Alpine Tradition und dolce vita
© Julius Hirtzberger | Marlène Barth-Elsensohn und Birgit Elsensohn

Alpine Tradition und dolce vita

Interview mit Birgit Elsensohn und Marlène Barth-Elsensohn

Mit Leidenschaft und viel Feingefühl verwandelten Gastgeberin Marlène Barth-Elsensohn und Archi-tektin Birgit Elsensohn das geschichtsträchtige Haus in ihrem Familienbesitz zum ästhetischen Refugium, welches die Toskana nach Lech holt!

Mitten im historischen Ortskern von Lech, eingebettet in der Kulisse einer eindrucksvollen Berglandschaft liegt die ehemalige Frühstückspension Hotel Schwarzwand. Ein alpines Juwel mit Geschichte, das sich seit letztem Jahr fast un-bemerkt zu einer der Top-Adressen für Designfans entwickelt hat: ein lässiges Hideaway zum Relaxen und Genießen, dessen toskanisch-österreichischer Charme in allen Details – vom Interieur bis zur Wandgestaltung – zum Ausdruck kommt. Hinter dem Wandel zum stilvollen, aber bodenständigen Rückzugsort für Ästheten und Genussmenschen steht das Mutter-Tochter-Gespann Birgit Elsensohn und Marlène Barth-Elsensohn, welche seit der Übernahme des Hauses mit viel Liebe zum Detail ihre Ideen eines eleganten und von italienischer Leichtigkeit geprägten Place to be umsetzen, wo eine kleine Auszeit zur Best of Quality Time wird. Im Interview verraten sie uns mehr über Dolce Vita, Traditionen und gutes Design.

L.L. / Wieviel Florenz und wieviel Lech steckt im Hotel Schwarzwand?

B.E. / Das Hotel befindet sich mitten im Ortskern von Lech, nur einen Steinwurf von der Hauptstraße entfernt. Dabei haben wir das Glück, von einer großartigen Bergkulisse umgeben zu sein. So war es für mich von Beginn an klar, diesen besonderen An- und Ausblick in den Vordergrund zu stellen und die Architektur entsprechend anzupassen: Große Panoramafenster in der neuen Loungebar und im Eingangsbereich sowie große Fensterfronten in den Zimmern und Suiten ermöglichen nun einen freien Blick auf die umliegende Berglandschaft; auch Terrassen und Balkone sind in diese Richtung ausgerichtet. Im Inneren habe ich mich bewusst für einen Stil entschieden, der sich gegenüber der alpinen Kulisse in seiner Sensibilität und Schlichtheit zurücknimmt, gleichzeitig aber meine persönliche Vita und meine Erfahrungen in Italien zum Ausdruck bringt.

© Julius Hirtzberger
„Kaum etwas bereitet mir mehr Freude als unseren Gästen einen einzigartigen Aufenthalt zu bieten.“
Birgit Elsensohn
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L.L. / Was ist das ungewöhnlichste Merkmal des Hotels? Auf was wurde besonders Wert gelegt?

B.E. / Ich glaube, das Besondere an unserem Hotel ist dieser leichte, italienische Flair, der hier durch die Auswahl und Kombination bestimmter Materialien herrscht und in dem alpinen, österreichischem Umfeld dann doch hervorsticht. Dabei war es keineswegs meine Intention, ein „italienisches Hotel“ zu realisieren. Eher waren es die Gewohnheiten und Erfahrungen der letzten 25 Jahre als Architektin in Florenz, die jene für mich natürliche Stilsprache kreierten, die heute in der Schwarzwand sichtbar ist.


L.L. /
Gibt es einen Lieblingsplatz im Hotel, der wie kein anderer die Philosophie des Hauses widerspiegelt?

M.B. / Mein absoluter Lieblingsplatz im Hotel ist unsere Lounge Bar. Besonders am Abend, wenn Familie und Gäste zusammenkommen, genieße ich die ruhigen Momente hier sehr. Mit seinen gemütlichen Sitzecken ist es der perfekte Ort, um neue Bekanntschaften zu schließen, den ereignis-reichen Tag Revue passieren zu lassen und sich mit einem guten Aperitivo auf das anstehende Abendessen vorzubereiten.

Schwarzwand Lech Julius Hirtzberger B0022972

© Julius Hirtzberger
„Gutes Design ist nicht zwangsläufig ein Garant für einen guten Raum oder ein gutes Raumgefühl.“
Birgit Elsensohn

Schwarzwand Lech Julius Hirtzberger B0022859

© Julius Hirtzberger

L.L. / Handverlesenes und maßgefertigtes Mobiliar, Naturstein, warme Holz- und Grautöne: Welche Emotionen möchten Sie mit Ihrem Design und Ihrer Architektur transportieren?

B.E. / Allen voran war es mir wichtig, dass unsere Philosophie in den neu gestalteten Räumen durch ihre sorgfältig ausgewählte Ausstattung mit allen Sinnen spürbar ist, also nicht nur visuell, sondern auch haptisch und sogar olfaktorisch vermittelt wird. Dadurch tritt jeder Besucher und Gast auf seine eigene Art und Weise in einen individuellen Austausch mit den Räumen, der auch von persönlichen Erfahrungen und Emotionen beeinflusst ist.


