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Nicht Everybody's Darling sein

Lech & Zürs

Nicht Everybody's Darling sein

Interview mit Gertrud Schneider vom Kristiania Hotel

Luxus bedeutet für Gertrud Schneider vor allem eines: Privatsphäre. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie in ihrem Hotel Kristiania großen Wert auf Individualität, Rückzugsmöglichkeiten und maßgeschneiderten Service legt. Was nicht bedeutet, dass es eintönig oder brav zugeht – im Gegenteil: Das Haus im Chalet-Stil beherbergt eine breit gefächerte Sammlung zeitgenössischer Kunst und ist mit Antiquitäten aus aller Welt gespickt. Zudem ist die Chefin selbst für ihre originellen kreativen Einlagen bekannt: In der Vergangenheit überraschte sie Gäste mit Restlessen, Schlapfenkino oder einem Picknick im Schnee. Welche außergewöhnliche Attraktion sie für dieses Saison geplant hat, verrät Gertrud Schneider im Interview mit La Loupe.

L.L./ Ihr Hotel ist eine einzigartige Kunstsammlung. Wann haben Sie die Leidenschaft für Kunst entdeckt und welche Besonderheiten erwarten den Gast im Kristiania?

G.S./ Man kann sagen, die Leidenschaft ist angeboren. Von meiner Mutter kommt die Kunst, von meinem Vater die Internationalität. Das Kristiania sollte ursprünglich ein Privathaus werden, als mein Vater es baute. Da spielte Kunst natürlich eine große Rolle. Wenn man Gäste aus aller Welt hat, muss man die österreichische Kultur und Gastfreundschaft kommunizieren, das geht mit Kunst sehr gut. Man hat auch ein anderes Gesprächsthema als immer nur Schnee und Skifahren, wenn zeitgenössische Kunst an der Wand hängt.

In unserem Hotel findet man ausschließlich Originale. Nicht nur auf die Kunst bezogen, sondern zum Beispiel auch bei den Antiquitäten. Eine Kunstfelldecke käme mir nichts ins Haus. Außerdem trifft man die Künstler hier auch manchmal an. Ein Hotel sollte ein Ort der Begegnung sein, wo unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, etwa aus der Welt der Kunst, der Kultur oder des Sports.

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„Man hat ein anderes Gesprächsthema als immer nur Schnee und Skifahren, wenn zeitgenössische Kunst an der Wand hängt.“

L.L./ Ein Bild ist oft ein Spiel aus Farben, Emotionen und Ausdruck, projiziert auf eine Leinwand. Kann man das Kristiania als Kunstobjekt bezeichnen?

G.S./ Ich sage immer: Wegen mir selbst ist es ein Gesamtkunstwerk (lacht). Aber eigentlich ist es ein ganz normales Hotel. Es geht viel um Persönlichkeit, und man muss den Mut haben, nicht Everybody’s Darling sein zu wollen. Man muss es sich so gestalten und einrichten, wie man es gerne hätte – dazu gehört nicht nur die Hardware, sondern auch die Mitarbeiter, das Team. Dann findet man auch die Gäste, die dazu passen. Und dann ist es kein Trend, sondern authentisch und gelebte Hotelkultur.

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„Ein Hotel sollte ein Ort der Begegnung sein, wo unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen.“

L.L./ Welches sind Ihre persönlichen Kunst-Highlights in Lech?

G.S./ Ich liebe James Turrell und den Skyspace. Das ist eine Installation, die mit Natur zu tun hat, und sie passt hervorragend an den Ort, wo sie steht. Ich war gerade erst mit meinen Mitarbeitern dort, wir hatten wirklich ein Wow-Erlebnis. Aber auch die vielen Veranstaltungen sind toll, kleinere Ausstellungen, das Huber-Hus oder das Philosophicum. Kulturell passiert in Lech sehr viel, wir müssen uns nicht verstecken. Wir sollten das Angebot weiter ausbauen, denn unsere Gäste haben Interesse daran.

„Man muss den Mut haben, nicht Everybody’s Darling sein zu wollen.“

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L.L./ Restlessen, Schlapfenkino oder Picknick im Schnee – Sie überraschen uns immer wieder mit neuen Attraktionen. Worauf dürfen wir uns dieses Jahr freuen?

G.S./ Wir werden einen Eislaufplatz im Retro-Chic direkt vor dem Hotel haben. Ein bisschen wie der vor dem Grand Hotel in St. Moritz, aber natürlich im Kristiania-Style.

„Kulturell passiert in Lech sehr viel, wir müssen uns nicht verstecken.“

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L.L./ Köche nennt man oft „Künstler am Teller“. Das Kristiania bietet mit seinen zwei Restaurants Küche auf Haubenniveau. Wie überraschen Sie Ihre Gäste kulinarisch?

