Bis zum letzten Schliff

Interview mit Möbeldesigner Stefan Knopp

©Stefan Knopp

„Das Design liegt in der Natur der Sache. Ich mache nur sichtbar, was auch da ist“, macht Stefan Knopp deutlich. Seine außergewöhnlichen Tische, die meist aus nur einem Stück Holz gefertigt werden, sind nicht nur der Mittelpunkt in vielen Privathaushalten, auch Unternehmen und Galerien in den USA setzen auf die besonderen Stücke aus Obertrum am See. Im Interview erklärt Knopp, warum jedes Astloch eine Geschichte erzählt, wie er mit der Technik des Köhlens eine einzigartige Optik schafft und warum der Wunsch wieder zurück zum Ursprung geht.

L.L. / Sie kommen eigentlich aus der Wirtschaft und arbeiteten in einem großen Konzern. Heute fertigen Sie exklusive Tische aus Holz. Wie kam es dazu?

S.K. / Die Wirtschaftskarriere war von kurzer Dauer. Ich wollte eigentlich schon immer etwas Künstlerisches machen, das wurde mir aber als Jugendlicher ausgeredet. Deshalb war ich dann als Trainee in einem deutschen Konzern tätig, habe aber schnell gemerkt, dass es nicht das Richtige für mich war. Meine Systemkompatibilität ist nicht für einen großen Konzern geeignet (lacht).

Ich habe dann als Hilfsarbeiter in einer klassischen Wiener Tischlerei im Souterrain angefangen, die lediglich Spanplatten verwendet hat. Danach habe ich in einem Jahr meine Schreinerausbildung in der Steiermark absolviert, meine Gesellen- und Meisterprüfung abgeschlossen und mich gleich selbstständig gemacht – damals war ich 25 Jahre alt.

©Stefan Knopp
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L.L. / Jeder Ihrer Tische ist einzigartig und erzählt eine eigene Geschichte. Was fasziniert Sie an den individuellen Hölzern?

S.K. / Ich habe damals als freies Gesellenstück einen Schrank geschreinert – aus Holz, das keiner verwenden wollte, weil es aufgrund von Astlöchern als fehlerhaft bezeichnet wurde. Die Faszination für massives Holz war bei mir von Anfang an da und hat mich dazu bewegt, dranzubleiben. Weil alles verwertet wird, ist die Arbeitsweise nicht nur nachhaltig, sondern man muss sich auch vor Augen führen, dass ein Stamm eine gewachsene und materialisierte Biographie eines Baumes ist. Man kann sehr viel herauslesen. Die Fehler, Risse, Kanten und Verletzungen sind auch Dinge, die wir selbst in unserem Leben erfahren. Die Aussage „Bruder Baum“, so abgedroschen sie klingen mag, hat für mich trotzdem einen Wahrheitsgehalt.

Wenn Kunden bei mir Rohlinge ansehen, gibt es immer diesen einen magischen Moment, wenn man sich für eine Oberfläche entscheidet. Das finde ich sehr schön! Er wird nicht nur in die Geschichte des neuen Besitzers eingebunden, die Geschichte des Baumes und die des Besitzers treten vielmehr in einen Dialog.

L.L. / Sie verwenden eine alte Technik: das Köhlen. Was darf man darunter verstehen?

S.K. / Das Köhlen gibt es seit der Steinzeit, damals wurden bereits die Speerspitzen geköhlt, um sie härter zu machen. Das Feuer verbrennt die oberste Schicht, diese wird dann abgebürstet. Darunter kommt eine dunkle Schicht hervor, die durch Öle einen signifikanten Schwarzton bekommt. Je länger ich bürste, desto stärker kommt das Braun des Holzes wieder hervor. Mit dem Feuer möchte ich gewisse Facetten herausarbeiten und kann so ganz unterschiedliche Charaktereigenschaften hervorheben.

Zusätzlich gibt es noch Wasseroberflächen, für die die Hölzer gewaschen werden. Anschließend werden dem Holz auch hier nur natürliche Produkte wie Öl und Wachs hinzugefügt. Zudem arbeite ich seit Neuestem auch mit Metall. Ich poliere dabei Silber- und Goldpigmente direkt in die Holzoberfläche, ebenfalls eine sehr alte Technik.

Die Tischbeine sind optional – von schlicht bis opulent. Der Fokus liegt natürlich auf der Platte, deshalb soll der Fuß meiner Meinung nach in erster Linie tragend sein.

©Stefan Knopp
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L.L. / Unregelmäßigkeiten wie Risse werden oft als Makel angesehen, in Ihren Werken machen Sie den Tisch damit zum Unikat. Stillen Sie in diesen rasanten und in vielerlei Hinsicht optimierten Zeiten die Sehnsucht nach etwas Ursprünglichem und Natürlichem?

S.K. / Auf jeden Fall! Die heutige Zeit überfordert uns und unser Hirn häufig, alles passiert unwahrscheinlich schnell. Natürlich haben sehr technische Oberflächen ihre Berechtigung, ich spüre aber auch die Sehnsucht der Menschen nach einer emotionalen Oberfläche. Sie vermittelt ein Gefühl von Ankommen und Sicherheit. Es ist meine Mission, dem Menschen etwas zu geben, das ihn an seinen Ursprung erinnert. Ich sage immer: „Wenn deine Hände spüren, was deine Augen sehen, wird dein Herz dir erzählen, woher es stammt.“

Meine Tische werden heutzutage oft nachgemacht, aber die Geschichte dahinter, die kann nicht kopiert werden. Das spüren auch meine Kunden. Ein Rechtsanwalt gab mir ein tolles Feedback zu meinem Tisch: „Die wirklich heiklen Verhandlungen und Gespräche finden nur an diesem Tisch statt.“ Das war schön!

L.L. / Sie haben Kunden aus aller Welt. Warum ist Salzburg trotzdem der ideale Ort für einen Showroom?

S.K. / Das war Zufall. Man kam auf mich zu und bat mir an, hier einen Showroom zu eröffnen. Für mich ist er eine Spielwiese, in dem ich immer neue Dinge zur Schau stellen kann. Das macht mir großen Spaß. Viele Kunden kommen zwar direkt in meine Werkstatt, in Salzburg sehen sie die Tische jedoch in einem perfekten Ambiente.

Auch über eigene Aktivitäten wie Messen, Ausstellungen und Architekten als auch über eine Kooperation mit einem deutschen Möbelhersteller, der meine Tische exklusiv im deutschen Handel vertreibt, gelangen meine Tische nach draußen und in die Öffentlichkeit.

©Stefan Knopp
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Stefan Knopp

Schon als junger Tischler faszinierten Stefan Knopp genau die Hölzer, mit denen kein anderer arbeiten wollte. Astlöcher, Risse und Verletzungen sah er als Möglichkeit, die Geschichte des Baumes weiterzutragen. Bis heute schafft Knopp einzigartige Möbelstücke aus einem massiven Stück Holz, die durch Feuer, Wasser und Metalle ihre vollen Charaktereigenschaften entfalten.

Wordrap mit Stefan Knopp

Am liebsten arbeite ich mit ...

charakterstarkem, einzigartigem und fehlerhaftem Holz.

Beruf oder Berufung?

Pficht und Kür!

Bei einer Schramme im Tisch rate ich ...

Wabi-Sabi – in Würde zu altern. Das Gebrauchte gibt dem Tisch einen Mehrwert.

Künstler oder Handwerker?

Kunst kommt vom Können.

Hier finde ich in Salzburg Inspiration:

in den Wäldern.