Modern Mozart

Ein Gespräch mit Martina Toifl und Pia Clodi

©theresapewal

Wenn eine Hotel- und eine Design-Lady, beide mit Liebe zu Kunst und Fotografie, gemeinsame Sache machen, kann nur etwas Besonderes dabei herauskommen. Im neuen Boutiqehotel The Mozart im Andräviertel verschmilzt die Epoche der Klassik charmant und stilsicher mit dem 21. Jahrhundert zu einem Wohlfühl- und Inspirationsreich. Hoteldirektorin Martina Toifl und Designerin Pia Clodi geben im La Loupe-Interview Einblicke in ihr neuestes Projekt, ihren Zugang zu Mozart und die Dramaturgie hinter den 32 Zimmern.

L.L.

Frau Toifl, aus welchen Beweggründen entstand das Hotel The Mozart?

M.T.

Der für die Franz-Josef-Straße charakteristische Altbau, in dem sich das The Mozart befindet, stammt aus der Zeit der Jahrhundertwende und wurde seit den 1950er-Jahren als Hotel Mozart geführt. Es war in Familienbesitz und die Eigentümerfamilie hat beschlossen, das Haus zu verkaufen. Glück für uns! Wir haben den laufenden Betrieb Anfang 2018 übernommen und uns war gleich klar, dass dieses Haus viel Potenzial hat; nun, nach einer viermonatigen Renovierungsphase, erstrahlt es im neuen Glanz. So viel wir aber auch neu gemacht haben – vom französischen Vollholzboden bis zur Stuckdecke – so selbstverständlich haben auch antike Stücke ihren neuen Platz im Haus gefunden.

©HeymCollections2019
©HeymCollections2019
©HeymCollections2019
©HeymCollections2019
L.L.

Inwiefern spielen die Stadt Salzburg, der Gast und das Design zusammen? Was darf man erwarten?

P.C.

Martina und ich haben als Design-Duo beim Projekt „Townhouse Nora“ der von Martina gegründeten Heym Collections erstmals zusammengearbeitet.

M.T.

Meine Liebe zum Design und Einrichten hat in Pia eine gute Ergänzung gefunden. Für das Townhouse haben wir vor drei Jahren gemeinsam die Einrichtung, Ausstattung und Wände als Gesamtkonzept geplant und umgesetzt. Ich wollte die Stadt ins Townhouse holen und Pia hat dafür die „Salzburg Edition“ entworfen. Die Bilder an den Wänden erzählen die Geschichte der Stadt, die man draußen entdecken kann. Das kommt irrsinnig gut an. Die Gäste finden die Fotografien auch in unserem Cityguide und auf Postkarten, und nehmen so ihr Stück Kunst aus Salzburg mit nach Hause.

©HeymCollections2019
©HeymCollections2019
©HeymCollections2019
©HeymCollections2019
©HeymCollections2019
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L.L.

Welche Designphilosophie verfolgen Sie mit The Mozart? Retro, zeitgenössisch, modern?

P.C.

Unseren Stil beschreiben viele als persönlich, britisch inspiriert und charakterstark, wobei das Haus und seine Geschichte für uns die Richtung vorgeben hat. Im The Mozart sind die stilbildenden Elemente antike Möbel, erstklassige Stoffe und stimmige Farben. So kommt auch unser Motto „A modern classic“ zustande.

M.T.

Die Lower Bar, das Herzstück unseres Frühstücksbuffets, ist zum Beispiel ein alter Apothekerschrank. Man soll sich hier geborgen fühlen, gleichzeitig darf es etwas spezieller sein als zuhause. Und man kann auch die Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts genießen: Klimaanlage, Smart-TV und großartige Boxspringbetten.

L.L.

Was verstehen Sie unter einem Boutiquehotel? Was braucht ein Boutiquehotel? Was macht es aus?

M.T.

Wir verstehen uns als ein individuelles Stück Salzburg und möchten uns auf das Wesentliche des Gastgebens konzentrieren: einen herzlichen Empfang und persönlichen Umgang mit unseren Gästen. Zugleich spürt man in der Einrichtung des Hauses unsere Liebe zu Details, zur Kunst und zu Mozart.

P.C.

Boutique heißt für uns charaktervoll. In diesem Sinne haben wir mit verschiedenen Künstlern zum Thema Mozart gearbeitet – von Zeichnungen bis hin zu einem musikalisch inspirierten Spiegel. Für uns ergibt sich durch die Kunst ein anderer Blick auf die Dinge. Fotografie durfte dabei natürlich auch nicht fehlen. Für die besondere Atmosphäre in den 32 Zimmern sorgen Bilder, die als Gesamtkunstwerk eine dramaturgische Geschichte ergeben. Diese erzählen wir in unserem Buch „Mozart – kissed by the Muse“. Kommt man als Gast wieder, entdeckt man wahrscheinlich jeweils einen anderen Teil der Story.

M.T.:

Man muss einfach in allen Zimmern gewesen sein, um alles gesehen zu haben (lacht).

Martina Toifl
Martina Toifl
©HeymCollections2019
©HeymCollections2019
©HeymCollections2019
©HeymCollections2019
L.L.

Stadthotel bedeutet ein reges Kommen und Gehen. Wie wahren Sie Ihren persönlichen Stil?

M.T.

Die Zimmer haben ein klassisches Design, aber durch die Verbindung mit den Jugendstilelementen oder mit den Thonet-Stühlen ist sofort der Konnex zu Österreich da. Das Heimische, Regionale ist uns sehr wichtig – auch bei der Kulinarik. Unser Frühstück besteht großteils aus regionalen Produkten, zum Beispiel bieten wir täglich frische Smoothies und Müslis an.

©HeymCollections2019
L.L.

Welche Rolle spielt Mozart als Person?

P.C.

Mozart hat einmal gesagt: Die Musik kommt nicht aus den Noten, sondern aus der Stille dazwischen. Das ist ein sehr starkes Bild und war mein Ausgangspunkt für das Kunstprojekt „Mozart – kissed by the Muse“. In dieser fotografischen Einfühlung für 32 Zimmer, Bar und Bistro geht es um den künstlerischen Schaffensprozess. Dieser ist ein spielerischer. Nachdem mich persönlich die Figur der Muse seit einigen Jahren sehr beschäftigt hat, spielt sie eine wesentliche Rolle. Das Zwiegespräch des Künstlers mit seiner Muse steht sinnbildlich für die Dialektik, die in Mozarts Kompositionen überall zu finden ist.

Pia Clodi
Pia Clodi
©HeymCollections2019
©HeymCollections2019
L.L.

Was soll der Gast „mitnehmen“?

M.T.

„Wir wollen mit The Mozart einen Ort anbieten, wo man sich aufgehoben und wohl fühlt, aber auch inspiriert wird – nicht nur Hotelgäste aus aller Welt, sondern auch die Salzburger, die in Bar und Bistro unseres Hauses herzlich willkommen sind.

P.C.

Ein Platz für lebendigen Austausch und Begegnung – bei einem guten Glas Wein (lacht)

©HeymCollections2019
©HeymCollections2019

Wordrap mit Pia Clodi & Martina Toifl

Lieblings-Möbelstück im Hotel?

Die Lower Bar – der Apothekerschrank.

... Oberfläche schafft Geborgenheit?

Oberfläche muss echt sein. Von Nachahmungen umgeben, fühlt man sich nicht geborgen.

Zimmer #... sollte man vorreservieren?

Die Suite. Und Zimmer 103.

Salzburg, Mozart und ...

... eine Entdeckungsreise.

Das mache ich als Erstes, wenn ich nach Hause komme …

… die Fenster auf.