G.S./ Ich lasse unserem langjährigen Küchenchef Martin Schnitzer freie Hand, da mische ich mich nicht ein. Ich persönlich möchte nichts Gekünsteltes, sondern reine und gute Produkte, kein Chichi.

„Wir sind ein Haus, das eine Geschichte erzählen kann, und wir sind stolz auf diese Geschichte.“

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L.L./ Ihr Hotel hat eine große Historie. Ihr Vater, Othmar Schneider, war Olympiasieger. Was erinnert im Hotel heute noch an ihn und was haben Sie von ihm gelernt?

G.S./ Mein Vater war ein großes Vorbild. Auch wenn das Hotel eher das Baby meiner Mutter und mir war, so erinnert hier doch vieles an ihn. Das Team spricht oft von ihm, vor allem die langjährigen Mitarbeiter. Oft heißt es in bestimmten Situationen „Der Herr Schneider hätte das und das gesagt“. Wir haben natürlich Medaillen und Fotografien im Haus, und auch bei den Gästen ist er Thema. Wir sind ein Haus, das eine Geschichte erzählen kann, und wir sind stolz auf diese Geschichte. Das macht das Kristiania aus. Von meinem Vater habe ich gelernt, dass man hart arbeiten muss. Und dass man dem Team zeigen muss, dass man hart arbeitet. Man darf nicht locker lassen, man muss seinen Weg gehen.

„Der Lech-Style ist sportlich mit einem mondänen Touch.“

L.L./ Das Kristiania gehört zu den Small Luxury Hotels of the World. Was ist für Sie der kleine Luxus im Leben?

G.S./ Für mich persönlich ist Privatsphäre Luxus. Das ist mir sehr, sehr wichtig.

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L.L./ Sie verkörpern den alpinen Lifestyle perfekt. Wie könnte man den Lech-Style beschreiben?

G.S./ Der Lech-Style ist sportlich mit einem mondänen Touch.

„Allein kann ein kleines Hotel nicht viel ausrichten, als Kooperation ist man stärker.“

L.L./ Sie kooperieren mit den Hotels von Bill & Coo auf Mykonos. Wie wichtig ist Ihnen der Austausch mit Kollegen?

G.S./ Sehr wichtig. Wir kooperieren auch mit der Katikies-Hotelgruppe auf Santorin und Mykonos. Dabei geht es in erster Linie um Talente und Teammitglieder. Wir brauchen Mitarbeiter, die mit Gästen umgehen können, die den privaten Service suchen, und die alles für ihre Gäste tun. Und da kann ich auf die griechischen Boutiquehotels zurückgreifen, wo diese Philosophie herrscht. Die Teammitglieder wissen dann schon, worum es geht, sie müssen sich dann nur noch Lech aneignen. Ich bin ein großer Befürworter von Kooperationen. Allein kann ein kleines Hotel nicht viel ausrichten, als Kooperation ist man stärker. Und es ist gut für die Wahrnehmung des Hotels – wenn man in der richtigen Kooperation ist.

„Die Welt ist nicht Lech, die Welt kommt nach Lech zu Besuch.“

L.L./ Reisen Sie selbst gerne?

G.S./ Ich finde Reisen für Hoteliers extrem wichtig – als Entdecker, nicht als Tourist. Um ein Hotel zu gestalten, muss man mit offenen Augen durch die Welt reisen. Die Welt ist nicht Lech, die Welt kommt nach Lech zu Besuch. Man braucht einen Tapetenwechsel, um zu sehen, wie schön es hier ist. Und um zu erkennen, was man seinen Gästen hier bieten kann.

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WORDRAP

Hunde sind im Kristiania ...
willkommen.

Als Kind wollte ich ...
Schauspielerin … werden.

Ein Kunstwerk darf ...
zur Diskussion anregen.

Mein Kraftort in Lech ist ...
das Omeshorn.

KRISTIANIA LECH

Omesberg 331, 6764 Lech am Arlberg

+43 5583 / 25610

info@kristiania.at

www.kristiania.at

1952 brachte Othmar Schneider von den Olympischen Winterspielen in Oslo Gold und Silber mit. Zurück in Lech baute der Slalom-Meister ein großes Chalet auf dem Omesberg aus – zunächst für seine Familie, später als Gästehaus. Illustre Besucher aus aller Welt, darunter viele Künstler, gingen bald ein und aus – und tun es heute noch. Seit 1992 leitet Tochter Gertrud das mondäne Fünf-Sterne-Hotel, dessen 29 Zimmer und Suiten üppig und farbenfroh gestaltet sind – von klassisch im alpinen Stil bis exotisch-asiatisch. Im Kaminzimmer wird Fondue und Raclette aufgetischt, das Frühstück ist à la carte. Von der Terrasse eröffnet sich ein Panoramablick über Lech und die Berge, zum Ortskern sind es fünf Gehminuten.


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