trennen Ihre Heimat von Sylt. Vermissen Sie Südtirol manchmal?

O.S. / Ja, manchmal plagt mich das Heimweh. Ich träume davon, im Sommer zwei Wochen mit dem Motorrad in die Berge zu fahren. Diese Möglichkeit hatte ich schon lange nicht mehr – genauer gesagt, seit 30 Jahren nicht mehr. Im Winter bin ich oft in Südtirol, aufgrund der Arbeit kann ich im Sommer jedoch nicht in die Heimat fahren. Je älter ich werde, umso mehr zieht es mich zurück nach Südtirol.

L.L. / Seit Jahren leben Sie nun schon auf der Nordseeinsel. Haben Sie das Gefühl, Kampen entwickelt sich weiter?

O.S. / Dieses Jahr hat sich in Kampen viel getan. Man hat das Gefühl, das Dorf ist wach geworden. Das Jazzfestival war gigantisch. Von daher bin ich sehr guter Dinge. Die Gemeinde ist sehr engagiert und es kommen sehr viele junge Menschen nach Sylt. Die Gastronomie ist top, wir haben einen super Strand und Kampen ist das schönste Dorf auf Sylt. Sylt ist erst durch Kampen bekannt geworden. 

La Loupe Pony Interview Kampen 3
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L.L. / Im August feierte das Pony als ältester Nachtclub Deutschlands seinen 55. Geburtstag. Sie veranstalteten eine riesige Party und eine Gala. Erzählen Sie uns davon!

O.S. / Anfangs war ich wirklich hin- und hergerissen, ob ich überhaupt feiern sollte. Ohne Unterstützung wäre dieses Event mit 700 Leuten auch nicht möglich gewesen. Es waren wirklich gute Leute da. Uwe Schröder, Gebi Götsch und andere Urgesteine und Gäste erster Stunde kamen extra nach Sylt. Ein paar Prominente schauten ebenfalls vorbei, das hat mich natürlich sehr gefreut. Die Gäste waren bunt durchgemischt, die Stimmung super und das Zelt toll dekoriert. An diesem Abend hat einfach alles geklappt. Ich habe in erster Linie Menschen eingeladen, die mich die letzten 25 Jahre unterstützt haben. So waren viele gute Bekannte und Kollegen unter den Gästen. Das Wetter war super, es hat wirklich alles gepasst. Alle Zeitungen haben positiv über das Event berichtet. Das war besonders für die Nachhaltigkeit des Ladens wichtig, denn nur mit zufriedenen Gästen hat das Pony eine Zukunft.

L.L. / Was macht den Charme eines kleinen Clubs wie dem Pony aus?

O.S. / Das Pony ist langsam gewachsen und hat ein nationales Publikum. Die Gäste kommen vor allem, um den Wirt zu sehen, den man in kleinen Clubs noch persönlich kennt. Das Team und ich sind für die Gäste da und das wird sehr geschätzt. Wir sind ein Dienstleister und kein Hobbybetrieb. Der Gast muss das Gefühl haben, dass wir uns um ihn kümmern – und nicht anders herum. 

L.L. / Früher gingen im Pony die Stars ein und aus und noch immer hat der Club eine große Fangemeinde. Wie führt man heutzutage einen erfolgreichen Club und was versuchen Sie Ihrem Sohn Philipp mitzugeben?

O.S. / Man braucht auf jeden Fall ein dickes Fell. In der Szene gönnt man einander nichts. Das Pony zu führen ist harte Arbeit, deswegen muss man auch wirklich dahinterstehen. In den ersten 16 Jahren war ich im Pony der Erste, der gekommen ist und der Letzte, der gegangen ist. Deshalb ist es wichtig, sich mit dem Laden zu identifizieren und sich ständig zu bemühen – das muss man auch seinen Angestellten beweisen. Von alleine läuft nichts. Die Gäste erwarten es, dich im Club zu sehen. Desto kleiner das Dorf, umso mehr schauen dir die Menschen auf die Finger. Man braucht eine gewisse Geradlinigkeit, die aber am Ende belohnt wird. Wenn mein Sohn Philipp das Pony übernehmen möchte, werde ich ihn sicher unterstützen. Er hat großes Potenzial, denn er ist hier aufgewachsen und hat deshalb ein riesiges Netzwerk. Diese Voraussetzungen hatte ich nie. 

Philipp und Oskar Schnitzer
Philipp und Oskar Schnitzer

L.L. / Sie haben in den vergangen 24 Jahren viele Höhen und Tiefen erlebt. Welche Erlebnisse haben Sie ganz besonders geprägt?