L.L. /
Wie würden Sie Ihre Philosophie in Bezug auf das Design zusammenfassen?

B.E. / Gutes Design ist nicht zwangsläufig ein Garant für einen guten Raum oder ein gutes Raumgefühl. Gut ist, was nachhaltig berührt.

Schwarzwand Lech Julius Hirtzberger B0023072

© Julius Hirtzberger
„Architektur und Design sind ein Rahmen für das, was darin stattfinden kann, die Hardware sozusagen.“
Birgit Elsensohn

Schwarzwand Lech Julius Hirtzberger B0023138

© Julius Hirtzberger

L.L. / Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach Architektur und Design generell für den Erfolg von Hotels?

B.E. / Das kommt ganz darauf an, worüber sich ein Hotel inhaltlich definiert. Architektur und Design sind ein Rahmen für das, was darin stattfinden kann, die Hardware sozusagen. Wenn all das jedoch nicht mit Emo-tion und Leidenschaft gefüllt wird, nützt auch das beste Design und die schönste Architektur nichts.


L.L. /
Apropos Leidenschaft: Wie transportiert man Gastfreundschaft in einem so einzigartigen Ambiente?

M.B. / Gastgeberin war ich schon immer liebend gerne, das habe ich besonders während meiner Studienzeit in Florenz gemerkt. Das Schöne dabei ist, dass die Gastfreundschaft nahezu in einem ruht. Kaum etwas bereitet mir mehr Freude, als unseren Gästen einen einzigartigen Aufenthalt zu bieten. Ein besonderes Umfeld zu haben, das sich zum einen durch seine Ursprünglichkeit, zum anderen durch seine Modernität auszeichnet, macht das umso leichter.

WORDRAP

Fondue oder Bistecca alla Fiorentina?
B.E. / Weder noch! Am liebsten Fagioli Zolfini mit meinem selbst produzierten Olivenöl aus meinem Olivenhain von den Hügeln über Florenz.

Architektur und Design sind für mich …
B.E. / ... teile des großen Ganzen.

Die Philosophie des Hauses in drei Worten …
B.E. / ... Leichtigkeit, Poesie, Unaufdringlichkeit.

Inspirationen für neue Ideen finde ich …
B.E. / ... in der präzisen Beobachtung der bedeutenden und auch unscheinbaren Dinge in meinem näheren und weiteren Umfeld.

Mein Tag beginnt … und endet mit …
B.E. / ... im besten Fall mit Musik und endet mit Musik. Spannend ist das, was dazwischen passiert.

Gutes Design ist …
B.E. / ... zeitlos, unaufgeregt und diskret.

L.L. / Neben dem Hotel Schwarzwand gehört auch die Pension Sandbur, das Walserhaus zum Familienbesitz. Mit welchem Designkonzept werden die Gäste hier überrascht?

B.E. / Der Sandbur ist das älteste, zu vielen Teilen noch erhaltene Walserhaus in Lech. Wir sind gerade dabei, die Bauhistorie des gesamten Gebäudekomplexes, sprich des Wohn- und Wirtschaftsbereichs, eingehend zu analysieren und der Geschichte auf die Spur zu gehen. Im Anschluss daran soll die historische Bausubstanz ganz im Sinne einer Rückführung freigelegt und saniert werden, das heißt, die Räume und Haustechnik werden so gestaltet, dass sie einerseits den Ansprüchen von heute gerecht werden; andererseits ihren einzigartigen, historischen Geist nicht verlieren. Der Sandbur soll demnach vielmehr einen Rückgriff auf seine Vergangenheit verkörpern als eine moderne Erneuerung.


L.L. /
Ihre Familie gehört zu den ältesten am Tannberg. Welches Erbe möchten Sie den nachfolgenden Generationen hinterlassen?

B.E. / Ich denke, es ist heutzutage schwer, über mehrere Generationen hinweg zu planen. Was ich jedoch mit auf den Weg geben kann, ist es, Geschichte zu verstehen und zu würdigen, sodass sie auch über viele Jahre hinweg geschützt und weitergegeben wird.

© Julius Hirtzberger | Sandbur
„Der Sandbur soll demnach vielmehr einen Rückgriff auf seine Vergangenheit verkörpern als eine moderne Erneuerung.“
Birgit Elsensohn
Inside story

Seine Anfänge hat das Hotel Schwarzwand in der Zeit des großen wirtschaftlichen und touristischen Aufschwungs in den 1960er-Jahren. In dieser Aufbruchsstimmung des wachsenden Wohlergehens und Mondänität gründeten Walter und Helga Elsensohn 1965 ihre Frühstückspension, die anschließend über Jahrzehnte zu einem Vier-Sterne-Hotel ausgebaut wurde. Heute führt Tochter Birgit Elsensohn, die in Florenz Architektur und Denkmalpflege studiert hat, die Geschichte des Hauses fort. Gemeinsam mit ihrer Tochter Marlène Barth-Elsensohn verwandeln sie die Schwarzwand nach und nach in eine exklusive Adresse für Ästheten und Genießer; einen Ort poetischer Eleganz, wo die italienische Lebensfreude auf die unverwechselbaren Werte alpiner Gastfreundschaft trifft.


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