O.S. / Das schlimmste Erlebnis war vor fünf oder sechs Jahren, als mein Laden wegen Ruhestörung zeitweise schließen musste. In dieser Zeit überlegte ich mir wirklich, ob ich aufhören sollte. Es gab aber auch viele schöne Erlebnisse, so wie das diesjährige Jubiläum oder den 40. Geburtstag des Pony. vor 15 Jahren. Ich werde nie vergessen, als damals Gunter Sachs vorbeikam. Er hat mir wirklich imponiert. Früher war er oft hier, denn er war mit Gebi Götsch befreundet. Vor zehn Jahren hat er mich gerettet, weil ich der Presse versprochen hatte, dass zahlreiche Promis zum Event erscheinen werden. Und keiner kam – bis der Sachs plötzlich vor der Tür stand. 

L.L. / Heute übernimmt Ihr Sohn Philipp immer mehr Aufgaben im Pony. Wie leicht fällt es Ihnen, das Zepter aus der Hand zu geben?

O.S. / Es fällt mir überhaupt nicht schwer! Im Gegenteil!

P.S. / Richtig loslassen kann er aber nicht, glaube ich.

O.S. / Das stimmt nicht. Ich habe nur etwas Angst, dass Philipp zu naiv ist. Er ist ja erst 25 Jahre. Ich habe keine Zweifel an seinem Können, sondern bin nur der Ansicht, dass er die Erfahrung noch nicht hat. Ich wäre in seinem Alter noch nicht für eine solche Aufgabe bereit gewesen.

L.L. / Philipp, Sie waren im East Hotel Hamburg tätig und besuchten die Barschule in München. Dort wurden Ihnen sicher wichtige Grundlagen der Gastronomie beigebracht. Gibt es aber etwas, was nur Ihr Vater Ihnen beibringen konnte?

P.S. / Ganz ehrlich, die Ordentlichkeit. Kleinigkeiten, wie dass die Ausgießer alle in eine Richtung schauen, das habe ich von Papa gelernt. Die Besonderheit des Pony ist, dass nicht nur ein Nachtclub bewirtschaftet wird, sondern ein ganzes Grundstück. Deshalb muss man wirklich auf alles achten.

O.S. / Von der Straße aus muss es schon anständig aussehen.

L.L. / Zwei Generationen in einem Club. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn?

P.S. / Super! Mein Bereich ist die Außenbar. Papa macht alles andere. Geschäft ist Geschäft und Privates privat.

O.S. / Ich behandle ihn wie jeden anderen. Wenn etwas nicht passt, sage ich ihm das auch. Natürlich hat man mal schlechte Laune. Das ist aber nichts Tiefgründiges. Jeder hat mal Phasen.

P.S. / Ich weiß auch damit umzugehen.

O.S. / Wenn im Winter die Außenbar zumacht, ist er innen der Boss. Jetzt sind wir auf der Suche nach einem guten Typen, der draußen den Barchef macht und Philipp übernimmt dann das restliche Pony. Ich helfe dann den Jungs im Juli und August und gehe um zehn ins Bett. (lacht)

Pony Kampen
Pony Kampen

L.L. / Philipp, momentan leiten Sie die Außenbar des Pony, werden aber eventuell in den nächsten Jahren in die Fußstapfen Ihres Vaters treten. Haben Sie schon Pläne, wie Sie in Zukunft das Pony führen würden?

P.S. / Ideen habe ich ohne Ende, man kann aber natürlich nicht alle umsetzen. Vor allem muss man sich auch überlegen, was in den Räumlichkeiten machbar ist. Hier muss man realistisch bleiben: Das Pony ist eine alte Bude. Daher ist es wichtig, sich lange Gedanken zu machen und es müssen auf jeden Fall vier Monate für einen Umbau eingeplant werden. Ich würde das Pony klassisch lassen und den Kamin behalten, gerade der ist das Highlight im Laden. Den gibt es nirgendwo sonst und er ist verantwortlich für die Wohnzimmeratmosphäre im Pony.

O.S. / Man muss die Zukunft auch langfristig planen. Erst dann kann man auf die Bank gehen und einen Kredit beantragen. Blauäugig braucht man an die Sache nicht herangehen. Details müssen auch immer mit dem Eigentümer geklärt werden.

P.S. / Das Pony ist sehr wichtig für das Dorf und die Infrastruktur. Sonst kann man irgendwann nur noch in eine Bar gehen. Das Wetter ist sehr unbeständig auf Sylt und deshalb freuen wir uns über jeden Gast und zeigen ihm das auch.

L.L. / Oskar, Sie besuchten Lech Zürs bereits öfter. Was verbindet Sie mit dem Ort am Arlberg?

O.S. / Uns verbindet viel. Es waren immer viele Österreicher in Kampen und die meisten kamen aus der Arlberg-Region. Also fuhr ich im Winter mal runter, um mir die Gegend anzuschauen. Dort stellte ich fest: Die Lecher sind wirklich gute Typen.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass Lech Zürs und Kampen Partnergemeinden sind und die Hotellerie deshalb in den jeweiligen Saisonen viele Mitarbeiter austauscht. Die Österreicher haben die beste Ausbildung in der Gastronomie, haben Schmäh und können verkaufen. Davon haben wir hier im Norden sehr profitiert. Leider gibt es heutzutage kaum noch Nachwuchs. Mich betrifft das weniger, denn ich brauche keine Köche, Oberkellner und Sommeliers. Wer im Pony arbeitet, muss lustig sein, verkaufen können und Stil haben.

L.L. / Sind Ihnen bei Ihren Aufenthalten Unterschiede zwischen den Clubs in Lech Zürs und Kampen aufgefallen?

O.S. / Was in den Skiorten das Nachtleben kaputt macht, ist Après-Ski. Die Urlauber fahren Ski, gehen feiern und fallen um elf ins Bett, weil sie am nächsten Tag wieder Skifahren wollen. Man fährt nicht nach Lech Zürs, um fünf Tage feiern zu gehen, sondern verbringt hier in erster Linie seinen Skiurlaub. Skipass und Skilehrer kosten viel Geld, deshalb wollen die Urlauber diese Möglichkeiten auch voll ausnutzen. Früher gab es viele angesagte Clubs, heute nur noch einen, in dem was los ist. 

Oskar und Philipp Schnitzer
Oskar und Philipp Schnitzer
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L.L. / Was denken Sie Oskar, wie lange wird man Sie noch im Pony antreffen?

O.S. / Schon noch ein bisschen, ich habe ja noch zwei kleine Kinder zu ernähren. Außerdem möchte ich noch arbeiten und bin fit wie ein Turnschuh. Ich werde mit Sicherheit noch drei bis vier Jahre das Pony leiten. Auch in Zukunft werde ich sicher im Juli und August auf Sylt sein, denn das ist die schönste Zeit auf der Insel. Falls mein Sohn den Laden eines Tages übernimmt, mache ich in diesen beiden Monaten den Hausmeister und gehe um zehn Uhr abends beim ersten Gast nachhause – oder trinke einen mit ihm, wenn er ein cooler Typ ist. Morgens komme ich dann wieder und räume den Laden auf. 

L.L. / Kilometerlanger Sandstrand, eine leichte Brise und erfrischendes Nass. Fehlt eurer Meinung nach in Kampen ein Beachclub?

O.S. / Das wäre herrlich, aber er muss am Strand sein.

P. S. / Er bräuchte aufjedenfall eine ordentliche Überdachung, ein Segel bringt auf Sylt nichts. Der Beachclub würde sicherlich auch viele junge Menschen nach Sylt ziehen.

O.S. / Ich würde es begrüßen! 

Wordrap

Lieber Partygast oder Veranstalter? 

O.S. und P.S. / Veranstalter.

Zu dieser Musik feiere ich am liebsten: 

P.S. / Alles, kommt auf die Stimmung an.

O.S. / Das ist nicht von der Musik abhängig.

Gegen den Kater am nächsten Tag hilft ... 

P.S. / in die Nordsee zu springen.

Von Großraumdiskos halte ich ... 

O.S. / auf Sylt nichts, aufs Ibiza liebe ich es.

Dieser Drink darf auf keiner Party fehlen: 

O.S. / Hendricks Gin.

Wilder Tänzer oder am Rand stehender Kopfnicken? 

O.S. und P.S. / Wilde Tänzer.

Das konnte ich von meinem Sohn lernen: 

O.S. / Mit dem Fahrrad auf dem Tisch zu stehen.

Das konnte ich von meinem Vater lernen: 

P.S. / Ordentlichkeit.

Beschreiben Sie sich gegenseitig mit drei Worten: 

O.S. / Guter Junge. 

P.S. / Herz am richtigen Fleck, verrückt, wahnsinnig.

Lech Zürs ist für mich: 

O.S. / Das schönste Bergdorf der Alpen.

Kampen ist für mich: 

O.S. / Das schönste Seedorf Deutschlands.

P.S. / Mein Zuhause. 

Philipp und Oskar Schnitzer
Philipp und Oskar Schnitzer

Oskar und Philipp Schnitzer

1995 übernahm der Südtiroler Oskar Schnitzer den Pony Club Kampen, der 1961 von einem Münchner Gastronomen gegründet wurde. Schon damals tummelte sich die deutsche und österreichische Prominenz in den Räumlichkeiten, darunter Sachs, Flick und Lindenberg. Mit Leidenschaft, einzigartigen Ideen und familiärem Charme führte Oskar den Club 2016 ins 55. Jahr. In Kampen ist der Eigentümer bekannt für seine verrückten Ideen und seine ehrliche und direkte Art. Unterstützt wird Oskar von seinem Sohn Philipp, der die Außenbar des Pony führt und seine Erfahrungen in München und Hamburg sammelte.